Wer von der Ökonomisierung der Gesellschaft spricht, liegt falsch. Viel tiefgreifender ist die Okayisierung der Gesellschaft. Egal, wo man sich aufhält, immer findet sich jemand, der gerade "Okay" sagt.
Jetzt hat es also auch die Finanzbranche erwischt. Dialog am Bankschalter: "Ich würde gerne Geld bei Ihnen anlegen." "Okay." "Am liebsten Festgeld." "Okaay." "So ein Jahr Laufzeit." "Okaaay."
Daumen hoch: Einverstanden, alles in Ordnung, genauso machen wir es. (© Foto: dpa)
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Man spricht immer von der Ökonomisierung der Gesellschaft, viel tiefgreifender und umwälzender aber ist die Okayisierung der Gesellschaft. Egal, wo man sich aufhält, immer findet sich jemand, der gerade "Okay" sagt, und zwar nicht dieses kurze "Okay", das man von früher kennt, sondern dieses auf der zweiten Silbe langgezogene "Okay", das immer länger wird, je häufiger der Anwender es benutzt.
Typischer Dialog im Alltag: "Du, ich glaub, ich geh heut' noch einkaufen." "Okay." "Ich nehm' Brot und Käse mit." "Okaay." "Und für morgen zum Frühstück Müsli." "Okaaay."
Zunächst klang es originell
Es gibt ernstzunehmende etymologische Studien, die sagen, "Okay" stamme eigentlich aus Deutschland. Deutsche Auswanderer, die sich in Amerika als Buchdrucker verdingten, schrieben an den Rand eines Manuskripts immer "o.K.", wenn sie auf einer Seite keinen Fehler fanden. Das hieß "ohne Korrektur". Auf irgendwelchen Wegen hat diese Abkürzung nach Deutschland zurückgefunden, wo es seitdem amerikanisch ausgesprochen wird. Soweit okay. Wer es benutzte, signalisierte seinem Gegenüber: einverstanden, alles in Ordnung, genauso machen wir es.
So war das über Jahrzehnte, bis vor einiger Zeit irgend jemand damit anfing, die zweite Silbe zu dehnen. Das klang zunächst originell, und man horchte auf, weil man das Gefühl hatte, dass sich da jemand wirklich für einen interessiert. Und so benutzten im Laufe der Zeit immer mehr Menschen dieses langgezogene "Okaaay". Heute scheint es niemanden mehr zu geben, der es nicht benutzt.
Zum Beispiel am Arbeitsplatz: "Ich hab' mir gedacht, dass wir das hintere Kabel nach vorne hängen." "Okay." "Und das vordere vielleicht in die Mitte." "Okaay." "Und das mittlere Kabel könnte dann nach hinten." "Okaaay."
Ein leeres Wort zum Heucheln
Nun ist das Besondere an diesem neu verwendeten Wort aber, dass es nicht wie früher Einverständnis signalisiert, sondern alles Mögliche bedeuten kann. Im letzten Beispiel etwa darf sich der Arbeitnehmer nicht wundern, wenn sein Vorgesetzter nach drei langgezogenen "Okays" sagt, dass er am liebsten doch alle Kabel da lassen möchte, wo sie sind.
Das langgezogene "Okay" kann auch bedeuten: "Eigentlich interessiert es mich nicht die Bohne, was du mir da gerade erzählst, aber ich tu' mal so." Ganz schlimm wird es, wenn der Anwender das Wort unüberlegt gebraucht: "Mir geht's heute nicht gut." "Okaay."
Es ist, man muss es so deutlich sagen, in Deutschland seit langem kein leereres Wort entstanden als dieses langgezogene "Okay", das Einverständnis nur heuchelt. Man sehnt sich nach Menschen, die einem wirklich widersprechen. "Du, ich glaub', ich geh' einkaufen." "Muss das sein?" "Okay, wenn du meinst."
(SZ vom 26.3.2008/bön)
...hat im norddeutschen Sprachraum das Füllwort "so zu sagen" in banale Mitteilungen Einzug gehalten. Unspannendes spannender klingen lassen... Karl Vatlentin diagnostizierte zu Lebzeiten die Gell-Krankheit der Bayern, welche bei den Nordlichtern heute als So-zu-sagen-Epedemie grassiert...
Okay, muß man unbedingt Wikipedia lesen? Naja, aber in diesem Falle bringt sie uns weiter, nämlich auf den (bis jetzt unwidersprochen) ältesten gedruckten Beleg für "ok", in der Boston Morning Post vom 23.3. 1839: "He ... would have the 'contribution box', et ceteras, o.k. - all correct - and ..." Diese reichlich kryptische Zeile führt tatsächlich ins Setzer- und Redakteursmilieu Nordamerikas im frühen 19. Jahrhundert. "Deutsche Auswanderer als Buchdrucker" - o.k. (= ohne Korrektur), möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Abkürzungsfimmel im Journalisten-Slang (so der Wikipedist) - ja doch, aber erst später. Wie wäre es denn mit einer neuen Theorie (schönen Gruß an Cus! Der hatte vor 15 Jahren die OK-Debatte im "Rätselrennen" der SZ schon aufgespießt)?! Schauen Sie bitte noch mal auf das Zeitungszitat, ganz genau! Exakt - o.k. steht direkt hinter "et ceteras". Dieses (hier falsch aufgelöste!) "Undsoweiter" auf Latein wird im Schrift- und Druckbild gängig "etc." abgekürzt. Tja - und dann schreiben Sie bitte mal ein etc. in Fraktur oder Antiqua auf ein Blatt Papier, eng ligiert natürlich! Und was könnten Sie auch daraus lesen?! Richtig: o.k. (indem nämlich t-Schaft und kleines c miteinander verschmelzen; kleines e und kleines o sind ohnehin leicht zu verwechseln). Der Redakteur hat also "etc." handschriftlich vermerkt, der Setzer (Schelm, der er war - wer kennt noch den TAZ-Säzzer!?) liest daraus o.k. und spricht es auch so. Spätere Adepten-Scherzkekse machten daraus "oll korrekt" oder "oll klier". Okay, okay - iss ja nur ne marginale Anmerkung!
Vielen Dank! Daaaaaanke! Endlich ist es mal ausgesprochen worden! Ich möchte gerne noch ein weiteres Sprachgeplänkel anfügen, welches auf gleiche Weise funktioniert und unerträglich geworden ist: "NICHT WIRKLICH!"
Es taucht auch überall auf - und steht auch fast nie in einem Sinnzusammenhang.
okaaay, sehr gut beobachtet, es ist alles zu dem Thema geschrieben.
Ein mindestens genauso "nerviges" Word ist das " Geeenau ", das viele Telefonierer in ihre Konversationen einbauen, um Gesprächslücken zu füllen, dem eh´ schon hohlen Gesprächsinhalten beizupflichten, endlich irgendwie das Gespräch zu beenden und eine positive Stimmung zu hinterlassen, oder ähnliches. Lieber Herr Freiberger, könnten Sie sich nicht auch mal diesem Begriff widmen ?
ok
Paging