Sick-Building-Syndrom Wenn das Büro krank macht

Sick Building Syndrom: Bürogebäude können krank machen

(Foto: dpa)

Trockene Augen, Dauerschnupfen, Kopfschmerzen: Fast ein Drittel der Büroangestellten klagt über Symptome des Sick-Building-Syndroms. Oft gilt die Klimaanlage als Auslöser.

Von Karin Janker

Die Augen brennen, die Nase läuft, der Schädel brummt. Seitdem die Belegschaft des Unternehmens in ein neues, modernes Bürogebäude umgezogen ist, klagen auffällig viele Mitarbeiter über solche Beschwerden. "Die Klimaanlage ist schuld", sind sich die meisten einig. Also gehen sie zum Betriebsarzt, beschweren sich beim Betriebsrat - so lange, bis die Firmenleitung eine Begehung des Gebäudes und später eine Messung durch einen externen Ingenieur veranlasst. Der soll herausfinden: Macht das Gebäude die Mitarbeiter krank?

Das Sick-Building-Syndrom (SBS), eine gebäudebezogene Gesundheitsstörung, spielt in der Arbeitswelt eine immer größere Rolle. Schätzungen des Hauptverbands der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) zufolge leiden in den Industrieländern bis zu 30 Prozent der Büroangestellten unter SBS, der wirtschaftliche Verlust dadurch gehe in die Milliarden. Zu den typischen Symptomen zählen neben Augen- und Schleimhautreizungen sowie Kopfschmerzen auch Konzentrationsschwäche, Hautirritationen, Husten und Schwindel. Weil diese Beschwerden aber auch bei der Gesamtbevölkerung auftreten können, ist es schwierig, SBS eindeutig zu diagnostizieren. Üblicherweise spricht man von SBS, wenn mindestens 20 Prozent einer Belegschaft Symptome haben und sich diese nach Verlassen des Gebäudes mindern.

Wolfram Neumann, Leiter des messtechnischen Dienstes der Unfallkasse Post und Telekom, spricht von einem Negativ-Trend, der auch damit zusammenhänge, dass wir uns heute den Großteil unserer Zeit innerhalb von Gebäuden aufhalten und Büroarbeit immer mehr zunimmt. Schätzungen zufolge befinden wir uns durchschnittlich mehr als 90 Prozent des Tages innerhalb von geschlossenen Räumen. Neumann hat bei seiner Arbeit immer häufiger mit Fällen von Sick-Building-Syndrom zu tun. Wenn der Verdacht besteht, führt er Messungen in Bürogebäuden durch, um den Ursachen auf die Spur zu kommen und eine Belastung durch Giftstoffe ausschließen zu können. "Manchmal kommen Mitarbeiter am Montagmorgen ins Büro und stellen fest, hier stinkt es", sagt Neumann. Dieser Geruch werde als krankmachend empfunden und kann dann tatsächlich SBS-Symptome auslösen.

Die Luft in klimatisierten Räumen ist oft sogar besser

Ausdünstungen beispielsweise von Möbeln, Teppichböden oder Bürogeräten gelten als eine der Ursachen für das SBS. Neben chemischen Substanzen können aber auch biologische Stoffe wie Schimmel oder Staub die Symptome auslösen. Besonders häufig wird SBS allerdings in Zusammenhang mit Klimaanlagen gebracht. "Wenn eine Belegschaft von einem Haus mit Fensterlüftung in ein Gebäude mit Klimaanlage umzieht, kann man eigentlich vorhersagen, dass bei einigen Mitarbeitern SBS auftreten wird", sagt Dennis Nowak, Leiter des Instituts für Arbeits- und Umweltmedizin an der Universitätsklinik der LMU München.

Tatsächlich aber ergeben Messungen, dass die Luft in klimatisierten Räumen nach objektiven Kriterien meistens sogar besser ist: Weniger Schadstoffe, weniger trocken, weniger stickig. Die interdisziplinäre ProKlima-Studie, eine der weltweit umfassendsten SBS-Studien, hat den Zusammenhang zwischen Klimaanlage und SBS untersucht: Selbst wenn die Klimaanlage optimal eingestellt sei und häufig Temperatur und Luftfeuchtigkeit besser regle als die konventionelle Fensterlüftung, klagen Mitarbeiter über zu trockene Luft.

Tunga Salthammer, Experte für Innenlufthygiene am Fraunhofer-Institut in Braunschweig, vermutet, dass für das schlechte Image der Klimaanlage vor allem eine oftmals schlechte Wartung verantwortlich ist. "Wenn Wartung und Regelung der Anlage nicht gut sind, kann sie tatsächlich Keime in die Luft blasen", sagt Salthammer. Gerade an der Wartung würden viele Firmen aber sparen. Die Beschwerderate liegt der ProKlima-Studie zufolge in klimatisierten Räumen 15 Prozent höher als in natürlich belüfteten Gebäuden. "Ein Grund dafür ist der Verlust an Autonomie, das Gefühl, dass man keinen Einfluss mehr auf das Raumklima ausüben kann", erläutert Mediziner Nowak.