Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn: Eine Studie ermittelt, wie sich die Einkommen in Deutschland unterscheiden.
Gleiche Arbeit, gleicher Lohn - davon können Frauen nur träumen. In Deutschland verdienen sie zwölf Prozent weniger als Männer. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Kooperation mit der Uni Konstanz veröffentlicht hat. "Die Unterschiede zwischen Frauen- und Männerlöhnen sind im letzten Jahrzehnt fast gleich geblieben", bilanziert der Konstanzer Soziologieprofessor Thomas Hinz.
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Die zwölf Prozent Lohnunterschied im Jahr 2001 wirken auf den ersten Blick eher niedrig: Andere Statistiken ermitteln für die Bundesrepublik Differenzen von mehr als zwanzig Prozent. Doch in solche Rechnungen geht oft nicht ein, dass Frauen häufiger Teilzeit arbeiten und im Schnitt niedriger qualifiziert sind. Die IAB-Studie hingegen ermittelt die Bezahlung von vollzeitbeschäftigten Männern und Frauen mit annähernd gleicher Qualifikation im gleichen Betrieb in vergleichbarer Position.
Die Forscher haben aussagekräftige Daten verwendet: Gehälter und Bildungsabschlüsse von 1,4 Millionen Beschäftigten lieferten die Sozialversicherungen. Die Kombination mit einem zweiten Datensatz, dem IAB-Betriebspanel, ermöglichte es, die 1,4 Millionen Gehälter einzelnen Betrieben und vergleichbaren Jobs in den Betrieben zuzuordnen. Ergebnis: "Der Lohnunterschied innerhalb von Berufen und Betrieben bewegt sich auf hohem Niveau", so Thomas Hinz und Co-Autor Hermann Gartner. Die letzten Jahre veränderten wenig: 1993 lag der Unterschied bei 12,5 Prozent; im Jahr 2001 waren es 12,0 Prozent.
Die Differenzen fallen in besser bezahlten Jobs geringer aus. Wissenschaftlerinnen verdienen "nur" 5,5 Prozent weniger als ähnlich qualifizierte Männer im gleichen Unternehmen; auch bei Führungskräften sind die Unterschiede mit 6,6 Prozent eher gering. Ein großes Gefälle stellt die Studie im Handwerk sowie bei Büro-und Dienstleistungsjobs fest: Hier verdienen Frauen 13 Prozent weniger. Auch zwischen Branchen gibt es Unterschiede: Die Nahrungsmittelindustrie zahlt Frauen die schlechtesten Löhne; fast auf Männer-Niveau sind Frauengehälter im öffentlichen Dienst, bei Energiekonzernen sowie in den Sektoren Bergbau und Bau (in denen aber kaum Frauen arbeiten).
Die Autoren räumen einige blinde Flecken der Studie ein: Beamte und Selbstständige bleiben außen vor; die neuen Bundesländer sind ausgeklammert. Auch reale Arbeitszeiten konnten die Wissenschaftler nicht erfassen: "Aus anderen Studien weiß man, dass Männer häufiger Überstunden machen als Frauen. Würde man das einrechnen, wäre der Unterschied zwischen Stundenlöhnen von Frauen und Männern etwas geringer", sagt Thomas Hinz. Trotzdem bleibe ein Lohngefälle, das es in den USA oder in skandinavischen Staaten nicht gebe.
Ob das geplante Anti-Diskriminierungsgesetz daran etwas ändert, ist schwer zu schätzen. Zwar können Arbeitgeber demnach zu einer Entschädigung verurteilt werden, wenn sie Frauen beim Gehalt "vorsätzlich oder grob fahrlässig" benachteiligen. "Wir setzen darauf, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer stärker mit dem Thema auseinander setzen", sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Christel Humme. Schon bisher hätten Frauen gegen Diskriminierung beim Gehalt klagen können, hätten es aber fast nie getan. Verhältnisse wie in den USA, wo vor Gericht häufig um enorme Schadensersatzsummen gestritten wird, erwartet Humme deshalb nicht.
(SZ vom 16.2.2005)
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