Studie zu Bildung und Integration Wenig Chance, viele Vorurteile

Einer Studie zufolge haben Kinder ausländischer Herkunft noch immer große Defizite bei Beruf und Bildung - es liegt nicht nur an mangelnden Möglichkeiten.

Von Roland Preuß

Die Integrationspolitik der Bundesregierung trägt bisher nur wenige Früchte. Dieser Schluss ergibt sich aus dem 1.Integrations-Indikatorenbericht, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Demnach sind die Jobchancen von Einwanderern nach wie vor geringer, ihr Armutsrisiko höher, und sie werden häufiger einer Straftat verdächtigt als ihre deutschen Mitbürger.

Drei Mädchen ausländischer Herkunft beim Deutsch-Vorbereitungskurs für die Grundschule

(Foto: Foto: dpa)

Wissenschaftler vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik und vom Wissenschaftszentrum Berlin hatten im Auftrag der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), untersucht, welche Fortschritte die Eingliederung von Zuwanderern in den Jahren 2005 bis 2007 gemacht hat. "Wir kämpfen in der Integrationspolitik mit früheren Versäumnissen - doch erste Erfolge machen Mut", sagte Böhmer zu der mageren Bilanz.

Gelungene Eingliederung ohne einen Job oder eine Ausbildung ist schwer vorstellbar - doch gerade dort hapert es ähnlich stark wie noch vor ein paar Jahren. Die Arbeitslosenquote von Ausländern war 2007 mit 20,3 Prozent etwa doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.

Ausländische Jugendliche haben zudem seltener einen Ausbildungsplatz gefunden: Während 2008 bei den 18- bis 21-jährigen Deutschen mehr als 57 Prozent eine Ausbildung absolvierten, waren es bei den ausländischen Jugendlichen dieser Altersgruppe nur knapp 24 Prozent. Dies hat jedoch nicht nur mit mangelnden Deutschkenntnissen oder schlechten Noten der Zuwanderer-Kinder zu tun.

Selbst wenn Jugendliche mit ausländischen Wurzeln das Abitur schaffen, sind ihre Bewerbungen deutlich seltener erfolgreich als die von Einheimischen. Offenbar hängt der Misserfolg also auch mit Benachteiligung am Ausbildungsmarkt zusammen. Darüber hinaus haben Migranten mit knapp 27 Prozent ein doppelt so hohes Risiko, zu verarmen, wie die Gesamtbevölkerung.

Auch in der Bildung hinken die Zuwanderer hinterher. Insgesamt verließen 7,3 Prozent der Jugendlichen 2007 die Schule ohne Abschluss, bei den Ausländern waren es mehr als doppelt so viele. Allerdings gibt es aus den Schulen auch positive Trends zu berichten: Zum einen ist die Zahl ausländischer Schulabbrecher zwischen 2005 und 2007 von 17,5 auf 16 Prozent gesunken.

Darüber hinaus schneidet die zweite Generation der Zuwanderer, also Jugendliche, die in Deutschland geboren wurden und mindestens einen ausländischen Elternteil haben, deutlich besser ab als ihre Eltern. Sie blieben nur zu 2,2 Prozent ohne einen Schulabschluss - und waren damit besser als der Gesamtschnitt in der Bevölkerung mit 2,3 Prozent.

In Deutschland lebende Ausländer wurden dem Bericht zufolge mehr als doppelt so häufig einer Straftat, eines Gewaltverbrechens verdächtigt wie der Durchschnitt. Die Forscher verweisen darauf, dass Ausländer häufiger angezeigt oder von der Polizei kontrolliert werden. Kriminologen betonen, dass Deutsche in gleicher sozialer Lage wie Arbeitslosigkeit ähnlich häufig mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Böhmer sagte, es besuchten zu wenige Migrantenkinder einen Kindergarten, besonders dort seien weitere Anstrengungen notwendig. Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) sagte dagegen der Welt, die Kräfte müssten auf Jugendliche konzentriert werden: "Wir dürfen es nicht zulassen, eine verlorene Generation zu haben."

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