Kondome sind wie Roulette, Tränen übertragen Aids: So will die Sexualerziehung in den USA Teenager zur Abstinenz erziehen. Trotzdem werden viele Mädchen schwanger. Prominentes Beispiel: Bristol Palin.
Wie gefährlich der Austausch von Körperflüssigkeiten sein kann, sollen amerikanische Lehrer nach Ansicht ihrer Regierung mit einem kleinen Spiel beweisen: Mädchen und Jungen einer Klasse stellen sich einander gegenüber, ein Pärchen steht ein wenig abseits. Jeder Schüler hält einen Pappbecher mit Wasser in der Hand, außen ist ein Stück schwarzes Klebeband angeheftet.
Die 17-jährige Bristol Palin mit ihrem Freund Levi und ihrer Mutter: Ihre Schwangerschaft sorgt für eine Diskussion über amerikanische Sexualerziehung. (© Foto: afp)
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Der Lehrer fordert die Schüler auf, einen Schluck aus ihrem Becher zu nehmen, damit zu gurgeln und das Wasser dann zurückzuspucken. Anschließend gießen alle Kinder von ihrem Becher ein wenig in den Becher jedes ihrer Klassenkameraden - nur das Pärchen, das abseits steht, bekommt nichts ab. Ihr Wasser ist rein, in den Bechern aller anderen schwimmt nun eine Brühe mit der Spucke aller.
Nun sollen die Schüler die schwarzen Klebebänder von ihren Bechern ziehen: "Syphilis", "Chlamydien", "HI-Virus", "Feigwarzen" steht darunter. Nur das abseits stehende Pärchen - die Enthaltsamen - bekommen eine gute Nachricht: "Glück gehabt, keine Krankheit". "Dadurch, dass ihr euer Wasser oder euren Körper mit so vielen teilt, geht ihr all diese Risiken ein." Mit diesen Worten sollte der Pädagoge den Unterricht abschließen. So sieht es der Lehrplan des Erziehungsprogramms "Creating Positive Relationships" vor, den zwei Sexualwissenschaftlerinnen im Auftrag des staatlichen Sexuality Information and Education Council analysierten.
Eine Milliarde Dollar für die moralische Erziehung
Abschreckung statt Aufklärung: In den USA zählen solche Unterrichtsmethoden zum Alltag in der Sexualerziehung. "Abstinence only", absolute Enthaltsamkeit, dazu sollen die Schulen anhalten. Wie der eigene Körper funktioniert, wie er sich in der Pubertät verändert, wie Jugendliche sicheren Geschlechtsverkehr haben können - all das lernen die meisten amerikanischen Teenager nicht im Unterricht.
Die Abstinenz-Kampagne beruht auf einem Bundesgesetz von 1996 und wird von der amerikanischen Regierung kräftig finanziert: In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich die moralische Erziehung ihrer Jugend über eine Milliarde Dollar kosten lassen. Bundesstaaten, die Schülern ein anderes Bild von Sexualität vermitteln möchten, bekommen keinen Cent. Im Jahr 2007 lehnten nur sieben der 50 Bundesstaaten die Fördermittel ab und gestalten die Lehrpläne nach eigenen Vorstellungen.
Zahlreiche Teenagerschwangerschaften
Alaska, Heimatstaat der republikanischen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, gehörte nicht dazu. Die Gouverneurin ist eine vehemente Befürworterin der Abstinence-only-Strategie, Sexualkunde und Aufklärung in der Schule lehnt sie strikt ab. In den Blickpunkt rückte diese Haltung, als die Kandidatin offenbarte, dass ihre erst 17-jährige Tochter Bristol im fünften Monat schwanger sei - und das Kind behalten werde. Energische Abtreibungsgegner sind die Palins natürlich auch.
Bristols Schwangerschaft offenbart das Problem, das mit dem Versuch der Erziehung zur Keuschheit einhergeht: Die USA sind trotz - oder wegen - ihrer Prüderie die westliche Industrienation mit den meisten Teenagerschwangerschaften. Im Jahr 2006 kamen hier laut offizieller Statistik auf 1000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren 41,9 Geburten, mehr als 80 Prozent dieser Schwangerschaften waren ungeplant. In Deutschland waren es nur 10,7 Geburten, in Kanada 13,4.
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Ich finde das klasse und hoffe die Bevölkerung der USA bleibt am vesten ihr Leben lang enthaltsam, dann ist der Planet diese unkultivierte Völkchen endlich lost. ;)
Es ist doch interessant zu sehen wie diejenigen die aus Glaubensgründen die Aufklärung über sexuelle Mechanismen ablehnen auf rationale Verhaltensweisen setzen.
In einer Situation in der die Jugendlichen gerade NICHT rational handeln.
Ist es da ein Zufall, dass die Evangelikalen vor allem einen strafenden, allmächtigen Gott vermitteln? Vor dem man Angst haben muss?
Angst ist Teil der Strategie, mit Angst hat man Macht ...
Die Zerstörung von Zukunftschancen mindert ja nicht den eigenen Einfluss ...
Irgendwie beängstigend, wie eine der mächtigsten Nationen ihren Nachwuchs, also die künftigen Politiker, Soldaten, Journalisten, Polizisten, Eltern, Lehrer etc. erzieht. Ähnlich unfrei und ideologiebehaftet stelle ich mir die Erziehung der Kinder der Länder, deren Weltanschauung die USA bekämpfen, vor. Das läßt auf eine düstere Zukunft schließen.
Bin mal gespannt, was sich ändern wird, wenn Obama die Wahlen gewinnen sollte.
Sexualerziehung ist kein besonders beliebtes Thema, auch bei uns in Deutschland nicht. Die Scham darüber zu sprechen, lässt viele Verantwortlich allem zustimmen, was sie davon entbinden könnte.
Die Aufklärung durch meine Mutter bestand damals aus einem Satz (Vater hatte sich im Wohnzimmer verkrochen):
"Und Du bei Deiner Freundin bist, mach ja keinen Blödsinn!"
Im Bekanntenkreis wird von totschweigen bis frühe Frontalkonfrontation alles ausprobiert. Pädagogisch sinnvoll ist vermutlich was anderes.
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