Stiftungen haben so viel Geld wie nie - und damit ein Problem: Sie müssen sich anstrengen, genug qualifizierte Bewerber für ihre Stipendienprogramme zu finden.
In dieser Woche erhalten einige Gymnasien in Stuttgart ungewöhnliche Post. Absender ist die Konrad-Adenauer-Stiftung. Die CDU-nahe Organisation sucht "unentdeckte Talente" für ihre Studienförderung, die sie vor allem unter Kindern von Migranten vermutet. "Wir möchten diese Bevölkerungsgruppe verstärkt dazu ermuntern, sich für ein Stipendium zu bewerben", heißt es in dem Schreiben, das an 30 baden-württembergische Schulen mit besonders vielen Schülern aus Migrantenfamilien geht. Die Angebot klingt vielversprechend: "Die Chancen für Abiturienten standen noch nie so gut, in ihrem anschließenden Studium gefördert zu werden."
Hörsaal: Die Chancen für Abiturienten standen noch nie so gut, in ihrem anschließenden Studium gefördert zu werden. (© Foto: ap)
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Hinter der neuen Offenheit der Adenauer-Stiftung steckt nicht nur Nächstenliebe. Begabtenförderwerke haben derzeit ein Problem: Sie müssen sich anstrengen, genug qualifizierte Bewerber für ihre Stipendienprogramme zu finden. Es genügt nicht, einfach nur aus Jugendorganisationen der Parteien und Kirchen die potentielle Elite von morgen zu fischen. Denn plötzlich steht Geld für 6500 zusätzliche Stipendien bereit.
Talente ausfindig machen
"Es gibt heute viele junge Leute, die haben gute Noten, aber sie wissen nichts von der Welt", sagt Günther Rüther von der Adenauer-Stiftung. Zum Profil eines Stipendiaten gehöre aber, dass er sich auch gesellschaftlich einbringt. Professoren, Unternehmer und Lehrer werden nun aufgefordert, Talente ausfindig zu machen und sie zu motivieren, sich um ein Stipendium zu bemühen.
Auslöser für den Geldsegen ist eine Initiative von Bundesministerin Annette Schavan (CDU). Die Elitenförderung liegt ihr besonders am Herzen, deshalb will sie die Stipendienquote anheben. Statt ursprünglich nur 0,7 Prozent soll nächstes Jahr ein Prozent der Spitzenstudenten mit Geldbeträgen und studienbegleitenden Seminaren umsorgt werden. In diesem Jahr überweist das Bundesbildungsministerium 33 Millionen Euro mehr auf die Konten der elf Förderwerke als noch vor drei Jahren. Damit stehen 113 Millionen Euro für inzwischen fast 20 000 Stipendiaten bereit. Jeder von ihnen erhält bis zu 525 Euro monatlich plus 80 Euro Büchergeld.
Bewerben ohne Plazet
"Bei uns haben heute fast doppelt so viele Leute Aussicht auf Begabtenförderung", sagt Gerhard Teufel von der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Allein seine Organisation, die größte unter den Förderwerken, will in diesem Jahr 1000 Studenten und 200 Doktoranden zusätzlich fördern. Kommendes Jahr senkt die Studienstiftung außerdem die Hürden für Bewerber: Bisher mussten Stipendiaten von Professoren empfohlen werden, künftig können sie sich auch ohne dieses Plazet bewerben. "Das ist eine Revolution für unsere Stiftung", sagt Teufel. Denn damit hätten erstmals nicht nur Einser-Abiturienten Aussicht, gefördert zu werden.
Andere Stiftungen wollen zwar ihre Ansprüche nicht senken, aber auch sie erweitern den Kreis der Begünstigten. Studenten kommen heute oft früher in den Genuss der Förderung. Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung vergibt im Herbst erstmals Stipendien an Studienanfänger und schlägt damit denselben Weg ein wie andere Förderwerke. Die Stipendiaten werden aber nicht nur jünger. "Bisher haben oft die Betuchten zusätzliche Förderung obendrauf erhalten", sagt Eike Hedecker von der Hans-Böckler-Stiftung. Jetzt müssten sich alle Stiftungen darum bemühen, auch Talente aus anderen gesellschaftlichen Schichten zu erreichen.
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Wenn nur die besten 10% eines Jahrgangs 300 Euro pro Monat bekommen, dann stellt das einen weiteren Nachteil für die Anderen dar. Die tun sich beim Aufstieg um so schwerer, weil sie sich ihr Geld anderweitig und mittels Zeitinvestition erarbeiten müssen.
Ein Ansatz der Stiftungen oder des Staates könnte auch sein, das Bafög zu erhöhen und somit die Furchen der Studiengebühren wieder auszubügeln.
Die "Elite" hat es leicht genug.