Wenn das Diensthandy zur elektronischen Fußfessel wird: Wer immer erreichbar ist, macht sich selbst Stress - und eine sinnvolle Arbeitsplanung unmöglich.
Bei vielen Berufstätigen piept es auch am Feierabend und am Wochenende. Ob sich eine SMS ankündigt, das Telefon klingelt oder die E-Mail im Postfach ankommt -ständige Erreichbarkeit gilt heute häufig als normal. Handy, Laptop und PDA machen es möglich: Mitarbeiter sind jederzeit und überall greifbar. So kann der Kunde aus Übersee auch spätabends noch Bestellungen absprechen oder der Chef am Wochenende die neue Präsentation per E-Mail abfragen. Das Diensthandy wird dadurch für manchen regelrecht zur elektronischen Fußfessel. Um den Feierabend zu retten, hilft daher nur eins: Öfters mal abschalten.
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Damit jede freie Minute sinnvoll genutzt werden kann: Smartphones bringen die Arbeit bis ins Schlafzimmer. (© Foto: iStock)
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Planung bringt Ruhe
"Die technischen Systeme verführen dazu, alles ungeplant zu machen, gerade weil jeder sofort zu erreichen ist", sagt der Arbeits- und Ingenieurpsychologe Hartmut Wandke von der Freien Universität Berlin. "Dadurch kann viel zusätzlicher Stress entstehen." Planungen und Strukturen bringen Ruhe in unseren Arbeitsalltag. Fehlen sie, steigt der Stresspegel. Auf Dauer kann das krank machen. So kann der technische Fortschritt zum Fluch werden.
Ähnlich sieht das die Arbeitswissenschaftlerin Annette Hoppe von der Technischen Universität in Cottbus: "Wir benutzen die technischen Hilfsmittel nicht, um uns Freiräume zu schaffen, sondern packen uns die gewonnene Zeit wieder mit neuer Arbeit voll." Denn das schicke Diensthandy und der Laptop vom Arbeitgeber sind natürlich nicht fürs eigene Vergnügen gedacht. Sie sollen es dem Mitarbeiter ja gerade ermöglichen, nach Dienstende weiterzuarbeiten.
Rufbereitschaft ist nicht Freizeit
Und selbst wenn das Diensthandy nicht klingelt, lässt es einem keine Ruhe. Denn eine Rufbereitschaft ist eben keine Freizeit. Wer ständig erreichbar sein muss, fährt nur in den Stand-by-Modus, statt abzuschalten. Der klassische Feierabend fällt damit weg.
Hinzu kommt, dass Mitarbeiter nach Dienstschluss bei Problemen mit der Technik auf sich gestellt sind. Wie sehr das nerven kann, haben Hoppe und ihr Team in einem Versuch nachgewiesen. Hatten die Testpersonen bei der Arbeit am PC technische Fehler, reagierte ein Großteil nachweislich genervt. Rund 17 Prozent sagten allerdings, sie hätten keinen Stress erlebt - obwohl die Messungen andere Werte zeigten. Technik stresst also, auch wenn man es nicht immer merkt.
Welche Technik brauche ich?
Hoppe und ihr Team trainieren Firmen und Mitarbeiter im Umgang mit Technik. Ihr Motto: "So viel wie nötig, nicht so viel wie möglich." Vor dem Einkauf und Einsatz neuer Technik sollte sich jeder fragen: Welche Technik brauche ich? Wie lange und wozu? "Wir müssen wieder lernen, Technik als unseren Dienstleister zu verstehen und zu nutzen", sagt Hoppe. Das heißt: Das Handy auch mal ausschalten.
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Wettmanipulation im Fußball
Die ständige Erreichbarkeit wird hier ja etwas einseitig gesehen.
Ich kenne viele, die während der Arbeit gerne für privates ständig erreichbar sind, per Handy, per Chat, per Skype. Wenn man das untersagen würde, ginge ein Aufschrei durch die Lande.
Und auch wenn man jetzt die berufliche Seite betrachtet, so kann man doch in vielen Fällen sagen, dass die Erreichbarkeit auch Vorteile bietet, z.B. wenn man an einem Problem hängt und dringend den Rat eines Kollegen brauchen könnte.
Insofern ist einfach jeder gefordert, denjenigen, die dann ständig anrufen, klarzumachen dass das so nicht geht. Aber nix sagen und die Nummer wechseln gibt sicher in mehrerer Hinsicht kein besonders gutes Bild ab.
Mit ein bisschen Rückgrat sollte man seine Vorstellung von moderner Kommunikation doch seiner Umwelt verdeutlichen und auch durchsetzen können - nur von "Fußfessel" und "Sklaverei" zu reden, wird der Sache jedenfalls nicht gerecht.
denn für viele kleine Selbstständige ist es heute notwendig ständig erreichbar zu sein. Den Luxus nicht erreichbar zu sein kann sich halt nicht jeder leisten.
bei uns in der firma haben auch einige einen blackberry- ich habe keines und ich werde auch keines anfordern.
meine kollegin hat sich auch eines (privat) gekauft - denn so wichtig ist sie nicht als dass man ihr eines gegeben hätte- und hat es dann über die it-abteilung für die arbeit freischalten lassen. jetzt schreibt sie auf dem weg zur arbeit in der früh in der s-bahn und genauso auf dem heimweg unsinnige mails... *kopfschüttel*
mein anderer kollege genauso: da geht er superpünktlich aus der arbeit heim und schreibt dann aus dem zug so mails wie "gibt es noch was zu erledigen?" oder "kümmere mich morgen darum".
ich kann mir das nur so erklären, dass sie aufmerksamsgeil sind, dass sie sich -auch im zug- wichtig machen wollen, auch daheim bei ihrer familie usw...
ich persönlich gehe gerne zur arbeit und habe spaß an meinem job, aber dass ich die arbeit -unbezahlt- auch noch in meiner freizeit erledige, das würde mir im traum nicht einfallen. einfach nur bemitleidenswert, oder?
jeder der nicht an Geltungssucht leidet, der kann sich diesen "zwängen" auch entziehen. Nur man möchte ja all zu gerne damit prahlen das man unersetzlich ist...
Mein Blackberry bleibt nach Feierabend im Büro liegen und in den Urlaub nehme ich es schon gar nicht mit. Dabei dürfte ich es sogar für Privatgespräche nutzen... aber die paar Euro ist mir die Ruhe wert. Und trotzdem läuft mein Laden gut... komisch.
Meine alte Handy-Nr. hatte mein Chef, da diese in der Bewerbung angegeben war. Nach einiger Zeit rief er mich vor der Arbeit, nach der Arbeit, Freitags abends um neun usw. an. Ich hab´ dann meine Nummer gewechselt und dem Arbeitgeber die neue nicht mitgeteilt.
Ein dummes Gesicht und markige Sprüche waren die Folge, in der Nähe eines Rausschmisses war ich aber bei weitem nicht.
Ich kann allen nur raten, ein Dienst-Handy nach Feierabend auszuschalten und dem Arbeitgeber klar zu sagen, dass man das in der Freizeit für selbstverständlich hält.