Lehrer
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Auf die Lehrer schimpfen alle. Sie stehen, wie die Schüler und wie die Eltern, unter gewaltigem Druck. Jede Grundschule in München und anderswo konkurriert um die besten Übertrittszahlen. In Maries dritter Klasse gibt es einen Vater, der alle Welt wissen lässt, er könne sich als Anwalt schon wehren gegen ungerechte Noten, die eigentlich nur das Ergebnis völlig inkompetenter Lehrer sein könnten. Arme Lehrer. Immer mit einem Fuß im Gefängnis.
Hausaufgaben
Arme Eltern. Ohne sie geht es nicht. Sie sind beim Ausflug zum Junior-Campus der BMW-Welt dabei, sie kommen mit, wenn in der zweiten Klasse der Igel durchgenommen wird und alle zusammen an den Stadtrand fahren, um dort eine Igel-Mama zu besuchen, die zahllose Igel über den Winter bringt in ihrem Haus. Es stinkt wie im Container.
Referate: Die würden ohne Google und Eltern gar nicht erst zustande kommen. Man sollte den Eltern Noten geben für ihre Referate über die Stadt im Mittelalter und das Wesen der Ameise. Für ihre Bereitschaft, den Wahnsinn der Rechtschreibreform zu ertragen, der auch in der Lehrerschaft Verwirrung stiftet, sollten Eltern Belobigungen und Fleißzettel erhalten. An einem Abend schließen sich vier Elternpaare zusammen, um in einer gemeinsamen Schaltkonferenz die neue Art der Subtraktion zu begreifen.
Wer keinen Internetanschluss hat, wer schlecht vernetzt ist im Freundeskreis und wer, weil er ein indischer Vater oder eine bosnische Mutter ist, die deutsche Sprache nicht perfekt beherrscht, tut sich schwer, seinem Kind zu helfen. Die Selektion fängt schon hier an, nicht erst beim Übertritt.
Klassenfahrt
Gibt es nicht. In vier Jahren hat die Gebeleschule es nicht geschafft, eine Klassenfahrt für Maries Klasse zu organisieren. Das aufregendste Ereignis ist eine Lesenacht in der Turnhalle, die ohne Eltern nicht zustande gekommen wäre. Ein Deal wäre: Früher gab es in der Grundschule auch keine Klassenfahrten - aber früher haben die Lehrer den Part übernommen, die Kinder mit Wissen und auch mit etwas Bildung auszustatten. Referate und Gegoogel von Eltern: überflüssig.
Übertritt
Der Übertritt hat die Form eines Damoklesschwertes, das an einem Rosshaar über dem Kopf des Grundschulkindes baumelt. Die Kinder würden es gar nicht sehen, haben dafür aber liebevolle Eltern, die ihre Kinder von der ersten Klasse an daran erinnern, dass, wer es nicht aufs Gymnasium schafft, quasi sein Lebensrecht verwirkt. Es gibt Eltern, die fangen bei der ersten "3" ihres Kindes an zu heulen. Marie macht es ihrem Vater leicht, sie hat gute Noten. Aber er würde sie auch gegen schlechte Noten verteidigen.
Auf der nächsten Seite: Vielleicht wäre es besser, man würde sein Kind ohne die eigenen Karrierehoffnungen und Globalisierungsängste in die Schule schicken.
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- Grundschule Der Klassenkampf 14.06.2007
Unser Kind hat den Schulbesuch seit drei Jahren hinter sich, und wir haben a) in seiner Grundschulzeit und b) in Hessen nahezu identische Erfahrungen gemacht wie Sie. Deshalb haben wir Ihren Artikel auch mit besonderer Freude gelesen.
Ihren Schluss, den Kindern mehr zu vertrauen, finden wir richtig, er setzt allerdings voraus, dass die Eltern auch sich selbst vertrauen. Denn wer das nicht macht, wird keinen Grund finden, seinem Kind zu vertrauen. Stattdessen ziehen die von Ihnen so trefflich beschriebenen Technik-Freaks, Golfer, Rechtsanwälte und Super-Mütter durch Elternabende, Sprechtage, Stammtische und sonstige Treffen, von denen man hinterher weiß, dass man sie besser gemieden hätte.
Ihnen und Ihrer Tochter wünsche ich eine entspannte Fortsetzung des Schulbesuchs. Und machen Sie sich darauf gefasst, dass das Umfeld mit jedem Jahr schlimmer wird.
Eine Anmerkung am Rande: Die Struktur Ihres Artikels in der Zeitung ist um Klassen besser als im Internet.