Oralsex vor dem 18. Geburtstag
"Jungfrau - bringen Sie Ihren Kindern bei, dass das kein schmutziges Wort ist": Abstinenz-Kampagne in Baltimore. (© Foto: AP)
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Auch andere Zahlen deuten darauf hin, dass die Abstinenz-Kampagne wirkungslos ist: Laut einer Studie des National Center for Health Statistics haben 70 Prozent der US-Teenager vor ihrem 18. Geburtstag Oralsex, über 45 Prozent haben bis dahin mindestens einmal Geschlechtsverkehr. Und fast die Hälfte aller Neuinfektionen mit Geschlechtskrankheiten pro Jahr tritt bei Jugendlichen auf.
Diese Daten legen den Schluss nahe, dass "abstinence only" völlig an der Realität vorbeigeht. Amerikanische Jugendliche haben also Sex - aber offenbar keine Ahnung, wie er eigentlich funktioniert.
Kondome und russisches Roulette
Das könnte auch daran liegen, dass die Lehrbücher der Abstinenz-Kampagne den Jugendlichen nicht nur wichtige Fakten vorenthalten, sondern auch Falschinformationen verbreiten. Eine Analyse von 13 in Highschools angewendeten Abstinenz-Programmen im Auftrag des Kongresses, der sogenannte Waxman-Report, ergab Haarsträubendes: In den Programmen mit Titeln wie "Wait Training" ("Wie man das Warten lernt") oder "Managing Pressure before Marriage ("Mit Druck vor der Hochzeit umgehen") wird der Einsatz von Kondomen mit russischem Roulette verglichen. Einige Autoren behaupten, Kondome schützten nicht vor Geschlechtskrankheiten und nur unzureichend vor Schwangerschaften, HIV werde durch Tränen und Schweiß übertragen und schon das bloße Berühren von Genitalien könne zur Schwangerschaft führen.
Auch die in den Büchern propagierten Rollenmodelle sind nicht ganz auf dem neuesten Stand: Mal heißt es, Männer seien aggressiv, ihnen fehle die Fähigkeit zu tiefen Emotionen. Ein anderes Buch lehrt, dass Frauen "finanzielle Unterstützung" benötigten, dagegen bräuchten Männer "Bewunderung". "Frauen messen ihr Glück und ihren Erfolg an ihren Beziehungen. Glück und Erfolg der Männer dagegen hängen von ihren Leistungen ab", heißt es da. Und: "Während ein Mann nur wenig oder kein Vorspiel zum Geschlechtsverkehr braucht, benötigt eine Frau häufig Stunden emotionaler und mentaler Vorbereitung."
Einige US-Politiker sehen angesichts solcher Sätze christliche Fundamentalisten am Werk. "Das Abstinence-only-Programm der Bush-Regierung ist ein Beispiel für die verfehlte Gesundheitspolitik. Sie basiert nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auf Ideologie", erklärte der Gesundheitsbeauftragte des Staates New York, Richard F. Daines, als er entschied, die staatlichen Fördermittel abzulehnen.
"Angesichts dieser völlig absurden Sexualerziehung fehlt den Teenagern das nötige Rüstzeug", sagt Sebastian Kempf. Der Sozialpädagoge, der im sexualpädagogischen Team von Pro Familia München arbeitet, kennt die amerikanische Sexualerziehung aus eigener Anschauung: Er hat einige Monate bei der Organisation "Planned Parenthood", die in den USA ähnliche Aufgaben wir Pro Familia in Deutschland übernimmt, gearbeitet.
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Ich finde das klasse und hoffe die Bevölkerung der USA bleibt am vesten ihr Leben lang enthaltsam, dann ist der Planet diese unkultivierte Völkchen endlich lost. ;)
Es ist doch interessant zu sehen wie diejenigen die aus Glaubensgründen die Aufklärung über sexuelle Mechanismen ablehnen auf rationale Verhaltensweisen setzen.
In einer Situation in der die Jugendlichen gerade NICHT rational handeln.
Ist es da ein Zufall, dass die Evangelikalen vor allem einen strafenden, allmächtigen Gott vermitteln? Vor dem man Angst haben muss?
Angst ist Teil der Strategie, mit Angst hat man Macht ...
Die Zerstörung von Zukunftschancen mindert ja nicht den eigenen Einfluss ...
Irgendwie beängstigend, wie eine der mächtigsten Nationen ihren Nachwuchs, also die künftigen Politiker, Soldaten, Journalisten, Polizisten, Eltern, Lehrer etc. erzieht. Ähnlich unfrei und ideologiebehaftet stelle ich mir die Erziehung der Kinder der Länder, deren Weltanschauung die USA bekämpfen, vor. Das läßt auf eine düstere Zukunft schließen.
Bin mal gespannt, was sich ändern wird, wenn Obama die Wahlen gewinnen sollte.
Sexualerziehung ist kein besonders beliebtes Thema, auch bei uns in Deutschland nicht. Die Scham darüber zu sprechen, lässt viele Verantwortlich allem zustimmen, was sie davon entbinden könnte.
Die Aufklärung durch meine Mutter bestand damals aus einem Satz (Vater hatte sich im Wohnzimmer verkrochen):
"Und Du bei Deiner Freundin bist, mach ja keinen Blödsinn!"
Im Bekanntenkreis wird von totschweigen bis frühe Frontalkonfrontation alles ausprobiert. Pädagogisch sinnvoll ist vermutlich was anderes.
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