Mittlerweile halten Demonstranten Hörsäle an 50 Universitäten besetzt. Politik und Hochschulrektoren zeigen Verständnis, Widerstand formiert sich in den eigenen Reihen.
Bundesweit haben Studenten am Freitag ihre Proteste an den Hochschulen fortgesetzt. Der studentische Dachverband fzs griff die Rektoren scharf an. Die Hochschulrektorenkonferenz sei "weltfremd" und agiere an den Interessen der Studenten vorbei. Bisher hätten Professoren kaum auf Studenten gehört, beklagte der Verband. An 50 Universitäten hielten Aktivisten Hörsäle besetzt. Am Dienstag wollen sie bundesweit für bessere Studienbedingungen und gegen Gebühren auf die Straße ziehen. Die Organisatoren hoffen, dass sich wie im Sommer auch Schüler an dem "Bildungsstreik" beteiligen werden.
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An 50 Universitäten halten Aktivisten Hörsäle besetzt. Am Dienstag wollen sie auf die Straße gehen. Dann sollen sich auch Schüler beteiligen. (© Foto: ddp)
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Politiker und Rektoren signalisierten Gesprächsbereitschaft. "Es ist richtig, dass die Studierenden sich zu Wort melden", sagte die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel. Nötig seien mehr Personal in der Lehre, kleinere Seminare und Korrekturen bei den neuen Bachelor-Studiengängen. Pauschale Angriffe auf die Professorenschaft und "ideologisch gefärbte Thesen" zur Ökonomisierung der Hochschulen seien jedoch unglaubwürdig, sagte Wintermantel.
Finanziell "mehr Spielraum"
Auch der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Henry Tesch (CDU), äußerte Verständnis für die Kritik der Studenten. Er verwies auf einen Beschluss der KMK von Oktober, der Verbesserungen in Aussicht stelle und zügig umgesetzt werden solle.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) appellierte an die Länder, den Universitäten auch finanziell "mehr Spielraum" zu geben. Studentenvertreter beklagten, es sei bisher zu wenig geschehen, um die Stoff- und Prüfungsfülle im Studium zu reduzieren.
Allerdings gab es auch Beschwerden von Studenten, die sich von den Besetzern nicht vertreten fühlten. In Österreich, wo seit drei Wochen das Audimax in Wien besetzt ist, lösten die Proteste bereits eine Gegenbewegung aus. Ein Forum im Netzwerk Facebook mit dem Namen "Studieren statt Blockieren" erhielt Zulauf von mehreren tausend Nutzern. In Deutschland kritisierten konservative Studentenverbände die Aktionen ihrer Kommilitonen. Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten warf den Besetzern fehlende Substanz in den Forderungen vor. Niemand habe das Recht, anderen den Zugang zu Lehrveranstaltungen zu versperren.
Zettel im Landtag
In Sachsen-Anhalt trugen Studenten ihren Protest am Freitag auch in den Landtag. Von einer Besucherempore warfen sie Zettel mit der Forderung nach besseren Studienbedingungen ins Plenum. In Bielefeld verließen Besetzer am Freitag nach zwei Tagen das Audimax, bevor die Polizei anrückte. In Tübingen hatten am Donnerstag Polizisten den großen Hörsaal geräumt. Studenten der Universität Duisburg-Essen kündigten an, ein Ultimatum des Rektorats zu ignorieren und den großen Hörsaal auch am Abend nicht freizugeben.
Andere Hochschulen, unter anderem die Freie Universität Berlin und die Universität Hamburg, wollten die Besetzungen weiter tolerieren. An vielen Hochschulen mussten Lehrveranstaltungen in andere Räume verlegt werden, der Studienbetrieb ging aber weiter. Auch an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität übernachteten Studenten im Audimax und setzten ihren Protest tagsüber fort.
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(SZ vom 14.11.2009/holz)
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