Starbucks schikaniert Mitarbeiter Falsche Sockenfarbe? Abmahnung!

"Das grenzt an Leibeigenschaft": Die Kaffeehaus-Kette Starbucks übt Druck auf Angestellte aus. Wer krank ist oder sich in einer Gewerkschaft engagiert, hat schlechte Karten. Ehemalige Mitarbeiter sprechen von Schikane.

Von S. Haas und S. Liebrich

Der Name Starbucks steht für eines der erfolgreichsten Kaffeehauskonzepte der Welt. Der amerikanische Konzern pflegt nach außen ein soziales und umweltbewusstes Image. Doch hinter den Kulissen rumort es. Mitarbeiter und Gewerkschaft werfen dem Unternehmen vor, Arbeitnehmerrechte zu missachten und die Gründung von Betriebsräten zu behindern. Das bestätigte nun auch ein aktueller Bericht des Nachrichtenmagazins Frontal 21 von Heiko Rahms und Thomas Münten vom Dienstag. ZDF-Reporter Rahms ließ sich als Aushilfskraft in einer Starbucks-Filiale am Frankfurter Flughafen anwerben und bekam Einblick in die Welt der Barristas und Helfer hinter der Theke.

"Bei uns ist alles anders und sehr sozial", wird ihm bei der Einstellung gesagt. Dass die Realität anders aussieht, bekommt er bald zu spüren. Als ein Kollege, der Fieber hat, seinen Krankenschein einreichen will, zeigt sich die Chefin wenig erfreut. "Du siehst doch völlig gesund aus. Ich glaube, dass du die falsche Arbeitseinstellung hast", hält sie ihm entgegen. Rahms kranker Kollege arbeitet klaglos weiter.

Wer sich nicht fügt, werde rausgeschmissen, bestätigt ein ehemaliger Filialleiter von Starbucks dem ZDF. "Meine Aufgabe war es unbequeme Mitarbeiter rauszuschmeißen. Das war nicht schwer. Irgendeinen Grund fand ich immer und dann hagelte es Abmahnungen." Er beschreibt seine Aufgabe bei dem Konzern als Jobkiller. Abmahnungen gab es für falsche Sockenfarben, angebliche Unstimmigkeiten in der Kasse oder einen verschenkten Becher Kaffee.

Solche Schikanen trafen nach seinen Angaben vor allem Mitarbeiter, die der Gewerkschaft angehörten oder die falsche Hautfarbe hatten. "Mein Chef hat mir gesagt, dass er mich loswerden will. Ich würde zu dieser Gruppe der Afrikaner gehören, die oft krank und unzuverlässig sind", beschwert sich eine ehemalige Starbucks-Mitarbeiterin, die aus Afrika stammt, bei Rahms. Der ehemalige Filialleiter bestätigt dies: "Als die Frau dem Druck nicht mehr standhalten konnte und kündigte, war das ein echter Erfolg. Bei der Jahresabschlussfahrt mit allen Filialleitern aus der Region haben wir im Flugzeug deshalb die Sektkorken knallen lassen." Auch der Filialleiter hat die Firma inzwischen verlassen.

Starbucks wies am Mittwoch auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung alle Vorwürfe zurück. "Der Bericht, der gestern in der ZDF-Sendung Frontal 21 ausgestrahlt wurde, weist eine Vielzahl von falschen und irreführenden Aussagen auf." Die darin geäußerten Anschuldigungen würden jedoch sehr ernst und umfassend geprüft. Mitarbeiter würden bei Starbucks grundsätzlich mit "Respekt und Würde" behandelt, hieß es weiter.

Dass Arbeitnehmervertreter bei der Kaffeehaus-Kette offenbar nicht gern gesehen sind, bestätigt Michaela Rosenberger, Vizechefin der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Nach ihren Angaben gibt es nur in fünf von 144 deutschen Filialen Betriebsräte - in Berlin, Frankfurt, Köln und Essen/Oberhausen. Außerdem gibt es einen Konzernbetriebsrat. "Die Störfeuer der Starbucks-Hauptverwaltung sind immer da, wenn Mitarbeiter Betriebsräte gründen wollen", sagt die Gewerkschafterin der Süddeutschen Zeitung. In Berlin hätten NGG und Betriebsräte sich mit Starbucks sogar gerichtlich gestritten, weil das Unternehmen die Freistellung von Betriebsräten verhindern wollte, sagt sie. Starbucks bestreitet dagegen, dass Gewerkschaftsmitglieder unter Druck gesetzt worden seien.

"Starbucks setzt alles daran, die Mitarbeiter klein zu halten", sagt Peter-Martin Cox. Er ist NGG-Geschäftsführer für die Region Rhein-Main. Immer wieder landen bei ihm Beschwerden von Starbucks-Mitarbeitern. Wer krank wird, habe schlechte Karten bei Starbucks, sagt Cox. Nicht selten würden die Betroffenen moralisch unter Druck gesetzt. "Die Leute werden daheim angerufen und man wirft ihnen vor, das Team alleine zu lassen", berichtet er. Viele kämen dann zur Arbeit, obwohl sie vom Arzt krankgeschrieben seien und sich schlecht fühlten.

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