Skurrile Stellenanzeigen Jobs on fire

Feuereifer für Zahlen? Dann sind Sie bei der Firma TriFinance vermutlich richtig.

Jobsuche kann auch Spaß machen. Dann nämlich, wenn Arbeitgeber bei der Stellenanzeige kreativ werden - und grandios scheitern. Der Schmähpreis "Goldene Runkelrübe" zeichnet Beispiele peinlicher Personalkommunikation aus.

Dass Kleinanzeigen in der Zeitung mitunter Zeugnisse großen Humors sind, dürfte mittlerweile bekannt sein. Da wirbt mancher Mann ganz freimütig um eine wohlhabende Gönnerin: "Suche reiche Frau (arm bin ich selbst), M 59, 183 cm, 91 kg, Gelegenheitsgolfer. Bild wäre schön". Doch auch der Stellenmarkt hält durchaus Lacher bereit, wie zwei Berliner Personalmanager beobachtet haben. Die lustigsten - das heißt: peinlichsten - Kommunikationspannen von Unternehmen haben Jannis Tsalikis und Henner Knabenreich jetzt mit einem Preis gewürdigt: der "Goldenen Runkelrübe" (in Anlehnung an den Negativ-Filmpreis "Goldene Himbeere").

Auf ihrer Homepage hatten die Initiatoren den Aufruf gestartet, Beispiele schlechter Personalkommunikation einzuschicken. Abstimmen konnte jeder Internetnutzer, der sich bei Tsalikis und Knabenreich als Jury-Mitglied registrierte. Verliehen wurde der Schmähpreis in den Kategorien "abschreckendste Stellenanzeige", "peinlichstes Karriere-Video", "unattraktivste Karriere-Webseite" und "misslungenster Social-Media-Auftritt".

Unter die Nominierten in der erstgenannten Rubrik hat es beispielsweise die Firma "TriFinance" aus Düsseldorf geschafft. Mit dem Slogan "ARE YOU ON FIRE?" suchte der Finanzdienstleister aus Düsseldorf nach einer Controllerin/einem Controller. In der zugehörigen Stellenanzeige - thematisch passend bebildert mit einem Feuerwehrmann vor lodernden Flammen - wirbt TriFinance mit der Chance auf "Selbstverwirklichung". Klingt gut, erinnert im vorliegenden Kontext aber eher an eine billige Werbelüge - schließlich sind Jobs im internen Rechnungswesen nicht gerade für ihren Feelgood-Faktor bekannt. Controller leiten mit ihrer Arbeit oft genug Budgetkürzungen und Personalabbau ein.

Auf Wasser statt Feuer setzte dagegen die Firma "hansgrohe". Der Hersteller für Armaturen und Wasserhähne präsentierte sich Jobsuchenden in einer Stellenanzeige mit einem triefnassen Model und der Aussicht auf eine "erfrischende Karriere". Betrachter fragen sich beim Anblick der Annonce allerdings eher, ob man in diesem Job am Ende nicht als begossener Pudel dasteht. Beziehungsweise, wie Tsalikis und Knabenreich spöttisch kommentieren: "Eine erfrischende Karriere? Oder vielleicht doch eher eine kalte Dusche?"

Machen Bewerber hier tatsächlich eine "erfrischende Karriere" - oder stehen sie am Ende als begossener Pudel da?

Sieger in der Kategorie "abschreckendste Stellenanzeige" ist schließlich die Kreissparkasse Birkenfeld. Die Bank machte im vergangenen Sommer Schlagzeilen mit einer Stellenanzeige, die nicht nur die symbolische Karriereleiter veranschaulicht, sondern dabei auch "Mut zur Gender-Lücke" beweist, wie es die Preisverleiher formulieren. Auf dem Sparkassen-Plakat ist eine rote Leiter zu sehen, auf der mehrere adrett gekleidete junge Leute stehen - die jungen Damen unten, die Herren oben. Ob sich irgendeine Bewerberin davon angesprochen gefühlt hat?

Da wirkt die Strategie von John Deere Deutschland schon erfolgversprechender: Der Landmaschinenhersteller buhlt in einem Image-Video um Auszubildende, frei nach dem Motto: "Wir produzieren Rasenmäher, auf die selbst gestandene Rocker neidisch sind." Aber sehen Sie einfach selbst.

Tsalikis und Knabenreich betonen übrigens, dass es ihnen nicht darum gehe, "jemanden zu diskreditieren oder bloßzustellen". Vielmehr wolle man andere Unternehmen vor ähnlichen Peinlichkeiten bewahren. "Wenn man so will, ist die 'Goldene Runkelrübe' also ein Wohltätigkeitsprojekt."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es fälschlicherweise, "TriFinance" und "hansgrohe" seien mit der Runkelrube ausgezeichnet worden. Die beiden Unternehmen waren aber lediglich nominiert.