Studenten bereiten sich auf einen langen Protest vor - und denken sogar über einen Streik nach
München Zuerst wird die Gemütlichkeit daran glauben müssen. Glühwein und Plätzchen gibt es für die Studenten der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg in diesem Jahr nicht mehr. "Dafür haben wir kein Geld", sagt Studenten-Sprecherin Petra Haberberger. Das traditionelle Asta-Café in der ersten Dezember-Woche fällt aus. Ein milder Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird.
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Bleibt es bei den angekündigten Sparplänen der Staatsregierung, an den Hochschulen 2004 zehn Prozent der Kosten einzusparen, wird die Fachhochschule Nürnberg im kommenden Jahr mit drei Millionen Euro weniger auskommen müssen. Landesweit sind an den Hochschulen Studiengänge und Institute in Gefahr, geschlossen zu werden. Bayerns Studenten stellen sich auf einen Winter mit Protesten ein, die in ihrem Ausmaß an das Streiksemester aus dem Jahr 1997 anknüpfen könnten, als Hörsäle verwaisten. Den Auftakt dazu bilden am Donnerstag um 14 Uhr landesweite Aktionen an Universitäten und Fachhochschulen. Studenten wollen auf die Straße gehen und gegen Kürzungen sowie die geforderte Einführung von Studiengebühren demonstrieren. Für den 14. Januar planen sie eine zentrale Kundgebung in München, und selbst ein Streik wird nicht mehr ausgeschlossen.
"Es brodelt gerade ziemlich", sagt Johannes Kaindl, Sprecher der Landes-Asten-Konferenz. Am Sonntag haben die Vertreter der Hochschulen in München eine Stellungnahme ausgearbeitet, die noch diese Woche verabschiedet werden soll. Darin sprechen sie sich gegen Studiengebühren, eine Profilbildung auf Kosten anderer Studiengänge und gegen die Förderung von Elite-Studiengängen aus. "Wir stellen uns auf langfristige Proteste ein", sagt Kaindl.
"Die Stimmung schlägt um", sagt Thomas Witzgall, Sprecher der Regensburger Studenten. "Wir werden sehen, ob die Leute auch zu einem Streik bereit sind." Für die Vorbereitung der Proteste greifen die Studenten auf den Erfahrungsschatz derjenigen zurück, die bereits 1997 Aktionen koordiniert haben. "Es ist ja lange Zeit nichts gelaufen", sagt Witzgall.
Vorlesung in der Straßenbahn
Für Aufregung sorgen die geplanten Kürzungen auch in Würzburg. Wo noch gespart werden soll, weiß Martin Bielawski nicht. In seinem Büro und in der Mensa regne es herein, sagt der Studentensprecher. "Da kann man nicht mehr sparen." Derzeit halten die einzelnen Fakultäten Vollversammlungen ab und Arbeitskreise werden gegründet. Wie 1997, als Studenten gegen Kürzungen protestierten, wollen sie öffentlich auf ihre Situation aufmerksam machen. Bielawski könnte sich vorstellen, dass sie wie damals Seminare in Straßenbahnen abhalten, um den Fahrgästen zu zeigen, wie beengt es jetzt in den Hörsälen zugeht und dass sich die Hochschullandschaft verändern wird.
Die vom Wissenschaftsministerium angestrebte Profilbildung an den Hochschulen, wonach nicht länger jede Uni jedes Fach anbieten soll, nennt er einen Kahlschlag. "Exoten wie Archäologie und Sinologie stehen in der Schusslinie." Bielawski glaubt, dass die Interessen der Wirtschaft auf Kosten einer allgemeinen Bildung bedient werden.
An eine strategische Profilbildung ist an den Hochschulen ohnehin nicht zu denken. Schon 2004 drastisch zu sparen, zwingt die Hochschulen, Stellen nicht wieder zu besetzen, wo sie gerade frei werden. An der Katholischen Universität Eichstätt würde das bedeuten, dass unter anderem das Fach Psychologie "abgewickelt" werden müsste. "Das berührt hier jeden", sagt Armin Seebauer von der Fachschaft. Aktionen seien aber nicht geplant. "Selbst der größte Protest wird nicht erreichen, dass mehr Geld kommt", sagt er. Stattdessen hofft er auf einen rettenden finanziellen Segen von ganz anderer Stelle: der Kirche.
(SZ vom 18.11.2003)
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