Zwei Bildungsexperten und eine Firmenvertreterin diskutieren über die immer engere Beziehung zwischen Schulen und Unternehmen.
Bausparkassen werben in Gratis-Schulheften, Computerfirmen bilden Lehrer weiter, Kinobetreiber plakatieren in der Pausenhalle und Getränkehersteller richten Schulfeste aus. Die Präsenz der Wirtschaft an den Schulen, so kritisieren Lehrerverbände, nehme immer aggressivere Formen an und sei oft nicht mehr mit dem staatlichen Bildungsauftrag vereinbar.
Schüler mit Telekom-Kappen. (© Foto: dpa)
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Heinz-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Philologenverbandes, Silke Armann, Projektleiterin für Bildungssponsoring bei der Deutschen Telekom und Achim Lebert, Direktor des Gymnasiums Ottobrunn, über den Sinn von Sponsoring und die Werbeflut an den Schulen.
SZ: Herr Lebert, welche Rolle spielt Werbung in Ihrem Schulalltag?
Achim Lebert: Eine große. Ich habe das Sekretariat angewiesen, alles, was unaufgefordert reinkommt, auszusortieren. Sonst würde ich zugeschüttet mit Anfragen. Egal ob das Fotostudios sind, die Schüler porträtieren, oder Reiseveranstalter, die die Abifahrt ausrichten wollen. Das ist wie mit den Spammails, die man löscht.
SZ: Herr Meidinger, der Philologenverband geißelt die Werbeflut derzeit stark. Neu ist Ihre Kritik aber nicht. Warum gehen Sie gerade jetzt auf die Barrikaden?
Heinz-Peter Meidinger: Die Angebote werden ausgeweitet. Ich bekomme ungefragt Vertragsentwürfe von Firmen zugeschickt, die bei uns Bildschirme installieren wollen. Einen für den Vertretungsplan und einen für Werbespots daneben. Unmöglich! Unternehmen drangsalieren uns mit Anfragen, unsere Infotafeln mit Werbung zu pflastern. Natürlich stets mit dem Hinweis, es sei lukrativ und mit dem staatlichen Bildungsauftrag vereinbar. Wir versuchen trotzdem, sauber zu bleiben!
SZ: Nun kommen aber mittlerweile in etwa 40 Prozent aller Fälle Schulen selbst auf die Unternehmen zu, bitten um neue Bälle oder um Geld für Feste. Ist es angesichts knapper Kassen nicht weltfremd, die Schuld nur den Firmen zuzuschieben?
Meidinger: Bis vor einigen Jahren wurde uns vorgeworfen, die Schulen hätten Berührungsängste mit der Wirtschaft, sie würden sich abkoppeln und seien praxisfern. Diese Angst gibt es heute nicht mehr, und das ist sehr positiv. Heute bestehen viele wünschenswerte Kontakte. Das Problem ist ein anderes: Schulleiter werden mit der Anfragenflut allein gelassen. Es gibt keine Vorgaben oder Empfehlungen. Die Ministerien vertrauen darauf, dass sich die Beziehungen mit der Wirtschaft von selbst regeln und dass Unternehmen zum Beispiel einspringen, um marode Schulgebäude zu sanieren. Berlin, Bremen und Sachsen-Anhalt haben jede Beschränkung bei der Werbung in Schulen abgeschafft. Das geht zu weit!
SZ: Sie fühlen sich allein gelassen?
Meidinger: Wir fühlen uns ein wenig von der Politik verraten. In Bayern gab es ein Projekt, bei dem Schüler in Zusammenarbeit mit dem Süßwarenkonzern Wrigley's eine Werbestrategie für das Jahr 2020 entwickeln sollten. Wenn dann der bayerische Bildungsminister dem Konzern in einer Presseerklärung dankt und der Staatssekretär für Wrigley's auftritt, werden Grenzen überschritten.
SZ: Wie sieht denn eine ideale Kooperation mit der Wirtschaft aus?
Meidinger: Schule sollte strikt neutralitätsgebunden sein und darf weder Auflagen akzeptieren noch Produktwerbung zulassen. Firmen dürfen also Schulen sponsern, wenn diese allein über die Verwendung des Geldes entscheiden.
SZ: Frau Armann, kaum ein Unternehmen in Deutschland hat ein so großes Programm für die Schulen wie die Telekom. Erfüllen Sie Herrn Meidingers Idealbild?
Silke Armann: Dieses Ideal ist wohl nicht in allen Punkten realistisch. Sicher ist unsere Förderung nicht so angelegt, dass wir nur Geld geben und dann einer Schule sagen: Macht damit, was ihr wollt. Aber wir legen Wert darauf, dass unsere Sponsoring-Projekte nicht in pädagogische Inhalte eingreifen. Trotzdem fördern wir natürlich in Bereichen, die wir als sinnvoll erachten und die auch zu uns passen.
SZ:: Und welche sind das?
Armann: Wir möchten Entwicklungsimpulse geben. Etwa dadurch, dass wir Lehrer bei der Vermittlung von Medienkompetenz unterstützen. Und bis heute haben wir über unsere Projekte "Schulen ans Netz" und T@school Internetzugänge für 34.000 Schulen entgeltfrei zur Verfügung gestellt. Direkte Produktförderung oder unser Logo werden Sie in den Schulen aber vergeblich suchen.
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Encarta hat, das ist allerdings ein paar Jährchen her, Leoben statt an die Mur an die Mürz verlegt. Wenn das auch kaum jemand interessiert, das ist Geographie wie noch nie! Demnächst wird noch Schäuble geklont und als Sozailkundelehrer eingestellt. Wir haben es weit gebracht, keine Frage.
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Wenn ein Unternehmen das Geld übrig hat, um eine Aufgabe zu finanzieren, die nicht die seine ist, dann zahlt es offensichtlich zu wenig Steuern. Steuern, die das Gemeinwesen benötigt, um seine Bildungsaufgaben neutral und vernünftig finanzieren zu können.
zu diesem thema fällt mir eine szene aus der folge "die simpsons" ein:
das schulsystem amerikas ist privatisiert worden und als hauptsponsor agiert pepsi. der schulunterricht wird von drittklassigen schauspielern abgehalten. die schüler - natürlich in einer vielzahl in einem klassenzimmer zusammengefercht - müssen auf sinnentleerte rechenaufgaben antworten: "ihr habt fünf pepsis und ihr trinkt drei aus - um wieviel seid ihr mehr erfrischter?" ein junge meldet sich zarghaft und sagt: PEPSI! daraufhin der lehrer: teilweise richtig ...
in einer schule hat keine werbung stattzufinden, damit man müdige bürgerInnen bekommt - so sehe ich das! staatsfinanzen hin oder her. hier darf das keine rolle spielen!
freundlichst,
j.
Keine Partikularinteressen an die öffentliche Schule. Die privat (=interessen) geleitete Schule nach Markt"gesetzen" und Profit wird es ohnehin geben (im Universitätsbereich ist die Hochschule als Investitionsobjekt schon in Vorbereitung, gelobt und gefördert vom Land Brandenburg). Das muss man denen nicht zu einfach machen. Wirtschaft ist, auch wenn es uns die Wirtschaftslobby anders weismachen will, immer noch Teil und Diener der Gesellschaft, nicht deren Leitstern; und das ist gut so; denn sonst gäbe es keine Gesellschaft.
Schon jetzt spricht der Meidinger von Unterricht als "Kerngeschäft". Die Funktionen der Lehre und Bildung werden auseinander dividiert und Einfallstore für Wirtschaftsdenken geöffnet ("Verwaltung, Technologie"). Als wenn es keinen Einfluss auf die Inhalte des Unterrichts hätte, wenn ein Kollegium sich plötzlich nach Maßgabe von McKinsey als Profitcenter organisert sieht!
Schlimm, diese Kurzsichtigkeit. Wenn schon die Entscheider so denken, darf man sich über den Konsumwahn der Jugend nicht wundern.
Unternehmen, die tatsächlich der Bildung helfen wollen, könnten doch bei der Schule anklopfen und sagen: "Guten Tag, wir möchten helfen, was können wir für euch tun?" Und dann bei den Bitten der Schulen eben auch keinen Rückzieher machen und keine Bedingungen stellen, außer vielleicht, dass sie über ihre Unterstützung berichten dürfen. So sähe Bildungsförderung aus. Stattdessen wird den Schulen eben nur gerad das angeboten, was den Unternehmen in den Kram passt. Dass das nicht unneigennützig ist, davon darf, davon muss man heutzutage leider ausgehen, solange §14 GG flächendeckend so schön ignoriert wird.
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