Roth: Die meisten denken, dass sie ihre Aufgaben im Verhältnis zum Arbeitspensum richtig gut bewältigt hätten. Die Fehler, die einem dabei unterlaufen, fallen meistens erst später auf. Man unterliegt einer falschen Selbsteinschätzung, die auch die körperlichen Symptome zunächst verklärt.
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sueddeutsche.de: Ist es für das Gehirn nicht viel eher anstrengend, sich über einen längeren Zeitraum auf eine Sache zu fokussieren, als zwischendurch etwas anderes zu tun?
Roth: Es schadet dem Hirn prinzipiell nicht, sich zwischendurch anderen Aufgaben zuzuwenden. Allerdings kennt fast jeder das Problem dabei: Lässt man sich von einer neuen Materie ablenken, zum Beispiel einem Telefonat oder einer E-Mail, so muss man sich danach wieder komplett neu in die alte Tätigkeit einarbeiten und eindenken. Man macht es sich oft leichter, wenn man einen Themenbereich abschließt, bevor man sich dem nächsten zuwendet.
sueddeutsche.de: Es heißt doch, man lerne effektiver, wenn mehrere Bereiche des Gehirns zusammen arbeiten. Wieso ist das beim Multitasking anders?
Roth: Beim Lernen neuer Sprachen oder Daten etwa ist die Verknüpfung von Sprach-, Schreib, und Sehzentren im Hirn hilfreich. Dies ist aber nur der Fall, solange es sich um ein einziges Thema handelt; sind es mehrere, wie das Sprechen beim Telefonieren und das gleichzeitige Schreiben einer E-Mail, ist das dagegen eher hinderlich.
sueddeutsche: Wie dämmt man die Risiken ein?
Roth: Besonders in Stresssituationen ist es wichtig, Prioritäten zu setzen. Wir alle machen uns doch sklavisch abhängig von Telefon oder Blackberry und unterwerfen uns der E-Mail. Man muss nicht jederzeit erreichbar sein, sondern sollte einfache Kommunikationsregeln für sich und vor allem für andere aufstellen. Es bringt nichts, ständig seine E-Mails abzurufen und sich damit selbst dem Druck einer sofortigen Antwort - und damit der Unterbrechung der aktuellen Aufgabe - auszusetzen. Idealerweise besitzt man beruflich und privat strikt voneinander getrennte Rufnummern und E-Mailanschlüsse. So kann man nach Feierabend wirklich abschalten, statt um 22 Uhr noch geschäftliche Anfragen zu bearbeiten. Während der Arbeitszeit sollte man außerdem nicht mehr als drei Mal tägliche "E-Mail- Sprechstunden" einrichten und bei wirklich wichtigen Angelegenheiten lieber kurz zum Telefon greifen.
sueddeutsche.de: Was tun Sie, wenn das Telefon klingelt, das Blackberry piepst, der Chef mit fragenden Blicken in der Tür steht und die Präsentation des neuen Projektes in einer halben Stunde ansteht?
Roth: Ich frage mich, was in diesem Augenblick am wichtigsten ist. Das Blackberry und die E-Mails können erst mal warten, ebenso wie das Telefon. Mit dem Chef spreche ich mich möglichst kurz ab, ob es reicht, mich in einer halben Stunde mit ihm in Verbindung zu setzen, um bis dahin die dringliche Präsentation zu beenden. Bei besonders wichtigen Angelegenheiten leite ich das Telefon auf die Sekretärin oder die Mailbox um, und hänge vielleicht sogar ein "Bitte nicht stören"-Schild an die Tür, um ungestört arbeiten zu können. Dadurch übersteht man den Tag - auch ohne Multitasking - stressfrei.
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(sueddeutsche.de/bön)
Christopher Lee zum 90.
ZITAT: "...Bei besonders wichtigen Angelegenheiten leite ich das Telefon auf die Sekretärin oder die Mailbox um, und hänge vielleicht sogar ein "Bitte nicht stören"-Schild an die Tür, um ungestört arbeiten zu können. ..."
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Dadurch zwingt also der Chef/Chefin seine/ihre Sekretärin dann zum "kontinuierlichen ultitasking" und Burnout durch andauernde zusätzliche "Störungen"??
Gute "Lösung" des Aufmerksamkeits-Stressproblemes im Arbeitsleben, muss ich mir merken....
Sehr veehrter Admin,
wollte Armleuchter schreiben, war mir aber zu lang, so mit Multitasking, hätte man das erahnen können.
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kann konzentrierter an seiner Aufgabe bleiben und diese letztendlich durch Ungestörtheit effizienter abarbeiten.
Nur leider haben das viele Manager nicht begriffen, die tatsächlich dem Irrglauben anhängen, sie wären die Genies des Multitasking und ihre Mitarbeiter würden nur unter hohem Druck funktionieren.
Doping könnte die Leistung im Job noch steigern!! Alle zehn Minuten eine Spritze. Aus Angst vor Arbeitslosigkeit.
Paging