Hinter den Gründungen aus Not stehen, im Gegensatz zu klassischen Ideen- motivierten Gründungen, seltener Innovationen, die bald Gewinne und neue Arbeitsplätze versprechen. Positive wirtschaftliche Effekte sieht Wirtschaftsgeograph Sternberg deshalb nur bei wachstumsstarken und wissensintensiven Start-ups, wie sie vor allem bei Hochqualifizierten zu finden seien.

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Er wollte es so

Szugat fühlte sich nicht zur Selbständigkeit genötigt. Er wollte es einfach so, schon lange. "Als Schüler habe ich auf Baustellen gearbeitet und Fliesen rausgehauen - ziemlich blöde Jobs. Dann hab' ich gesehen, dass sich mit dem Computer auch Geld verdienen lässt." Und das am besten selbständig. "Wenn ich schon 16 Stunden arbeite, dann für mich."

Die Idee zu Snipclip stammt von einem Bekannten Szugats. Die Pläne dazu hat er noch an der Uni ausgearbeitet. "Eine Idee allein ist nichts wert. Es zählt das Konzept und vor allem die Umsetzung." Das sieht so aus: Die Sammelalben sind über Facebook zu finden, ein Online-Netzwerk. Die User können dort ganz einfach Kontakte zu anderen Sammlern oder potentiellen Sammlern in ihrem Freundeskreis knüpfen und doppelte Bilder tauschen. Ganz nebenbei übernehmen sie so die Werbung für die Alben und die für Unternehmen schwierige Suche nach der Zielgruppe.

Zahlen mit Muscheln

Gezahlt wird für die Bilder mit einer virtuellen Währung. Für das Album zum neuen Kinofilm "Unsere Ozeane" zum Beispiel in Muscheln. Wie man an das imaginäre Geld kommt, können sich die werbenden Firmenkunden aussuchen: Die User können es zum Beispiel in Online-Spielen oder über Gewinncodes sammeln, die sie auf Webseiten suchen müssen.

Ob in Zukunft mehr oder weniger Leute die Selbständigkeit wagen, hängt einerseits von der Finanzierung ab. Szugat wünscht sich mehr risikofreudige Business Angels - Menschen, die in junge Firmen investieren und ihnen mit Know-how helfen. Beim Softwarehersteller Microsoft, der Gründer wie Szugat unterstützt, plädiert man außerdem für öffentliche Kreditfinanzierung, Gründungsbürgschaften und mehr steuerliche Anreize und Förderprogramme. Wirtschaftsgeograph Sternberg dagegen hält zumindest die Menge der politischen Hilfen für ausreichend: "Es ist nicht mehr Quantität, sondern mehr Qualität, Kreativität und eine bessere Koordinierung zwischen den öffentlichen Programmen zur Gründungsförderung bei Bund, Ländern und Kommunen gefragt."

Pflicht der Schulen

Neben der Finanzierung spielen aber auch weiche Faktoren eine große Rolle im Gründungsgeschehen, wie Sternberg sagt. Ein Beispiel: Viele Deutsche glaubten, nicht über das Wissen für eine Gründung zu verfügen. "Wenn man in der Schule ein bisschen wirtschaftliches Denken vermitteln und Selbständigkeit als seriöse Alternative zur abhängigen Erwerbsarbeit darstellen würde, wäre schon viel gewonnen."

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(SZ vom 06.03.2010/holz)