Spitzentreffen zur Frauenquote Gewünscht: Dreimal so viele Frauen in Führungspositionen

Die Bundesregierung macht Druck auf die Wirtschaft: Es sollen endlich mehr Frauen in Top-Positionen kommen. Eine Quote lehnen die Dax-Unternehmen noch immer ab - aber sie haben einen anderen Vorschlag.

Vorwärts in kleinen Schritten: Die 30 DAX-Unternehmen haben sich zu Zielvorgaben und Transparenz beim Erreichen einer höheren Frauenquote in ihren Führungsgremien verpflichtet. In der am Mittwoch nach einem Spitzengespräch mit den zuständigen Kabinettsmitgliedern veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der Personalvorstände der Konzerne werden allerdings noch keine konkreten Ziele genannt - abgesehen davon, dass sich jedes Unternehmen noch in diesem Jahr auf eine selbst definierte Quote festlegen will.

"Wir werden nicht eine Quote haben, sondern wir werden in diesem Jahr 30 Zielvorgaben der 30 Dax-Unternehmen erfahren", sagte Schröder. Sie sei sehr froh über dieses Ergebnis. Die Bundesregierung gebe der Wirtschaft damit noch befristet Zeit für "substanzielle Verbesserungen". Falls dies nicht gelinge, komme die von ihr vorgeschlagene "gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung".

Die Bemühungen der Bundesregierung, mit der Wirtschaft einen Konsens über eine Frauenquote für Führungspersonal zu erzielen, sind damit jedoch fehlgeschlagen. Ein Vier-Stufen-Plan von Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) zur Einführung einer solchen Quote wurde beim Spitzentreffen von führenden Wirtschaftsvertretern abgelehnt, wie Vertreter von Dax-Unternehmen anschließend mitteilten.

Der Personalvorstand von BMW, Harald Krüger, erklärte: "Es gab einen konstruktiven Dialog, aber den Stufenplan haben wir nicht bestätigt." Stattdessen kündigten die 30 führenden deutschen Unternehmen den Angaben zufolge an, im Laufe des Jahres individuelle Zielvorgaben für die Firmen zu veröffentlichen. Krüger hob hervor, dass es besonders in technischen Bereichen bislang sehr wenige Frauen in den Unternehmen gebe.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach von einem Treffen mit "Licht und Schatten". Die Ergebnisse seien "nicht konkret genug", kritisierte sie. Von der Leyen sagte, sie halte an ihrem Ziel fest, dass im Jahr 2020 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt sein müssten. Es sei zwar durchaus akzeptabel den Dax-Unternehmen mehr Zeit zu lassen, aber der Prozess müsse einen Endpunkt haben. "Deutschland darf nicht der internationalen Entwicklung hinterher hinken." In anderen Staaten sei der Aufstieg von Frauen in höhere Positionen kein Problem. Aber auch der deutsche Mittelstand habe bereits bewiesen, dass eine bessere Frauenförderung möglich sei.

Von einer gesetzlichen Quote ließen sich Wirtschaftsvertreter jedoch nicht überzeugen. "Das richtige Ziel von mehr Frauen in Führungsetagen lässt sich nicht gesetzlich erzwingen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Reinhard Göhner, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Der Frauenanteil werde aber mit unternehmensspezifischen Maßnahmen in den nächsten Jahren deutlich erhöht werden können.

"Wir lassen nicht locker", erklärte Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Es gebe derzeit keinen Konsens in der Bundesregierung. Auch sie rückte von dem Stufenplan ab und forderte, der Druck auf die Unternehmen müsse weitergehen.

Die EU-Kommission schlägt bei der Frauenquote für die Wirtschaft eine härtere Gangart als die Bundesregierung ein. Brüssel will den Konzernen bis zum März 2012 Zeit für eine freiwillige Lösung lassen - und dann eingreifen. Das hat EU-Justizkommissarin Viviane Reding in einem Brief an Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) geschrieben.

"Die Europäische Kommission steht ab März 2012 bereit, erforderlichenfalls mit rechtlichen Instrumenten einzugreifen, falls sich die Lage bis dahin nicht wesentlich verbessert", schreibt Reding. Als Ziel nennt sie, dass der Frauenanteil in den Aufsichtsräten börsennotierter europäischer Unternehmen bis 2015 auf 30 Prozent und bis 2020 auf 40 Prozent steigt.

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