Zwischen Frustration und Ansporn

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Eine ähnliche Strategie verfolgt Nordrhein-Westfalen, dort will Schulministerin Barbara Sommer (CDU) - die selbst eine Klasse wiederholte - in 800 Schulen erproben, wie man aufs Sitzenbleiben verzichten kann. Im vergangenen Jahr schloss Sommer einen entsprechenden Pakt mit den Lehrerverbänden; seitdem sei die Quote der Sitzenbleiber um 15 Prozent gesunken.Im rot-rot regierten Berlin soll es das Sitzenbleiben an Gemeinschaftsschulen gar nicht mehr geben, auch die anderen Schulen können beantragen, darauf zu verzichten.

Noch aber scheuen sich die meisten Lehrer, dieses Sanktionsmittel ganz aus der Hand zu geben. Viele Pädagogen befürchten, dass sich undisziplinierte Schüler endgültig hängenlassen, wenn sie keinen Druck mehr verspüren, weil ihnen die Schmach des Sitzenbleibens selbst dann erspart bleibt, wenn sie sich überhaupt nicht mehr anstrengen. "Manche brauchen einen Warnschuss", sagt Josef Kraus, der Präsident des konservativen Deutschen Lehrerverbands.

Mehr Fleiß

Er hält das Problem des Sitzenbleibens auch in seiner quantitativen Dimension für "maßlos überschätzt". Sicher gebe es Jugendliche, die mit ein wenig mehr Fleiß das Sitzenbleiben noch abwenden könnten. Doch für Schüler, die gleich in fünf oder mehr Fächern mangelhafte Leistungen bringen, wäre auch eine reguläre Versetzung "total frustrierend", sagt Kraus.

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagt, das Sitzenbleiben ganz abzuschaffen, sei "wenig sinnvoll". Habe ein Schüler zu große Lücken, könne ein Wiederholer-Jahr nötig sein. Aber auch Spaenle will die Zahl senken, erste Erfolge sieht er bereits. In Bayern ist die Quote der Pflichtwiederholer an Realschulen von 4,8 Prozent im Jahr 2000/01 auf nun drei Prozent gesunken, an Gymnasien von 3,1 auf 1,7 Prozent. Die Werte klingen niedrig - bezogen auf die gesamte Schullaufbahn ist das Risiko, sitzenzubleiben, aber noch immer hoch. Der Experte Klaus Klemm verweist auf Daten aus der Pisa-Studie: Mehr als jeder fünfte 15-Jährige hat demnach schon einmal eine Klasse wiederholen müssen.

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  1. Die Klassenfrage
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(SZ vom 3.9.2009/bön)