Auf spickmich.de können Schüler ihre Lehrer benoten, morgen geht der Rechtsstreit um die Seite in eine neue Runde. Der Gründer Tino Keller über Meinungsfreiheit und Hass-Mails von Lehrern.
Vor einem Jahr gründete der 27-jährige Student Tino Keller gemeinsam mit zwei Freunden das Internetportal spickmich.de. In zehn Kategorien, etwa "menschlich", "gut vorbereitet" oder "fachliche Kompetenz" können Schüler dort anonym ihre Lehrer benoten. Mittlerweile sind nach Angaben von spickmich.de 570.000 Schüler registriert, die etwa 250.000 Lehrer beurteilt haben.
spickmich.de-Gründer Tino Keller: "Viele Lehrer denken, Schüler seien zu klein und zu dumm, um die Qualität der Lehre zu beurteilen." (© Foto: spickmich.de)
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Eine Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen sieht durch die Internetseite ihre Persönlichkeitsrechte verletzt. Bislang hatte sie mit ihren Klagen vor dem Landes- und dem Oberlandesgericht Köln jedoch keinen Erfolg, denn die Richter sahen die Grenze zur Schmähkritik nicht überschritten. Morgen, am 12. März, klagt eine weitere Lehrerin gegen spickmich.de.
sueddeutsche.de: Die beiden Lehrerinnen, die gegen spickmich.de klagen, wollen bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Wie lebt es sich mit dieser Ankündigung?
Tino Keller: Wir fühlen uns selbstverständlich nicht so wohl, vor Gericht zu stehen. Eine Verhandlung ist eine kribbelige Sache. Der Wirbel um unsere Seite hat uns etwas überrascht. Natürlich war uns klar, dass nicht alle Lehrer begeistert sein würden, aber als die ersten Anwaltsschreiben eintrafen, waren wir doch erstaunt. Wir denken, dass die Bewertungskriterien sachlich und objektiv sind und können deshalb die Aufregung nicht ganz verstehen.
sueddeutsche.de: Können Sie denn nachvollziehen, dass sich einige Lehrer von spickmich.de angegriffen fühlen?
Keller: Es ist nie schön, eine schlechte Note zu bekommen. Aber nein, die Lehrerinnen, die derzeit klagen, können wir nicht verstehen. Bisher war keine bei den Verhandlungen anwesend, beide haben jedes Gesprächsangebot von unserer Seite zurückgewiesen. Wir sind gespannt, ob die Lehrerin wie wir morgen vor Gericht erscheint. Dabei wollen wir ihr erklären, wie unsere Seite genau funktioniert und wie wichtig ein Feedback der Schüler für ihre Lehrer ist. Andere Lehrer sind aber durchaus bereit, mit uns darüber zu sprechen. Ihre Reaktionen sind dann meistens positiv.
sueddeutsche.de: Wenden sich viele Lehrer direkt an Sie?
Keller: Ja. Dabei stellen wir fest, dass jüngere unsere Seite gut finden. Sie sind froh, auf diese Weise eine Rückmeldung von ihren Schülern zu bekommen. Denn das direkte Gespräch im oder nach dem Unterricht ist oft nicht ehrlich: Viele Schüler trauen sich nicht, den Lehrern offen ins Gesicht zu sagen, was am Unterricht nicht gut ist. Sie fürchten negative Konsequenzen. Referendare und jüngere Lehrer sehen spickmich.de als Möglichkeit, mehr über die Meinung der Schüler zu erfahren.
sueddeutsche.de: Und die älteren Lehrer?
Keller: Da gibt es einige, die regelrecht ausrasten, uns beleidigen und den Schülern drohen. Das grenzt teilweise an Nötigung. Wir haben bereits einige Hass-Mails bekommen, in denen wir zum Beispiel als 'erbärmliche Würstchen' beschimpft wurden, die früher bestimmt schlecht in der Schule gewesen seien. Der Freund einer Lehrerin hat uns mal ein Foto seines nackten Hinterns zugeschickt. Wir sind oft geschockt, dass solche Menschen vor einer Schulklasse stehen und Vorbild sein wollen.
sueddeutsche.de: Wie reagieren Sie auf solche Angriffe?
Keller: Wir erstellen gerade Unterrichtsmaterialien zu Meinungsfreiheit und Medienkompetenz im Internet. Das Paket beinhaltet auch rechtliche Informationen und soll dann den Schulen und Lehrern als Service angeboten werden. Vielleicht führt das zu mehr Verständnis bei den Lehrern.
sueddeutsche.de: Ist Ihr System wirklich objektiv? Wie schließen Sie zum Beispiel Rachefeldzüge von einzelnen Schülern aus?
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- Spickmich.de Am Internet-Pranger 30.01.2008
- Schülerstreich 2.0 "Lehrer wird gehauen mit Besen" 18.06.2007
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Zu einer echten Evaluationskultur an einer Schule - und ohne eine solche ist Schule keine Schule, denn wer sich Ziele setzt, muss gelegentlich mal nachschauen (besser: nachschauen lassen), ob er diese auch erreicht hat - gehört auch die Evaluation der Lehrerinnen und Lehrer. Auch wenn Lehrer selbst "Weltmeister der Evaluation (anderer) " sind - sie geschieht zu jeder Zeit, in jeder U-Stunde - ihr eigenes Schaffen lassen sie nur ungern hinterfragen, von anderen Fachleuten sowie, von "Laien" allemal (zunehmend mehr Ausnahmen bestätigen nur die Regel).
Für mich gibt es mindestens zwei grundlegende Bedingungen, deren Erfüllung die Evaluation der Lehrenden durch die Lernenden wahrscheinlicher und fairer machen:
1. Beide Seiten, die Lehrer und die Lerner erstellen g e m e i n s a m einen Beobachtungsbogen; das klärt, was die untrennbar im Lehr-Lern-Prozess miteinander verbundenen Personen unter "gutem Unterricht" verstehen - und macht U per se schon besser!
2. Die Fremdevaluation (der Lehrernden) muss mit einer Selbstevaluation (der Lehrenden) verbunden werden. Unterricht ist heute keine Selbstdarstellungsshow der Lehrer (sollte es eigentlich nie gewesen sein!) mehr, ein Garant für das Gelingen des Lehr-Lern-Prozesses ist die aktive M i t w i r k u n g der Lernenden (Rollenwechsel!) U kann nicht mehr gelingen, wenn letzteres nicht erbracht wird. Also müssen sich auch die Lernenden selbst überprüfen, ob sie ihren Anteil eingebracht haben, damit U gelingen kann. Dies erfolgt am besten in der Paarung beider Evaluationen auf einem Bogen!
dremmi
Naja, so ganz privat sind die Noten eines Schülers nun nicht. Erstens werden sie in der Lehrerkonferenz diskutiert, d.h. alle Lehrer einer Klasse kennen auch alle Noten aller Schüler. Und daß dieses Wissen um die Noten eines Schülers in anderen Fächern keinerlei Einfluß auf die Note hat, die ein Lehrer selbst vergibt, ist unrealistisch. Oft genug habe ich mir sogar selbst von meinen Lehrern erklären lassen, daß sie sich absprechen, wenn einer z.B. in zwei Fächern auf der Kippe steht. Dann kriegt halt in Chemie die Eins und in Physik die Zwei.
Dazu kommt, daß die Noten zumindest in meienr Schulzeit oft im Klassenverband diskutiert wurden, d.h. der gesamte Englisch Kurs kennt alle Englischnoten, die Mathe-LK alle Mathenoten... Geheim ist da gar nichts.
@ottonormalverbraucher125:
"als erstes müsste man die notengebung und tests von unabhängigen stellen durchführen lassen, nur so hat man gewissheit, dass die schüler objektiv und gerecht beurteilt werden":
hihihi, wer ist denn ganz objektiv? Das müssten Maschinen sein! Aber sogar die werden von Menschen programmiert! Pure Objektivität gibt es nicht! Völlige Unabhängigkeit auch nicht! Objektivität und Gerechtigkeit sind Begriffe, die man erst dafür definieren muss und die sich ggf. dann sogar gegenseitig ausschließen.
das Problem ist, dass viele deutsche Schüler bei schlechten Noten lieber beleidigt "zurückwerten" als sich mal auf den Hosenboden zu setzen. Unterstützt wird das noch von vielen Eltern: die bringen ihren Sprößlingen oft bei, dass es nicht so schlimm ist, in Mathe etc. eine Niete zu sein, das braucht man ja nie im Leben, und sie werden später sowieso mehr verdienen als die Lehrer...und ähnlich hohle bzw. kontraproduktive Sprüche.
Schule und Lehrer haben in anderen Ländern einen ganz anderen Stellenwert.
die sich gegen berechtigte kritik aussprechen
die lehrerInnen von heute bringen den kindern kaum was bei, im gegenteil sie ruinieren ihre karrierechancen
als erstes müsste man die notengebung und tests von unabhängigen stellen durchführen lassen, nur so hat man gewissheit, dass die schüler objektiv und gerecht beurteilt werden
@Triple_kKk: "Schüler müssen mit ihrer Beurteilung leben. Warum Lehrer nicht auch bei spickmich?"
Ihre Aussage scheint im ersten Moment logisch zu sein, aber sie übersehen dabei leider, dass ein ganz wesentlicher Aspekt die Anonymität ist. Ein Schüler muss seine Note im Extremfall nur seinen Eltern offenlegen, sonst erfährt niemand davon, höchstens in einem vertraulichen Gespräch mit dem Kollegen wird mal über sehr gute oder auch sehr schlechte Leistungen gesprochen. Spickmich dagegen trägt die Bewertung in die Öffentlichkeit, noch dazu bleibt der Notengeber anonym, also das genaue Gegenteil. Dazu kommt, dass auch ein Lehrer nicht anonym benoten kann, sondern sich auch gegenüber dem Schüler, den Eltern, den Kollegen und Schulleitung rechtfertigen muss.
Als Elternbeirat hat man ja leider meißt eher mit den unerfreulichen Lehrern zu tun, möglicherweise kommt ihr Lehrerbild daher? Aber ganz im Ernst, ich kann durch meinen Einblick in die Lehrerposition nur sagen, dass ich erstaunt bin wie sehr sich die Lehrer über einzelne Schüler austauschen, so dass man schon weiss, ob der Schüler nur kein Interesse an einem Fach hat, oder ob die Probleme grundlegender sind. Das gleiche gilt für Kommentare und Bewertungen im Zeugnis, auch hier wird viel diskutiert.
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