Streichung des Medizin-Studiums in Lübeck Der Hintern der Nation

Schleswig-Holstein will den Studiengang Medizin an der Uni Lübeck streichen. Das ist fahrlässig - und eine Provokation für ganz Deutschland.

Ein Kommentar von Tanjev Schultz

Ungeschickte Menschen reißen mit dem Hintern ein, was sie aufgebaut haben. Auch Staaten können so tapsig sein. Die Bundesrepublik agiert, hochschulpolitisch betrachtet, oft ungeschickt. Die Rolle des Hintern übernimmt zurzeit Schleswig-Holstein. Dort plant die schwarz-gelbe Landesregierung, den Medizin-Studiengang in Lübeck zu streichen. Das wäre nicht nur ein Desaster für die strukturschwache Hansestadt. Es wäre ein Schlag für alle Bundesländer. Die Studienplätze in Medizin werden bundesweit vergeben. Jedes Land, das Plätze abbaut, tut es zu Lasten aller anderen.

Die Bundesländer im Süden und Westen pochen zu Recht darauf, das Angebot in Medizin eher auszubauen. In Bielefeld könnte sogar eine ganz neue medizinische Fakultät entstehen. Wegen der verkürzten Gymnasialzeit werden in den kommenden Jahren vielerorts zwei Abiturjahrgänge gleichzeitig an die Hochschulen drängen. In dieser Situation einen bereits etablierten und renommierten Medizin-Studiengang zu streichen und damit de facto auch die Existenz der kleinen Universität Lübeck zu vernichten, ist eine Provokation weit über Schleswig-Holstein hinaus.

Nötig wäre eine bundesweite Koordination, doch sie scheitert am föderalen Eigensinn. Der Bund hat in der Vergangenheit schon oft eine gute Rolle als Moderator für eine länderübergreifende Hochschulpolitik gespielt. Nach dem ernüchternden Verlauf des jüngsten Bildungsgipfels sind seine Möglichkeiten, die Uni Lübeck noch zu retten, aber begrenzt. Glücklicherweise leisten Lübecks Bürger energisch Widerstand gegen die Sparpläne. Außerhalb Schleswig-Holsteins drücken ihnen viele die Daumen, auch in den Ministerien.

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