Selbständige Mit vollem Risiko

90.000 Menschen in Deutschland sind nicht krankenversichert, Betroffen sind vor allem Selbständige. Wenn sie erkranken, haben sie ein echtes Problem - so wie Susanne Schmidt.

Von S. Knoppik

Zusammen mit ein paar anderen Kreativen hatte sich Susanne Schmidt (Name geändert) selbständig gemacht. Das Unternehmen scheiterte schon nach kurzer Zeit. Eine Krankenversicherung hatte die Mitzwanzigerin nicht abgeschlossen. Und so hatte sie ein echtes Problem, als sie plötzlich von Sehstörungen und starken Kopfschmerzen geplagt wurde.

In ihrer Not wandte sie sich an die "Malteser Migranten Medizin" in Stuttgart. Dort half man ihr, schickte sie zu Spezialisten. Anders als der Name vermuten lässt, werden in der "Migranten Medizin" nicht nur Ausländer behandelt, sondern auch viele Deutsche, die keine Chipkarte vorlegen können.

Wachsender Bedarf

Eigentlich gibt es hierzulande inzwischen eine Pflicht zur Krankenversicherung. In der privaten Krankenversicherung (PKV) seit Jahresanfang, in der gesetzlichen Versicherung (GKV) bereits seit 1. April 2007. Doch davon merken Alexander Baur und seine Kollegen von der "Malteser Migranten Medizin" in Stuttgart nichts. "Der Bedarf für unsere Angebot ist nach wie vor da", sagt Baur. Jede Woche kämen etwa vier Patienten ohne Versicherung in die Sprechstunde. In zehn Großstädten unterhalten die Malteser inzwischen solche Praxen.

Eine aktuelle Studie der Hochschule Fulda und der Universität Duisburg-Essen zeigt, dass zwar zwischen April 2007 und September 2008 etwa 120.000 zuvor Nichtversicherte nun einen Versicherungsschutz haben. Dennoch sind immer noch etwa 90.000 Menschen in Deutschland ohne Versicherungsschutz. "Ein erheblicher Anteil davon sind kleine Selbständige", sagt Stefan Greß, einer der Autoren der Studie. Kreative wie Susanne Schmidt sind darunter, aber auch Gaststättenbetreiber oder Kiosk-Besitzer.

Teurer Basistarif

Nach Angaben von Greß gibt es vor allem zwei Hürden, die immer noch viele Menschen davon abhalten, Mitglied einer Krankenkasse zu werden: Zum einen sei der neue Basistarif in der privaten Krankenversicherung verhältnismäßig hoch. Zum anderen müssen in der gesetzlichen Krankenversicherung grundsätzlich die Beiträge seit Einführung der Versicherungspflicht nachgezahlt werden, also seit dem 1. April 2007.

"Wer jetzt noch nicht versichert ist, steht wirklich schlecht da", sagt Dörte Elß, Expertin für Krankenversicherungen bei der Verbraucherzentrale Berlin. Der Gesetzgeber hat genau festgelegt, für wen welches Versicherungssystem zuständig ist. Während sich die meisten Selbständigen - mit Ausnahmen - bei einer privaten Versicherung anmelden müssen, sind für fast alle anderen die gesetzlichen Kassen zuständig.

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