Derzeit sind etwa zwei Millionen Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben - sollten die Zählungen des Protesttags auf insgesamt 10.0000 Studenten kommen, wäre das nicht gerade eine breite Basis. Das liegt wohl auch daran, dass nur wenige auf eine komplette Reform der Reform drängen, sondern erst einmal abwarten, was aus dem wird, was bereits versprochen wurde. Auch in so bewegten Zeiten wie diesen finden an Unis Vorlesungen statt, mancherorts ist von Protesten gegen den Protest zu hören, nicht nur von Seiten konservativer Studentenverbände.
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In Würzburg sorgten Wirtschaftswissenschaftler in der vergangenen Woche per Abstimmung dafür, dass Protestierende einen Hörsaal umgehend räumen mussten. Besetzungen seien der falsche Weg, mehr Bildung zu erkämpfen, meinte am Dienstag auch der traditionell konservativ geprägte AStA der Bonner Universität.
Während die einen also Transparente entrollen und Hörsäle besetzen, geht für die anderen der Studienalltag weiter. So auch für Lena Marg, 20, die in Hamburg im ersten Semester Jura studiert. Erstsemester seien an ihrer Uni kaum in den Protest involviert, sagt sie. Von den Studentenprotesten erfahre sie vor allem aus der Zeitung. Es ist ihren Beobachtungen zufolge nur ein eher kleiner Kreis, der einen Hörsaal besetze. Hier und da mal ein Flyer, erzählt sie, ansonsten gehe der Protest an der großen Uni fast unter. Auch gegen die Studiengebühren wolle sie nicht protestieren: "Ich wollte ja unbedingt nach Hamburg, in meiner Heimat Hessen hätte ich kostenlos studieren können."
Gerade in Hessen, wo die Studiengebühren längst abgeschafft wurden, ist man Radikaleres gewöhnt. In den neunziger Jahren boykottierten Studierende in Gießen, Marburg oder Frankfurt über Wochen jegliche Lehrveranstaltung, wer trotzdem versuchte, eine solche abzuhalten oder dieselbe zu besuchen, wurde ausgepfiffen. In den vergangenen zehn Jahren wurden aus Protest gegen Studiengebühren Rektorate besetzt, Straßen und Bahngleise blockiert, einmal rannte eine Horde nackter Studenten durch Berlin. So betrachtet sind die Mittel, derer sich die "2009er" bedienen, geradezu harmlos.
Der Soziologe Tino Bargel untersuchte jüngst den Wandel politischer Orientierungen bei Studenten. Trotz des großen Bildungsstreiks hält er die meisten Studenten für politisch eher desinteressiert. Er hat einen fundamentalen Wandel festgestellt: "Statt Idealisten sehen wir viel mehr Utilitaristen, die einfach nur konsumieren."
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(SZ vom 18.11.2009/beu)
Christopher Lee zum 90.
auch nur ein Zeichen für den Zustand der Gesellschaft,
Bei dem Unwesen, das mit Schülern und Studenten in diesem Lande getrieben wird, das Ganze noch als Bildungswesen zu bezeichnen, ist dich mehr als fragwürdig.
Im übrigen wurde und wird doch in dieser Gesellschaft Wert darauf gelegt, dass kaum einer weiter als bis zu seinem Tellerrand schaut, damit er die Unzulänglichkeiten des Systems nicht erkennt. Nur so funktioniert das Ganze ohne grössere Auseinandersetzungen. Um so interessanter ist, dass nun doch auch jene, die die Bologna-Reform noch vor kurzem vehement verteidigten, eingestehen, dass es bei der Umsetzung "handwerkliche" Fehler gab, also doch einiges vemurkst wurde.
Hoffentlich bleibt es nicht nur bei Lippenbekenntnissen.
Der Artikel klingt für mich so: Na, Gott sei Dank, sind unsere Studenten politisch desinteressiert, es könnte ja sonst eine Massenbewegung daraus werden, die zu Veränderungen zwingt.
Herr Osel, ich kann nciht fassen, dass die SZ ihre Artikel abdruckt.
"...der traditionell konservativ geprägte AStA der Bonner Universität".
In Bonn gibt es zum ersten Mal seit ca 30 Jahren einen RCDS-AStA. Der AStA ist also alles andere als traditionell konservativ geprägt!