Für Studenten, die im Ausland studieren wollen, ohne gleich ein ganzes Jahr zu verlieren, sieht es finanziell düster aus: Der DAAD hat zum Jahresbeginn 2011 alle Kurzzeitstipendien gestrichen.
Für manche Studenten fühlt es sich an wie eine Katastrophe: Der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) hat zum Jahresbeginn seine Leistungen gekürzt. Sogenannte "Kurzzeitstipendien" für maximal ein Semester wurden komplett und fristlos gestrichen. Lediglich langfristige Auslandsaufenthalte und Praktika in internationalen Organisationen sollen noch bezuschusst werden.
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Für ein Semester nach China zum Studieren? Auf die Hilfe des DAAD können Studenten bei einem Auslandssemester nicht mehr in jedem Fall zählen. (© AP)
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Zwar soll ein neues Programm namens Promos weiterhin Studien-, Praxis- und Sprachaufenthalte von bis zu sechs Monaten weltweit fördern. Aber: "Promos deckt nicht denselben Umfang ab", sagt Harald David von der Auslandsberatung der LMU München. Das neue Programm deckt nicht die Studiengebühren der Gastuniversitäten ab. Bisher gab es vom DAAD dafür einen Zuschuss in Höhe von 8000 Euro.
Die meisten Studenten traf die Programmänderung des DAAD völlig unvorbereitet. Das internationale Referat der LMU München wusste lediglich, dass Veränderungen geplant waren. Nicht aber wie umfangreich diese sein würden. Die Kürzung wird auch hier als plötzlich empfunden. "Erst Ende November haben wir die Information bekommen, deshalb haben wir die Studierenden monatelang falsch beraten", berichtet David. Viele Studenten hätten anders planen können, hätten sie eher von den Plänen des DAAD gewusst.
Jetzt sind viele von ihnen ratlos. In den seltesten Fällen können sie spontan statt eines Semesters ein ganzes Jahr ins Ausland gehen, um somit förderberechtigt zu werden und die Studiengebühren erstattet zu bekommen. Denn ein Auslandsjahr erfordere etwa 18 Monate Vorbereitung, heißt es an der LMU.
In 18 Monaten schließt Lucy Reimer ihr Studium bereits ab. Die 20jährige studiert an der LMU München Politikwissenschaft auf Bachelor und wollte eigentlich mit Hilfe des DAAD für ein Semester an die Georgetown University in Washington. Die Hochschule sei gerade in ihrem Fachbereich besonders renommiert und deshalb ihre erste Wahl. Ende November erfuhr Lucy im Gespräch mit der Auslandsberatung an der LMU von der Leistungskürzung des DAAD . "Damit war die ganze Planung vom Tisch. Ich wollte so gerne die Chance ergreifen, eine so gute Uni zu besuchen", erzählt sie. Die Semestergebühr der Georgetown ist jedoch horrend: 19.000 Dollar. "Ich kann das nicht bezahlen", sagt die Studentin.
Als Alternative denkt Lucy über die American University in Washington nach, die habe ein ähnliches Angebot und eine Kooperation mit der LMU, koste allerdings trotzdem noch 6000 Dollar im Semester. "Man muss jetzt viel mehr darauf schauen, welche Kooperationen die eigene Universität anbietet. Die Möglichkeiten schrumpfen", ist das Fazit der Studentin.
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Im Bildungsbereich immer weiter und weiter kürzen, sich dann wundern, dass qualifizierter Nachwuchs fehlt und dann nach ausländischen Akademikern schreien. Das klingt nach einem ganz hervorragenden Plan, da hat jemand richtig mitgedacht.
Besonders unsinnig ist diese Änderung in Bezug auf politisch problematische Länder. Gerade hier sind allzu enge Kooperationen zwischen den Universitäten alles andere als sinnvoll, da es so den Unis der entsprechenden Länder noch einfacher gemacht wird, die deutschen Studenten nur das vom Gastland sehen zu lassen, was sie sollen, als dies ohnehin schon ist.
Sollte Muttis Satz, das Bildung unser einziger Rohstoff sei, tatsächlich so gemeint gewesen sein, muss sich dringend etwas ändern in der Bildungspolitik des Jahres 2011.