Aber darf man das als Arbeitnehmer? Oder muss man stets erreichbar sein, wenn der Chef das will? "Im Urlaub ist die Antwort ganz klar: Nein, ich muss nicht erreichbar sein", erklärt der Arbeitsrechtler Martin Hensche aus Berlin. "Wer trotzdem Handy und Laptop mitnimmt, zeigt nicht genug Zähne." Es sei zwar mitunter schwer, dem Chef Grenzen aufzuzeigen - vor allem, wenn er selbst stets erreichbar ist. Dennoch rät Hensche, sich dieser "modernen Form der Sklaverei" zu entziehen und die Arbeit nicht mit in den Urlaub zu nehmen.

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Anders verhält es sich am Feierabend oder am Wochenende. "Wenn ich da in Rufbereitschaft, also erreichbar sein soll, dann ist das okay", erläutert Hensche. Er rät, Telefonate und andere geschäftliche Arbeiten nach Dienstende fein säuberlich zu dokumentieren - und als Überstunden geltend zu machen. Oft werden diese pauschal vergütet, manche Arbeitgeber wehren sich aber auch gegen eine Bezahlung von Überstunden. "Wenn man sich aber nicht beizeiten gegen übermäßige Arbeit wehrt, ist es im Nachhinein schwierig, die Überstunden geltend zu machen." Arbeitnehmer sollten daher frühzeitig mit dem Arbeitgeber darüber reden und ihm die Auflistung der Überstunden vorlegen.

Es gibt einen neuen Tag

Wer dauerhaft mehr arbeitet, als im Arbeitsvertrag festgelegt, sollte nachverhandeln, rät der Arbeitsrechtler. Sinnvoll sei auch, im Voraus Bescheid zu geben, dass man an einem Abend oder Wochenende nicht zu erreichen ist. Denn dann kann der Mitarbeiter das Handy auch getrost abschalten, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Viel hängt deshalb von der Planung ab. Und die Praxis zeigt: Einige geschäftliche Telefonate oder E-Mails am Abend wären auch am nächsten Tag noch möglich gewesen oder hätten bei einer besseren Organisation während der Dienstzeiten erledigt werden können.

Unterstützung statt Geißel

lAnnette Hoppe und Hartmut Wandke plädieren deshalb dafür, die technischen Geräte wieder so einzusetzen, dass sie einen unterstützen - und nicht geißeln. "Die Technik kann mir auch vieles erleichtern", sagt Wandke. So lohne es sich etwa, im Büro oder Team einen gemeinsamen öffentlichen Kalender in einem Programm wie Outlook einzurichten. In den können Mitarbeiter für alle sichtbar eintragen, zu welchen Zeiten sie erreichbar sind - und wann eben nicht.

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(sueddeutsche.de/dpa/Vivien Leue/holz)