Studentenproteste So viel Lärm - und noch immer nicht müde

Auch nach den ersten gewaltsamen Polizeieinsätzen halten die Studentenproteste an. Ein neuer Höhepunkt wird für Donnerstag erwartet.

Die Studenten werden nicht müde: Die seit Wochen anhaltenden Proteste gegen das Bachelor-Master-System und gegen Studiengebühren flauen nicht ab. Auch nach der gewaltsamen Räumung des Frankfurter Uni-Casinos am vergangenen Mittwoch blieben die Demonstrationen und Besetzungen in anderen Teilen Deutschlands friedlich.

Viele Studenten erwarten den Höhepunkt der Aktionen nun am 10. Dezember - dann befasst sich die Konferenz der Kultusminister in Bonn mit der Situation der Hochschulen. Die Polizei rechnet dort mit mehreren tausend Demonstrationsteilnehmern. Berliner Studenten wollen die Kultusminister in Bonn mit einer Blockade "zum Nachsitzen zwingen". Mit einer langsamen Auflösung der Proteste wird erst für die Weihnachtsferien gerechnet.

In Hessen werden die Besetzungsaktionen noch immer kontrovers diskutiert. Bei einer Studenten-Demonstration gegen die polizeiliche Räumung des Casinos an der Frankfurter Goethe-Universität wurden vergangene Woche drei Beamte verletzt. Etwa 500 Demonstranten waren rund drei Stunden quer durch die Stadt gelaufen und am Betreten des Campus gehindert worden. Die Polizei setzte nach eigenen Angaben Pfefferspray und Schlagstöcke ein, als Studenten versuchten, eine Polizeikette zu durchbrechen.

Die Universität hatte das Casino räumen lassen, nachdem nach ihren Angaben Sachschäden von rund 200.000 Euro angerichtet worden waren. Hinzu kämen rund 60.000 Euro Umsatzausfall der Mensa, die zum Teil blockiert war. Studenten verschiedener Fachbereiche distanzierten sich in einer E-Mail von den Vandalismus-Schäden.

Auch im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen halten die Proteste an. In Köln hielten Studenten am Freitag zunächst zwei Hörsäle besetzt, darunter die größte Aula, räumten sie am Nachmittag jedoch freiwillig. Dialoge zwischen Universitäts-Leitung und Studenten bahnten sich in Bonn und Dortmund an. An der Ruhr-Uni Bochum ist der Audimax seit Montag besetzt.

Staubsauger und Putzzeug

In Wuppertal halten Studenten seit mehr als zwei Wochen den Hörsaal 21 besetzt. Eine Gruppe von etwa 15 Studenten hat sich dort mit Kaffeemaschine, Herdplatte, Staubsauger und Putzzeug eingerichtet. Die Hochschulleitung will nicht einschreiten, da die Studenten für die Vorlesungen andere Räume organisiert haben. In Bielefeld ist das Audimax besetzt, in Paderborn kampieren seit drei Wochen 15 bis 20 Studenten auf der Empore des Audimax-Foyers.

Hartnäckig zeigen sich auch die streikenden Studenten an den Hochschulen in Nürnberg, Erlangen und Bamberg. Sie wollen die Proteste fortsetzen. In München soll der größte Hörsaal der Ludwig-Maximilians-Universität lediglich für wöchentlich sieben Vorlesungen geräumt werden, die in anderen Räumlichkeiten nicht abgehalten werden können.

Sprung in den Brunnen

In Baden-Württemberg gehen die Studentenproteste ebenfalls weiter. In Freiburg halten nach wie vor rund 100 Studenten das Foyer und zwei weitere Räume besetzt. Es verlaufe aber alles friedlich und ohne Sachbeschädigungen, sagte eine Sprecherin der Hochschule. In Reutlingen waren am Donnerstag Studenten der Pädagogischen Hochschule in den Brunnen am Marktplatz gesprungen - symbolisch für die Bildung, die den Studenten zufolge ebenfalls baden geht.

Unvermindert halten die Hochschulproteste in Niedersachsen, Brandenburg, Thüringen und Sachsen an. In Lüneburg, Göttingen, Hannover und Oldenburg blieben Hörsäle besetzt. In Rostock in Mecklenburg-Vorpommern planen Studenten am 10. Dezember eine Großdemonstration.

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