Job Kinderbetreuung ist Sache der Mutter

Firmen tun immer mehr für die Kinderbetreuung. Die Zahl der Betriebskindergärten verdoppelte sich im vergangenen Jahrzehnt auf knapp 700.

(Foto: Thomas Lohnes/Getty Images)
  • Fast jede dritte weibliche Fachkraft würde gern Vollzeit arbeiten, wenn sich die Kinderbetreuung besser organisieren ließe, besagt eine Studie.
  • In Deutschland glauben 80 Prozent der Frauen, dass Kinder ihrer Karriere schaden.
  • Frauen und Männern sind Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie offenbar unterschiedlich wichtig.
Von Alexander Hagelüken

In Deutschland wandelt sich Grundsätzliches: Immer mehr Frauen wollen arbeiten. Sie streifen das langjährige Rollenbild der Nachkriegszeit ab, wonach das weibliche Geschlecht vornehmlich Haus und Kinder hüten sollte. Waren im Jahr 2000 erst 59 Prozent der Mütter berufstätig, stieg der Anteil bis 2012 auf 66 Prozent. Doch die Frauen fühlen sich noch immer eingeschränkt. Fast jede dritte weibliche Fachkraft würde gern Vollzeit arbeiten, wenn sich die Kinderbetreuung besser organisieren ließe. Das ergibt eine Befragung der Jobbörse Stepstone, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Betroffen sind allein unter den Fachkräften eine Million Deutsche. "Gelänge es, dieses Potenzial für den Arbeitsmarkt zu nutzen, wäre das ein Meilenstein im Kampf gegen den Fachkräftemangel", so Sebastian Dettmers von Stepstone. Wunsch und Möglichkeiten klaffen bei deutschen Frauen immer noch stark auseinander. Viele arbeiten - wenn überhaupt - Teilzeit, obwohl sie anderes möchten. Die Bundesrepublik schneidet im internationalen Vergleich schlecht ab. In den G-20-Industriestaaten denkt im Durchschnitt nur jede zweite Frau, dass Kinder ihrer Karriere schaden. In Deutschland dagegen glauben es 80 Prozent.

Bemerkenswert ist, dass Frauen und Männern Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie offenbar unterschiedlich wichtig sind. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor, die die SZ vorab auswertet. Demnach leisten Firmen immer mehr für die Kinderbetreuung. Die Zahl der Betriebskindergärten verdoppelte sich im vergangenen Jahrzehnt auf knapp 700. Firmen helfen bei der Suche nach einem Kitaplatz, zahlen etwas dazu oder halten für den Nachwuchs ihrer Beschäftigten Plätze in öffentlichen Kitas vor.

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Unterstellt man ein partnerschaftliches Modell, in dem der Arbeitswunsch von Mutter und Vater gleich viel zählt, müssten sich Frauen und Männer gleich stark freuen, wenn ihre Firma bei der Kinderbetreuung hilft. Nach der DIW-Studie ist das Gegenteil der Fall. Die Zufriedenheit der Frauen mit ihrer Arbeit und mit ihrem Leben allgemein steigt signifikant, wenn der Arbeitgeber Maßnahmen zur Betreuung ergreift. Die Reaktion der Väter darauf ist gleich null. "Möglich ist, dass Väter von dem Problem der Vereinbarkeit weniger belastet sind", schreiben die Forscherinnen Johanna Storck und Verena Lauber höflich. Weniger höflich ausgedrückt könnte ihr Befund bedeuten, dass Väter es nach wie vor als Sache der Mutter betrachten, sich um Kinder und ihre Betreuung zu kümmern.

Dazu passt eine jüngste Studie des DIW, wonach die Belastungen entgegen vielen Beteuerungen der Männer nach wie vor ungleich verteilt sind: Selbst wenn Frauen wie ihr Mann Vollzeit arbeiten, kümmern sie sich täglich drei Stunden mehr um Hausarbeit und Kinder als der Gatte.