Hauptsache, es klingt intellektuell: Wissenschaftler drücken sich gerne kompliziert aus - doch die Rückbesinnung auf einfache Sprache bringt Erfolg im Studium. Manchmal braucht man dafür allerdings Mut.
"Wer's nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er's klar sagen kann." Das hat der Philosoph Karl Popper als Leitsatz für die Wissenschaft ausgegeben. Und warum hört sich dann in der Uni manches so furchtbar kompliziert an? Nicht selten darum: Weil es besser klingt und mehr Eindruck macht. Dabei sollten Studenten ruhig Mut zur Einfachheit haben. Denn damit lernt es sich einfach besser. Oft fällt die Umsetzung dieses Vorsatzes aber schwerer als erwartet.
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Warum Hunderte von Seiten füllen, wenn das Wichtigste in wenigen Sätzen gesagt ist? Es lohnt sich auch in der Wissenschaft, Klartext zu reden. (© Foto: dpa)
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Vorbildliche Einfachheit
Einfachheit gilt in der Wissenschaftstheorie als vorbildlich: Von allen Theorien zu einem Phänomen ist die einfachste die beste. "Ockhams Rasiermesser" heißt dieses Prinzip, wie die Uni München in einem Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten erläutert.
Und auch dass überladene Redebeiträge in der Uni nichts zu suchen haben, ist wissenschaftlich untermauert - durch die Konversationsmaximen des Sprachforschers Paul Grice. Sie lauten beispielsweise: "Mache Deinen Gesprächsbeitrag nicht informativer als nötig", "vermeide Weitschweifigkeit", "sei relevant". Das Motto "Sag es einfach" hilft aber nicht nur im Studium. Die so genannte Kiss-Formel gilt heute als Leitsatz im Management: Sie steht für "Keep it short und simple".
Verfasser mit Sprachstörung
Wer sich manche Hausarbeiten oder Referate vor Augen führt, könnte aber meinen, die Verfasser hätten eine Sprachstörung: Sie können sich nicht verständlich machen. Daran krankten vor allem die Geisteswissenschaften, sagt der Fachbuchautor Alfred Brink, der an der Uni Münster Kurse zum Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten gibt.
"Wenn jemand alles schön verklausuliert, heißt das häufig, dass derjenige gar nicht so viel zu sagen hat." Dabei glauben einige, sie müssten sich so ausdrücken. "Dahinter steckt eine falsch verstandene Wissenschaftssprache", sagt Ulrike Pospiech, die in der Schreibwerkstatt der Uni Duisburg-Essen Studenten berät.
Es muss kompliziert sein
"Mancher meint: Ich sag's erstmal so, wie ich denke, und dann mache ich es kompliziert, und das ist dann Wissenschaft." Dabei sei das völlig falsch: "Wissenschaftlich ist eine klare und präzise Erläuterung." Dem stehen nicht nur gestelzte Sprache und Blähstil entgegen. Ein häufiger Fehler sei es auch, Texte und mündliche Beiträge inhaltlich zu überfrachten, hat Brink beobachtet. "Pro Satz nur ein Sachverhalt", rät er daher.
Auch unter der Fremdwörteritis mancher Fächer leidet die Verständlichkeit. Studenten sollten aber immer auf den "Nettogehalt der Ideen" schauen, wenn andere mit Fremdwörtern um sich zu werfen, rät Brink. "Das ist nicht selten alter Wein in neuen Schläuchen."" Das sei gerade in internationalisierten Studiengängen zu beobachten. "Da sagt man Interdependenz und nicht Wechselwirkung." Begründen lasse sich das häufig nicht. "Es klingt einfach besser."
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So wie die Bibel einst in Latein dem Volke vorenthalten wurde, wird Heute das Wissen dem Volke verschlüsselt und vorenthalten (meist auch in Latein oder Englisch). Die Spezialisierten müssen ja auch ein ganzes Studium mit Lernstoff füllen und dazu gehört das Lernen ihrer Gildensprache.
Inflated könnte man das nennen, passend zum Gesellschaftssystem...
"Ich bin als Student nicht die Wurstfabrik, die das Kleingeschnetzelte aus den Werken anderer macht", sagt Pospiech. "Um im Bild zu bleiben: Ich muss das alles erstmal durchkauen."
..ist nicht immer schön... oder was produzieren Studenten dann am Ende?
Schön, dass Frau Brink eine Schreibwerkstatt leitet und dennoch nicht den Unterschied zwischen Interaktion (Wechselwirkung) und Interdependenz (gegenseitige Abhängigkeit) kennt. Es wäre sicherlich wünschenswert, beispielsweise bei Nord-Süd-Konflikten in der Entwicklungspolitik von Wechselwirkungs-Theorien sprechen zu können, soweit sind wir aber leider noch nicht...
Der Heidegger-Schüler Theunissen erzählte in einem Seminar über Heidegger, dass dieser selber einmal wütend in einer Veranstaltung gebrüllt hätte: "hier wird nicht geheideggert", weil ihn die Übernahme seiner Sprache ärgerte. Das trifft den Kern der Sache. Wenn jemand eine neue Sprache erfindet, um etwas Neues zu sagen, ist das kreativ. Wenn andere nachplappern, ist es dümmliche und für den Fortschritt der Wissenschaft nutzlose Schleimerei.
aber ich musste auch die Erfahrung machen, dass die Noten besser werden, je komplizierter und verschachtelter man sich ausdrückt. Für einen Schachtelsatz über eine DIN A4 Seite, den ich nur mithilfe einer Grammatikskizze richtig hinbekommen habe und den man sicher bestenfalls nach dreimaligem Lesen verstanden hat, gab es z. B. eine glatte 1 (Rechtssoziologie).
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