Spanische Elite-Uni IESE: Dekan im Interview Ein Risiko des Scheiterns gibt es immer
Anzeige
sueddeutsche.de: Was vermissen Sie an heutigen Führungskräften?
Malerischer Campus, ausgezeichnete Lehre: Die Business School IESE liegt bei Hochschulrankings immer vorne.
(Foto: IESE)Canals: Es fehlt ihnen oft an Demut. Wir denken, mit Hilfe der Technik können wir alles schaffen - und vieles ist ja tatsächlich möglich. Aber dabei vergessen wir oft, dass in der Zusammenarbeit von Menschen immer ein Risiko des Scheiterns besteht. Vielen Managern fehlt zudem der Anspruch, mit ihrer Arbeit der Gesellschaft einen Dienst zu erweisen. Ziel sollte immer sein, professionelle Exzellenz zu erreichen - ohne den Respekt für die Menschen, die daran beteiligt sind, zu verlieren. In einem Unternehmen hat jeder einzelne Angestellte seinen Stellenwert.
sueddeutsche.de: Müssen Unternehmen mehr für ihre Angestellten tun?
Canals: Ja, wenn sie junge Talente an sich binden wollen, müssen sie auf sie zugehen. Sie müssen ihnen flexible Arbeitszeitmodelle bieten, die Raum für Fortbildungen und die Familie lassen. Natürlich alles in einem wirtschaftlichen Rahmen. Unternehmen sind nun mal keine Wohltätigkeitseinrichtungen.
Anzeige
sueddeutsche.de: Seit diesem Jahr gibt es an der IESE eine einwöchige MBA Summer School für pauschal 1200 Euro. Was hat es damit auf sich?
Canals: Sie richtet sich an Studenten, die sich für einen MBA interessieren, sich vorher aber noch mal selbst ein Bild davon machen wollen.
sueddeutsche.de: Hat dieses Angebot mit einer Krise der MBA-Programme zu tun? Nach der Wirtschaftskrise hat das Interesse an MBA-Programmen nachgelassen.
Canals: Davon haben wir an der IESE nichts gemerkt. Im vergangenen Jahr hatten wir so viele Bewerbungen wie noch nie zuvor. Aber das Angebot wird immer unüberschaubarer. Ich glaube, dass sich das Feld der MBA-Angebote stark segmentieren wird. Es werden sich allgemeine Programme durchsetzen, für Bewerber mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung. Und es wird Executive-MBA-Programme für Manager mit acht bis 15 Jahren Berufserfahrung geben. Alles andere wird nicht mehr den Namen MBA tragen, sondern unter dem Begriff Master firmieren.