Von Henning Hochrinner

Nicht nur Einser-Abiturienten können von der finanziellen Unterstützung durch Stiftungen profitieren. Doch um einen Stipendienplatz zu ergattern, ist manchem Studenten jedes Mittel recht.

Manchen Studenten ist jedes Mittel recht, um ein Stipendium zu bekommen. Ein besonders dreistes Beispiel liefert ein Student, der sich gleichzeitig bei der CSU nahen Hans-Seidel- und der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) beworben hatte.

Studenten, dpa

Studenten in Saarbrücken: Interesse allein für das Studium reicht nicht, um ein Stipendium zu bekommen. (© Foto: dpa)

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Weil er bei der FES nicht aufgenommen wurde, drohte er daraufhin mit dem Parteiaustritt aus der SPD und vergas auch nicht zu erwähnen, dass er wenigstens bei der Hans-Seidel-Stiftung untergekommen sei. Nach Rücksprache zwischen den Stiftungen wurde die Förderung eingestellt, weil der Student seine Bewerbung bei unterschiedlichen Werken verschwiegen hatte.

Studiengebühren und das Bachelor-System fördern solche Verzweifelungstaten. Einerseits muss das Geld für die Beiträge aufgebracht werden, andererseits lassen dichtgepackte Stundenpläne kaum Zeit, um neben dem Studium zu jobben. Stipendien können zumindest einem Teil der Studenten aus dieser Misere helfen. Wer nicht von vornherein seine Chancen auf einen Stipendienplatz zunichtemachen will, sollte einige Regeln beachten - schon bevor man die Bewerbung zur Post bringt.

Die Voraussetzungen für die Aufnahme in eine Stiftung sind momentan so gut wie noch nie. Seit 2006 erhöht das Bildungsministerium jährlich die Mittel zur Begabtenförderung, die an die elf großen Förderwerke fließen - von 80,5 Millionen Euro in 2006 auf 113,2 Millionen in 2008. Im kommenden Jahr soll so die Quote an geförderten Studenten und Doktoranden auf ein Prozent angehoben werden. Mit knapp 17.400 geförderten Studenten lag die Förderquote im Frühjahr 2008 bei 0,9 Prozent.

Bedarf allein reicht nicht

Allein aus dem Bedarf an finanzieller Unterstützung ergibt sich allerdings noch längst kein Anspruch auf Förderung. Die Stiftungen schauen bei den zahlreichen Bewerbern sehr genau hin und picken sich diejenigen heraus, die am besten zu ihnen passen.

So erspart man sich auch Arbeit, denn die Stiftungen verlangen einiges an Material: Ein ausformulierter Lebenslauf, Fragebögen und ein oder mehrere Gutachten von Lehrern oder Professoren gehören bei allen Förderwerken zu den Bewerbungsunterlagen. Anstatt sich auf gut Glück bei vielen Stiftungen zu bewerben, sollte man sich deshalb lieber genau überlegen, welche Stiftung am besten zu einem passt.

Außerdem gilt: Je früher man sich bewirbt, umso besser. Nicht nur, weil es früher Geld gibt - das im Gegensatz zum Bafög nicht zurückgezahlt werden muss. "Je jünger die Leute sind, umso geringer sind die Ansprüche an die Bewerber", sagt Elisabeth Ständer von der Bewerberauswahl der FES. Umgekehrt gilt: Wer schon länger studiert, muss deutlich zeigen, wie er sich gesellschaftlich engagiert.

Nicht nur gute Leistungen sind gefragt

Um das Engagement dreht sich alles bei der Auslese möglicher Stipendiaten. Neben sehr guten Leistungen in der Schule oder im Studium legen alle Stiftungen besonders viel Wert darauf, dass sich die Bewerber über das Studium hinaus gesellschaftlich einbringen. Studenten, die sich lieber nur mit ihren Büchern beschäftigen, sollten sich die Mühen einer Bewerbung sparen.

"Wir wollen Leute, die neben der fachlichen Leistung auch offen sind und sich engagieren. Wer sich nur für sein Studium interessiert, wird nicht aufgenommen", sagt Gerhard Teufel, Generalsekretär der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Bei der FES hört sich das ganz ähnlich an: "Wir wollen sehen, dass wir es mit politisch denkenden und handelnden Menschen zu tun haben", so Ständer.

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