Tuschl: Nein, als nächstes hat mich der Kanzler gefragt, ob ich eine volle Sekretärinnenstelle bräuchte. Das führte nach einem erhitzten Wortwechsel dazu, dass die Sitzung vorerst abgebrochen wurde. Was eigentlich wichtig war, wurde nicht thematisiert. Ich hatte jedenfalls nicht den Eindruck, dass man mich unbedingt haben wollte. Und bei so einem Affenzirkus kann man keine vernünftigen Gespräche führen.

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SZ: Hätten Sie diese Stellen nicht mit Nachwuchskräften besetzen können?

Tuschl: Nein, für die Forschung ist es wichtig, dass es eine verlässliche Kontinuität gibt. Dazu braucht es erfahrene Wissenschaftler, die zudem auch bei der Lehre und Administration ausgeholfen hätten. Gute Nachwuchskräfte sollen ihre eigene kreative Forschung betreiben und nicht meinen Kram machen.

SZ: Hätte man das nicht durch Drittmittel finanzieren können?

Tuschl: Darauf wurde nie eingegangen. Die Verwaltung hatte offenbar ihre eigene Vorstellung, wie ein Professor sein Labor zu leiten hat. Was ich mir darunter vorstelle, hat niemanden ernsthaft interessiert. Ich habe Offizielle der FU und auch den Berliner Wissenschaftssenator mehrmals eingeladen, nach New York zu kommen, um zu sehen, wie ich hier arbeiten kann, aber darauf hat niemand reagiert. Es gab keinen Dialog. Wenn dazu die Bereitschaft fehlt, hätten sie aber erst gar nicht an mich herantreten sollen.

SZ: Wie erklären Sie sich das?

Tuschl: Ich glaube, es ist dem Verwaltungsapparat offenbar sehr fremd, auf die Bedürfnisse einiger Wissenschaftler einzugehen. So demonstrierte die Verwaltung nur ihre Autorität, ohne eine konstruktive Lösung anzustreben.

SZ: Waren Sie denn besonders entgegenkommend?

Tuschl: Ich habe der FU in den folgenden Monaten geholfen, mehr Geld, wie die Alexander-von-Humboldt-Professur, zu bekommen. Aber das hat nicht dazu geführt, dass die Universität ihr ursprüngliches Angebot geändert hätte. Wie ich dann noch zufällig in Erfahrung gebracht habe, bot die Verwaltung mir sogar eine deutlich schlechtere Stellenausstattung als dem Vorgänger auf dem Lehrstuhl an. In den USA bekommt, wer viel Mittel einbringt, auch mehr von der Universität.

SZ: Wo liegt das Problem?

Tuschl: Wenn deutsche Universitäten Spitzenkräfte aus den Vereinigten Staaten abwerben wollen, können sie zwei Dinge bieten: Entweder ein vom Wettbewerb geprägtes Umfeld, wie es in den USA oft gegeben ist. Das fehlt aber an den meisten deutschen Standorten. Also müssen sie den Forderungen der Forscher entgegen kommen, damit es genügend Anreize für sie gibt, zu wechseln. Erst so kann man anfangen, einen fruchtbaren Forschungskontext aufzubauen und hoffentlich weitere hervorragende Kollegen anzulocken. Doch wenn ich meine Forschungspläne nicht umsetzen kann, warum sollte ich dann Ja sagen?

SZ: Hat man Ihnen in New York ein besseres Angebot gemacht?

Tuschl: Im Gegenteil. Ich habe noch überhaupt kein Angebot erhalten und erwarte erst in den kommenden Monaten eine Entscheidung, ob ich vom Associate zum Full Professor befördert werde und damit unbefristet eingestellt würde. In der jüngeren Vergangenheit hat die Rockefeller University den Abgang einzelner Wissenschaftler nicht durch Gegenangebote verhindert. Ich habe deshalb auch keines eingefordert.

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(SZ vom 28.2.2009/bön)