Von Tanjev Schultz

Wer jemandem etwas anhängen und dabei anonym bleiben will, findet im Internet ein komfortables Medium. Das bekommen auch Lehrer zu spüren.

Wer jemandem etwas anhängen und dabei anonym bleiben will, findet im Internet ein komfortables Medium. Das bekommen auch Lehrer zu spüren, deren Berufsrisiko es von jeher ist, Spott auf sich zu ziehen. Ruckzuck landen sie nun am Internet-Pranger. Zwar tragen sie dort, anders als die Verurteilten im Mittelalter, weder Lasterstein noch Schandkragen. Aber auch böse Witze und Beschimpfungen können schmerzen.

Spickmich.de

Spickmich.de: Ein Gag auf harmlosen Seiten. (© Foto: dpa)

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Anonyme Urteile, die im Internet gefällt werden, sind ein Ärgernis. Wenn sie die Schwelle zur Schmähkritik nicht überschreiten, kann man sie jedoch nicht so einfach verbieten. Das Recht auf freie Meinungsäußerung wiegt schwer, weshalb das Landgericht Köln keineswegs aus Verachtung für die Lehrerschaft handelte, als es die Klage einer Pädagogin gegen "Spickmich.de" erneut abwies. Auf dieser Internetseite benoten Schüler ihre Lehrer.

Die Zensuren, die dort verteilt werden, sind natürlich unseriös; so werden Lehrer danach bewertet, wie "cool und witzig" sie sind. Das Ganze ist aber nicht viel mehr als ein Gag auf recht harmlosen Seiten (die wohl auch deshalb so brav sind, weil die Betreiber durch die Klage gewarnt sind). Verbale Ausfälle und Videoclips, in denen Lehrer gedemütigt werden, finden sich auf ganz anderen, weniger bekannten Internetseiten.

Wenn Jugendliche über Lehrer herziehen wollen, sollten sie dies im klassischen kleinen Kreis tun, nicht anonym im Internet. Und wenn Lehrern etwas an ihren Schülern und an einem guten Unterricht liegt, sollten sie ernsthafte Rückmeldungen einholen. Lehrer müssen nicht nur offen sein für konstruktive Kritik. Sie müssen auch dafür sorgen, dass es ein Forum gibt, auf dem solche Kritik zur Sprache kommen kann.

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(SZ vom 31.1.2008/bön)