Stellenwechsel Was man über den Chef besser nicht sagt

Nicht immer läuft die Zusammenarbeit zwischen Vorgesetzem und Mitarbeiter reibungslos. Wer sich als Angestellter zu einem Jobwechsel entscheidet, muss für die neue Bewerbung gut gerüstet sein - und die richtigen Worte wählen.

In einem Bewerbungsgespräch wird geklärt, welche Aufgaben ein neuer Mitarbeiter übernehmen soll. Wenn sich diese Verabredungen allerdings als Worthülsen erweisen, muss manchmal ein neuer Job her - doch wie verkauft man den Wechsel in einer neuen Bewerbung?

Business-Dresscode für Männer Wie stilsicher sind Sie?

SZ-Leser Max W. fragt:

Ich habe vor vier Monaten meinen Arbeitgeber gewechselt. Leider entspricht die Stelle nicht im Geringsten der zuvor getroffenen Vereinbarung. Nun würde ich mich gerne wieder bewerben, weiß aber nicht, wie ich meine Situation im Anschreiben darstellen soll. Neben der Enttäuschung über die gebrochenen Versprechungen habe ich auch massive Probleme mit dem sprunghaften und autoritären Führungsstil meines neuen Chefs. Darf ich das im Vorstellungsgespräch anschneiden? Oder wirken negative Anmerkungen zum Chef - unabhängig von den Tatsachen - generell illoyal?

Christine Demmer antwortet:

Lieber Herr W., sich und anderen einen Fehler einzugestehen, ist nicht leicht. Insofern finde ich es anständig, dass Sie gar nicht erst daran denken, diese kurze Station in Ihrem Lebenslauf als Praktikum, als von Anfang an befristete Tätigkeit oder einer Freundschaft geschuldeten Aushilfsjob darzustellen.

Es wäre auch nicht klug, denn gerade beim letzten Arbeitgeber rufen Personaler gern mal an und erkundigen sich, warum das Arbeitsverhältnis so rasch geendet hat. Wenn dabei Ihre Lüge ans Licht kommt, wandert Ihre Bewerbung sofort in die Rundablage. Also bleiben Sie besser bei der Wahrheit.

Und die können Sie auch im Anschreiben zu einer Bewerbung andeuten. Zum Beispiel so: "In meiner derzeitigen Tätigkeit fühle ich mich unterfordert/nicht ausreichend wertgeschätzt/nicht meiner Qualifikation entsprechend eingesetzt. Daher suche ich nun nach einer neuen Herausforderung, die meiner Ausbildung, Erfahrung und Persönlichkeit besser entspricht." Oder so: "In meiner derzeitigen Position bin ich erst seit vier Monaten tätig. Leider entspricht die Tätigkeit nicht den getroffenen Vereinbarungen. Deshalb möchte ich meine Leistungskraft gern auf ein neues, anspruchsvolleres Feld lenken." Oder so: "Weil sich meine Erwartungen an meine augenblickliche Stelle nicht erfüllt haben, möchte ich meine Energie möglichst bald auf eine neue Aufgabe lenken, in der ich meine Leistungskraft besser unter Beweis stellen kann."

Aus jeder dieser drei Varianten kann der Personaler schließen, dass Sie mit Ihrer gegenwärtigen Stelle unzufrieden sind. Ob umgekehrt auch Ihr Arbeitgeber mit Ihnen nicht zufrieden ist, könnte er nur mit einer Nachfrage klären. Das wird aber kein Personaler in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis tun.

Bereiten Sie sich darauf vor, dass die kurze Dauer Ihrer letzten beruflichen Station im Vorstellungsgespräch ein Thema werden wird, und das nicht zu knapp. Ihr Gegenüber, ob das der Personalchef ist oder der künftige Vorgesetzte, wird alles daran setzen, um den wahren Grund für Ihren erneuten Wechsel herauszubekommen. Sicher werden Sie gefragt, wie Sie denn mit Ihrem letzten Chef zurechtkamen. Vorsicht: Betrachten Sie das nicht als Einladung zu einer fünfminütigen Schimpf- und Schadrede über den üblen Menschenschinder, den Ausbeuter, den autoritären Knochen!

Überlegen Sie sich besser vorher genau, was Sie sagen wollen. Zum Beispiel, dass Sie eigenmotiviert sind und nach klaren Zielsetzungen gern selbständig arbeiten möchten. Dass Sie mit widersprüchlichen oder stündlich wechselnden Anweisungen Ihre Schwierigkeiten hätten. Und dass Sie großen Wert legen auf ein vertrauensvolles, von Fairness und gegenseitigem Respekt geprägtes Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten. Das dürfte genügen. Der Rest sei Schweigen.

Haben Sie auch eine Frage zu Bewerbung, Berufswahl, Etikette, Arbeitsrecht, Karriereplanung oder Führungsstil? Schreiben Sie ein paar Zeilen an coaching@sueddeutsche.de. Unsere sechs Experten beantworten ausgewählte Fragen im Wechsel. Ihr Brief wird selbstverständlich anonymisiert.