Schleswig-Holstein will den Studiengang Medizin an der Uni Lübeck streichen. Das ist fahrlässig - und eine Provokation für ganz Deutschland.
Ungeschickte Menschen reißen mit dem Hintern ein, was sie aufgebaut haben. Auch Staaten können so tapsig sein. Die Bundesrepublik agiert, hochschulpolitisch betrachtet, oft ungeschickt. Die Rolle des Hintern übernimmt zurzeit Schleswig-Holstein. Dort plant die schwarz-gelbe Landesregierung, den Medizin-Studiengang in Lübeck zu streichen. Das wäre nicht nur ein Desaster für die strukturschwache Hansestadt. Es wäre ein Schlag für alle Bundesländer. Die Studienplätze in Medizin werden bundesweit vergeben. Jedes Land, das Plätze abbaut, tut es zu Lasten aller anderen.
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Lübecker Studenten protestieren gegen die Pläne des Landes Schleswig-Holsteins, den Studiengang Medizin zu streichen. (© dpa)
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Die Bundesländer im Süden und Westen pochen zu Recht darauf, das Angebot in Medizin eher auszubauen. In Bielefeld könnte sogar eine ganz neue medizinische Fakultät entstehen. Wegen der verkürzten Gymnasialzeit werden in den kommenden Jahren vielerorts zwei Abiturjahrgänge gleichzeitig an die Hochschulen drängen. In dieser Situation einen bereits etablierten und renommierten Medizin-Studiengang zu streichen und damit de facto auch die Existenz der kleinen Universität Lübeck zu vernichten, ist eine Provokation weit über Schleswig-Holstein hinaus.
Nötig wäre eine bundesweite Koordination, doch sie scheitert am föderalen Eigensinn. Der Bund hat in der Vergangenheit schon oft eine gute Rolle als Moderator für eine länderübergreifende Hochschulpolitik gespielt. Nach dem ernüchternden Verlauf des jüngsten Bildungsgipfels sind seine Möglichkeiten, die Uni Lübeck noch zu retten, aber begrenzt. Glücklicherweise leisten Lübecks Bürger energisch Widerstand gegen die Sparpläne. Außerhalb Schleswig-Holsteins drücken ihnen viele die Daumen, auch in den Ministerien.
(SZ vom 02.07.2010/holz)
Verkehrssünderdatei in Flensburg
Die geplante Schließung des Medizinstudienganges wird noch abstruser, wenn man die Risiken und Folgen betrachtet. Laut Staatssekretärin Andresen wurde ein best-case Szenario benutzt, Minister De Jager meinte, man könne die Risiken und Folgekosten gar nicht abschätzen. Die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck und der Landesrechnungshof sahen sich sehr wohl dazu in der Lage. Und sie kommen zu dem Schluss, dass die Folgekosten durch die Schließung der Medizinerausbildung in Lübeck die Einsparungen um ein mehrfaches überschreiten werden. Diese Zahlen sind der Landesregierung bekannt, jedoch bleibt das Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium bei seiner Entscheidung. Wenn also keine rational-finanziellen Gründe vorliegen, dann müssen wohl andere Entscheidungsgründe vorliegen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt...
Nun ja, da gibt es dieses Jahr den Bürgerentscheid, das die Stadt den Flughafen ausbaut und dort die Billigflieger eine neue steuersubventionierte Heimat finden. Das kostet die Stadt jährlich ca. 12 Mio € steuersubvention an den Flughafen. Damit hat die Stadt sich ihre Prioritäten selbst gesetzt. Steuersubvention für billige F...- und Saufbomber für Malle und Thailand. Man kann nur eines haben: Bildung oder Fun! Die Bürger haben sich von CDU und FDP für das Zweite überzeugen lassen!
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"Gegen den Beschluss hatten CDU, FDP und Bürger für Lübeck ein Bürgerbegehren angestrengt, um zu erreichen, dass die Stadt den Flughafen für rund vier Millionen Euro ausbaut und bis Ende 2012 selbst betreibt, wenn vorher kein Investor gefunden wird. ..."
"Enttäuscht reagierten dagegen die Flughafengegner. „Eine materiell gut ausgestattete Kampagne hat Erfolg gehabt“, sagte der designierte Innen- und Umweltsenator und erklärter Flughafengegner Bernd Möller ... in Anspielung auf die massive Unterstützung der Flughafenbefürworter durch die Wirtschaft. „Aber viele Fragen sind noch ungeklärt, unter anderem sehe ich massive wettbewerbsrechtliche Probleme auf die Stadt zukommen“, sagte Möller. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag, Andreas Tietze, kritisierte die Entscheidung als Gau für den Lübecker Haushalt, da nun Geld an anderer Stelle fehle. „Das wird massive Kürzungen in Bildung und Betreuung, bei Sozialem und Kultur sowie der Umwelt bedeuten“, sagte Tietze. „Für einen Flughafen, der immer hohe Defizite ausweisen wird, geht in Lübeck die Lebensqualität vor die Hunde.“ dpa/lno/abendblatt.de Quelle: Hamburger Abendblatt 25.04.2010
Es bleibt wieder festzustellen, das die Hintergründe oft unglaublich banal sind!
Ich persönlich bin gegen jegliche aktive und passiver Steuersubvention für den Flugverkehr und Flughäfen. Volle Versteuerung von Flugzeugtreibstoffen.
Im übrigen ist der Hamburger Flughafen von Lübeck Hbf in 70 Minuten direkt mit dem Zug zu erreichen.
Nicht der einzige Bauchschuss, den diese altehrwürdige Stadt hinnehmen muss(te).
So lange Milliarden für selbstherrliche Verschwendungen unserer selbstgerechten Politikerklasse in Taschen und Sümpfen verschwinden, solange muss halt an der Bildung und dem Volkswohl gespart werden.
Ein großes Problem sehe ich darin, dass es mit dem Wegfall der Medizinischen Fakultät in HL innerhalb Schleswig-Holsteins nur noch die in Kiel gibt. Das ist selbst für so ein kleines Bundesland zuwenig. Zumal es sich bei beiden Kliniken um renommierte Häuser handelt, die sich gegenseitig ergänzen: In Kiel dominiert die klinische Seite, in Lübeck die technische (insbesondere durch die Präsenz von Dräger). Und eins muss man wissen: Wird dort die medizinische Fakultät geschlossen, leidet die dortige Fakultät für Informatik mit, da sich diese zu einem großen Teil mit ihrer medizinischen Anwendung befasst. Die bislang (bundesweit) vorbildliche Zusammenarbeit zwischen der Lübecker Informatik und den Kliniken würde durch eine verkomplizierte Verwaltung behindert - bestimmt wird irgendeine Technologie-Transfergesellschaft gegründet, die je nach Finanzlage und Gutdünken Innovation fördert oder behindert. Und dort werden weder Informatiker noch Mediziner sitzen, die das entscheiden...
So vieles wird vernebelt geschrieben und gesagt, Emotion vor Detailwissen. Nur leider ist und das ist wohl unbestritten, unsere Bildungs- und Kulturpolitik ein chaotisches Desaster von einigen im negativen Sinne gesprochen "Fachdilettanten" . Wie sollte sonst dieses nervöse Hin und Her auf Kosten der Schüler und Studenten, dass an profilneurotische Ausbrüche erinnert, erklärbar sein. Und wie schnell sind dann diese "Entscheidungsträger" von der Bildfläche wieder verschwunden und hinterlassen ein Trümmerfeld. Nachhaltigkeit im Bildungswesen? Fehlanzeige! Denken von halb ein bis Mittag. Und jetzt, wie jeder so oft sehen kann:
"Lasst uns sparen, koste es was es wolle." Vorausgesetzt es verringert nicht unsere Gehälter und Diäten. und die Einkommen unserer Lobbyisten und ihres Klientel.
Und trotz allem: Ich leide mit Frau Merkel! Gebe Gott ihr eine bessere Mannschaft
und verschone sie von 5 Prozent Klötzen am Bein, das zieht die Mundwinkel nach unten...
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