Im Container
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Maries Schule ist schön. So eine alte Schule, der man von weitem ansieht, wie es darin riecht. Dieser typische Geruch nach Linoleum und Angst vor schlechten Noten, den man nie wieder vergisst. Eine Schule ist es, wie sie in der "Feuerzangenbowle" beschrieben wird, also in dem Buch von Heinrich Spoerl, in dem es heißt: "Dieses Buch ist ein Loblied auf die Schule, aber es ist möglich, daß die Schule es nicht merkt."
Leider wird die Schule renoviert. Das dauert zwei Jahre. In dieser Zeit wird die 1e und noch die 2e in aufeinandergestapelten Baucontainern unterrichtet. Im Winter müssen die Kinder ihre Schuhe und Mützen, ja selbst die nassen, beschneiten Mäntel mit ins Klassenzimmer nehmen. Der Geruch ist unbeschreiblich. Es ist laut im Container. Man beschließt mit Hilfe der Eltern - als gemeinschaftliche Solidaraktion - gefärbte Eierkartons an die Decke zu nageln, damit die Akustik besser wird. Das wird auch gemacht. Nach anderthalb Jahren.
Hausschuhe
Die Kinder brauchen Hausschuhe. Wir werden brieflich davon unterrichtet, dass die Hausschuhe im Sommer nicht so warm sein sollen wie die im Winter. Schule ist viel Briefverkehr. Nicht alles davon scheint notwendig zu sein. Ansonsten braucht man viel Kleingeld. Es wird erhoben: Büchergeld, Klassenkassengeld, Ausflugsgeld, Kopiergeld - jeweils abgezählt in passenden Beträgen. Möglichst wenig Münzen. Später kommen Steckwürfel zum Rechnen, Vokabelkasten und in der vierten Klasse eine Wortscheibe dazu. Das alles kostet Geld. Wer sagt, dass die Schule aus Steuermitteln bezahlt wird?
Noten
"Die Zeugnisse der Jahrgangsstufen 1 und 2 enthalten keine Ziffernnoten, sondern einen Bericht über Sozial-, Lern- und Leistungsverhalten des Kindes." Sagt das Kultusministerium. Marie wird am 28. Juli 2006 attestiert, dass sie liebenswürdig, friedfertig, umgänglich und umsichtig sei. Berichte über das Leistungsverhalten gibt es nur zwei Mal im Jahr - zum Zwischen- und Jahreszeugnis. Statt Noten gibt es deshalb zum Beispiel Smileys. Solche mit herabgezogenen Mundwinkeln (Note 6 oder 5), geradem Mund, lachendem Mund oder sogar mit Krone. Die Kinder sagen jetzt nicht mehr "Was hast du? Ich hab eine Eins." Sondern sie sagen: "Ich hab eine Krone." Großer Fortschritt.
An Gesprächen, lese ich über meine Tochter, beteilige sie sich selbstbewusst und sprachlich sicher. Na bitte. In der Zeitung lesen wir, dass noch nie zuvor so viele Eltern so viele Kinder als "hochbegabt" eingeschätzt hätten. An anderer Stelle ist zu lesen, dass die Rate der Hochbegabten seit Jahrzehnten stagniere. Wer je mit anderen Eltern Hausaufgaben besprochen hat, weiß die Differenz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung zu deuten. Aus "Zu Sachsituationen konnte sie den richtigen Rechenweg finden" wird dann sehr schnell ein: "Offenbar ein Mathe-Genie". Eltern mit übergroßem Ehrgeiz: ein übergroßes Schulproblem.
Auf der nächsten Seite: Für ihre Bereitschaft, den Wahnsinn der Rechtschreibreform zu ertragen, der auch in der Lehrerschaft Verwirrung stiftet, sollten Eltern Belobigungen und Fleißzettel erhalten.
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Debatte über Urheberrecht
Unser Kind hat den Schulbesuch seit drei Jahren hinter sich, und wir haben a) in seiner Grundschulzeit und b) in Hessen nahezu identische Erfahrungen gemacht wie Sie. Deshalb haben wir Ihren Artikel auch mit besonderer Freude gelesen.
Ihren Schluss, den Kindern mehr zu vertrauen, finden wir richtig, er setzt allerdings voraus, dass die Eltern auch sich selbst vertrauen. Denn wer das nicht macht, wird keinen Grund finden, seinem Kind zu vertrauen. Stattdessen ziehen die von Ihnen so trefflich beschriebenen Technik-Freaks, Golfer, Rechtsanwälte und Super-Mütter durch Elternabende, Sprechtage, Stammtische und sonstige Treffen, von denen man hinterher weiß, dass man sie besser gemieden hätte.
Ihnen und Ihrer Tochter wünsche ich eine entspannte Fortsetzung des Schulbesuchs. Und machen Sie sich darauf gefasst, dass das Umfeld mit jedem Jahr schlimmer wird.
Eine Anmerkung am Rande: Die Struktur Ihres Artikels in der Zeitung ist um Klassen besser als im Internet.