Spitzenforscher im Interview "Brauchen Sie wirklich eine Spülkraft?"

Spitzenforscher Thomas Tuschl erklärt, wieso er trotz eines 13-Millionen-Euro-Etats nicht aus den USA zurück nach Deutschland will.

Interview: H. Breuer

Thomas Tuschl ist bekannt für die bahnbrechende Entdeckung, wie sich im Menschen gezielt Gene ausschalten lassen. Seitdem gilt der 42-jährige deutsche Biologe, der an der New Yorker Rockefeller University lehrt und forscht, als Nobelpreiskandidat. Einen wie ihn hätte die Freie Universität Berlin gerne gehabt. Doch Tuschl hat deren Ruf nun abgelehnt - obwohl man ihm einen Etat von 13 Millionen Euro auf fünf Jahre versprach, fünf Millionen davon finanziert durch die Alexander-von-Humboldt-Professur des Bundes, die helfen soll, Koryphäen zurückzuholen. Ein Gespräch über Bürokratie, Hilfskräfte und Arbeitsbedingungen für Forscher.

SZ: Fast 13 Millionen Euro auf fünf Jahre - wie kann man das ablehnen?

Thomas Tuschl: Das überrascht mich im Grunde auch. Aber das Problem war nicht das Geld, sondern dass eine Universität, wenn sie einen Wissenschaftler unbedingt haben will, auf ihn eingehen muss. Und das ist nicht passiert.

SZ: Wie kam es denn zu der Berufung?

Tuschl: Im Mai 2007 wurde entschieden, dass ich die Berufung für die Nachfolge des Biochemikers Volker Erdmann an der FU antreten sollte. Dann begannen erst die Verhandlungen, die aber nie sehr weit gediehen. Man kann auch nicht von Verhandlungen sprechen, sondern eher von administrativen Vorgaben.

SZ: Nicht weit gediehen? Das ist doch bald zwei Jahre her.

Tuschl: Ich habe der FU damals eine Liste geschickt, in der ich bis zur Pipettenspitze aufgelistet habe, was ich für ein gut funktionierendes Labor, wie ich es an der Rockefeller University habe, brauche. Vor allem waren mir vier ausgezeichnete Arbeitsgruppenleiter wichtig, die mir helfen, meine interdisziplinär ausgerichtete Forschung und die damit verbundene Lehre mit zu führen.

SZ: Das klingt doch ganz harmlos.

Tuschl: Vielleicht in ihren Ohren, aber um einen guten Arbeitsgruppenleiter in Deutschland zu bekommen, müsste man Lebenszeitstellen einführen, wie sie früher im akademischen Mittelbau üblich waren. Das wollte die Universität aber partout nicht. Das heißt, sie hat diese Forderung im Grunde ständig ignoriert.

SZ: Haben Sie das angesprochen?

Tuschl: Ich habe es der FU mehrere Male geschrieben. Im Spätsommer 2007 gab es das erste und letzte Gespräch mit einem zwölfköpfigen Universitätsgremium über die Ausstattung des Lehrstuhls. Dem Gremium gehörte vom Kanzler über die Verwaltung bis zur Frauenbeauftragten jeder an - nur niemand, der von meiner Arbeit etwas verstand. Da musste erst der Leiter der Berufungskommission und der ehemalige Vizepräsident eingeladen werden, damit jemand mit Fachkompetenz dabei war. Dieses Gespräch eröffnete der Kanzler damit, dass er mich fragte, ob ich tatsächlich eine Spülkraft brauchte. Ich habe etwas perplex klar gestellt, dass meine Studenten forschen sollen und keine Reagenzgläser säubern.

SZ: Und dann kamen Sie auf die Arbeitsgruppenleiter zu sprechen?