Eine erste bundesweite Studie räumt auf mit dem Bild der "Generation Praktikum": Schlecht bezahlte Praktika nach dem Studium sind danach keinesfalls ein Massenphänomen - im Gegenteil.

Die so genannte Generation Praktikum hat einer bundesweiten Studie zufolge weit bessere Jobchancen als bislang angenommen.

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Nur jeder achte Fachhochschul- und nur jeder siebte Universitätsabsolvent macht nach dem Abschluss ein Praktikum, wie eine Studie der HIS Hochschul-Informations-System herausfand.

Die berüchtigten Kettenpraktika seien Ausnahmen, nur ein Prozent aller Absolventen arbeite ein Jahr nach dem Examen noch als Hilfskraft. Bundesbildungsministerin Anette Schavan riet, die Ängste der Hochschulabsolventen dennoch ernst zu nehmen.

Der Studie zufolge erscheine es nicht gerechtfertigt, von einer Generation Praktikum zu sprechen, sagte HIS-Mitarbeiter Kolja Briedis. Allerdings gebe es auffällige Unterschiede zwischen den Fachrichtungen.

34 Prozent der Geisteswissenschaftler und 21 Prozent der Architekten starten demnach ihre berufliche Karriere als billige oder sogar kostenlose Hilfskraft, bei Elektro- oder Lebensmitteltechnikern seien es lediglich zwei Prozent. Frauen machten häufiger nach dem Studium Praktika als Männer (bei Universitätsabsolventen 18 Prozent gegenüber 12 Prozent).

Ein Hochschulabschluss sei immer noch die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, sagte Briedis. So seien neun Monate nach dem Ende des ersten Praktikums gerade noch sechs Prozent der Fachhochschul- und vier Prozent der Uni-Absolventen arbeitslos.

"Die Aufregung und die Ängste, die unter Studenten und Jungakademikern grassieren, wirken angesichts der beobachteten Wirklichkeit arg übertrieben", sagte Briedis. Bundesbildungsministerin Schavan sagte der Zeit, die Studie belege, dass die tatsächliche Lage besser sei als die gefühlte. Doch für den, der ohne jede Stellenperspektive in einem Praktikum stecke, sei es egal, ob es sich um ein Massenphänomen handele oder nicht. "Darum gibt es auch keinen Grund zum Schönreden, keinen Grund zur Entwarnung", sagte die CDU-Politikerin.

Nicht jedes Praktikum wird negativ bewertet

"Wir müssen die Ängste und die Verunsicherung der Hochschulabsolventen ernst nehmen." Die Berufsaussichten von Akademikern in Deutschland seien insgesamt gut und würden im aktuellen Aufschwung immer besser, sagte die Ministerin. Nicht jedes Praktikum werde von den Betroffenen negativ bewertet. Wenn allerdings die Zahl der prekären Arbeitsverhältnisse auffallend hoch sei, sei das ein falsches Signal an die Hochschulabsolventen.

"Sie müssen die Erfahrung machen, gebraucht zu werden und mit ihren Talenten gefragt zu sein", sagte Schavan und forderte von den deutschen Unternehmen attraktivere Arbeitsbedingungen für Akademiker.

Als Generation Praktikum werden Universitätsabgänger der vergangenen Jahre bezeichnet, von denen Medienberichten zufolge viele keine Arbeitsplätze finden und sich daher mit schlecht bezahlten Praktika durchschlagen. Im Auftrag des Bundesbildungsministeriums befragte HIS im Rahmen der deutschlandweit ersten repräsentativen Studie zu diesem Thema fast 12.000 Mitglieder des Absolventenjahrgangs 2005.

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(AP)