Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz Sexismus gegenüber Männern

"Nicht anfassen": Teilnehmerin des "Slutwalk" in München.

(Foto: Cathreina Hess)

Laut AGG ist der Arbeitgeber verpflichtet, seine Beschäftigten vor Belästigungen sexueller Art zu schützen. In Betracht kommen je nach Schwere des Vorfalls eine Abmahnung, eine Versetzung oder auch die Kündigung. Doch auch wenn die Gerichte sehr häufig zugunsten der Frauen entscheiden: Noch immer müssen sie damit rechnen, sich hinterher den Vorwurf anhören zu müssen, sie hätten es doch "drauf angelegt".

Auch solche Fälle gibt es. Frauen, denen man raten würde, die Netzstrümpfe doch besser für den privaten Opernbesuch und das seidene Spaghetti-Top für den Teil danach aufzuheben. Die genauso gut hätten gehen können, abends nach dem zweiten Drink an der Bar, aber doch bis zum Schluss geblieben sind. Manche genießen es ein bisschen zu sehr, dass der mächtige Mann ihnen gegenüber plötzlich auftaut und vertraulich wird. Wenn Frauen ihre Erotik bewusst einsetzen, haben auch sie Macht. Einige wenige tun es so offensiv, dass es auch schon wieder sexuelle Belästigung ist - von Männern.

Der Arbeitsplatz darf kein freudloser Raum werden

Können die Geschlechter noch entspannt miteinander umgehen, wenn sie all dies beachten? Will man das überhaupt: in einer Welt leben, in der jeder harmlose Flirt der Professionalität, der Political Correctness weichen muss? Sollen Frauen etwa die Einheitskluft der Männer kopieren, um sich im Wortsinn weniger angreifbar zu machen? Und sollen Männer ihre charmante Seite verbergen, bei jedem Kolleginnen-Kontakt auf Abstand gehen?

Sicher nicht. Der Arbeitsplatz darf kein freudloser Raum werden. Je nach Umfrage lernen immerhin bis zu 30 Prozent aller Deutschen ihren Partner im Job kennen. Auch bei Gerhard Schröder und Doris Köpf war der Kontakt zunächst beruflich, auch da gab es ein großes Machtgefälle. Einer von beiden muss irgendwann den ersten Schritt gemacht haben, keiner von beiden fand das offenbar unpassend. Und genau da liegt der Unterschied: Zum Flirt gehören zwei, belästigt wird immer nur einer.

Männer werden sich in Zukunft auf allen Hierarchiestufen und in den allermeisten Berufen daran gewöhnen müssen, von mehr und ganz unterschiedlichen Frauen umgeben zu sein. Sie werden lernen müssen, die Sprache der Frauen zu interpretieren - gerade dann, wenn diese hierarchisch unter ihnen stehen. Frauen müssen noch stärker als bisher ausdrücken, wenn ihnen ein bestimmtes Verhalten unangenehm ist. Es geht darum, Grenzen zu setzen, sich selbst und anderen. Aber deshalb müssen wir nicht gleich verkrampfen.