Ein Kommentar von T. Schultz

Um die Studienreform zu retten, braucht es mehr als ein paar linke Aktivisten, die Hörsäle besetzen. Die Mehrheit der Studenten muss ihre Lethargie überwinden.

Für Proteste an den Universitäten gibt es eigentlich immer einen Anlass. Die Studienbedingungen in Massenfächern wie Germanistik sind notorisch schlecht, dazu kommen dilettantisch eingeführte Bachelor-Programme, die die Freiheit im Studium stark einschränken. Im Sommer sind deshalb zu Recht Zehntausende auf die Straße gezogen. Nun geht der Aufruhr weiter. Bisher sind es allerdings nur einige Hundert, die mit spektakulären Hörsaal-Besetzungen viel Wind machen.

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Für Proteste an der Uni gibt es immer einen Anlass. Um wirklich etwas zu bewegen, muss die Masse mobilisiert werden. (© Foto: dpa)

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Die Studentenschaft, darüber darf man sich nicht täuschen, steht nicht geschlossen hinter den Aktionen. Es gibt viele, die sich arrangiert haben und in Ruhe studieren wollen, ohne von linken, teils sektiererischen Gruppen agitiert zu werden.

Andere sind zwar unzufrieden mit den Zuständen, gehen aber auf Distanz zu den oft anstrengenden Aktivisten, von denen einige den Habitus von Berufsrevolutionären angenommen haben. Außerdem sind die Rektoren und Politiker nicht mehr so ignorant wie noch vor einigen Monaten.

Der Bildungsstreik im Juni war wirkungsvoll. Nun wäre es nötig, gemeinsam mit den Professoren viele mühsame Schritte zu gehen, um die Studienreform noch zu retten. Dazu sind einige der Besetzer aber gar nicht bereit, sie ergehen sich lieber in bequemer Fundamentalkritik und wachen darüber, dass auch immer schön die weibliche Form genannt wird ("AusländerInnen").

Sollten die Besetzer die Masse der Studenten verprellen, verlöre der im Sommer so eindrucksvolle Protest an Kraft. Die Mehrheit muss ihre Lethargie überwinden. Sie braucht sich nicht bevormunden zu lassen, weder von unausgegorenen Studienordnungen - noch von den ganz radikalen Aktivisten, denen es ohnehin niemand recht machen kann.

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(SZ vom 13.11.2009/holz)