Geringer Einfluss des Elternhauses
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Ein eindeutiges Votum für oder gegen sechs Jahre Grundschule in Deutschland sei derzeit wissenschaftlich nicht möglich, betonen sowohl Jürgen Baumert als auch Olaf Köller. Es handle sich um eine politische Frage. Baumert ist Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, Köller leitet das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Was man aus vorliegenden Studien aber weiß: Empfehlungen und Entscheidungen zum Übertritt nach der vierten Klasse sind sehr fehleranfällig. Migranten und Kinder aus (bildungs-)armen Familien haben es selbst bei gleichen Fähigkeiten schwerer, auf ein Gymnasium zu kommen, als ihre Mitschüler. Dies könnte jedoch auch nach sechs Jahren Grundschule noch so sein.
Aus den Pisa-Studien weiß man außerdem, dass in Berlin und Brandenburg, wo die Grundschulzeit sechs Jahre beträgt, der Einfluss des Elternhauses auf die Schulleistungen der 15-Jährigen geringer ist als in anderen Bundesländern. Dies deutet auf ausgleichende Effekte der Grundschule hin. Die durchschnittlichen Leistungen in Berlin und Brandenburg sind dafür jedoch auch viel schlechter als etwa in Bayern oder Sachsen.
Staaten wie die Schweiz, Finnland oder Kanada wiederum zeigen, dass Schulen, in denen alle Kinder sechs Jahre oder noch länger zusammenbleiben, durchaus zu sehr guten oder sogar exzellenten Leistungen führen können. Als Schlüssel dafür gelten eine hohe Professionalität der Lehrer und Unterrichtsmodelle, die sowohl die Starken als auch die Schwachen besonders fördern. Genau darin sehen Schulexperten noch große Defizite in Deutschland.
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- Schulreform Die Wahl zwischen zwei Welten 21.04.2008
- Schulreform in Hamburg Sechs Jahre für alle 21.04.2008
- Sechsjährige Grundschule in Hamburg "Quelle sozialer Ungleichheit" 18.04.2008
- Integration Angst vor dem deutschen Schulsystem 27.02.2008
- Grundschulen Mangelware Mann 08.03.2008
(SZ vom 21.4.2008/bön)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Natürlich war meine Folgerung ironisch gemeint, nur dass die Träger der staatlichen Schulen immer wieder dem Irrtum unterliegen, man könne diese Tatsache mit irgendwelchen Tricks außer Kraft setzen. Der Glaube an das Perpetuum mobile ist anscheinend nicht auszurotten.
Was bei dieser Trickserei am Ende sowohl die niemals veröffentlichten Kosten in die Höhe treibt und sich außerdem negativ auf die Qualität der Schule auswirkt, sind die Kollateralschäden der regelmäßigen 'Reformen'. Da sind Gebäude eigentlich zu klein oder zu schlecht ausgestattet, was schließlich zu großen Klassen in ungeeigneten Räumen, zu laufendem Standortwechsel der Lehrer (mal eben in der 5-Minuten-Pause ein paar Kilometer zum anderen Standort) und ähnlichen Erscheinungen führt. Hauptsache, die Statistik stimmt (100% Lehrerversorgung, kein Unterrichtsausfall).
Frau K., ich denke, dass Eltern generell die beste Erziehung fuer ihre Kinder wollen, ist eigentlich normal.
Von daher sehe ich Privatschulen etc. zwar nicht unkritisch, aber diese Selektion doch irgendwo als nachvollziehbar an.
Und ich kenne durchaus auch in Deutschland Familien, in denen ein laengerer Schulweg in Kauf genommen wird, wenn die weiter entferntere Schule einen -warum auch immer- besseren Ruf hat. (Dies ist natuerlich in staedtischem Millieu einfacher als auf dem Land, wo die Wahl ohnehin stark begrenzt ist.)
Jedoch ist die fruehe Auswahl in Deutschland eben vom System her gelenkt und von daher problematisch.
In diesem Sinne finde ich auch die Ergebnisse der im Artikel genannten Studie fragwuerdig, denn wenn Eltern geziehlt Gymnasien suchen, die ihre Kinder "frueher als Normal" aufnehmen, zeugt dies schon von einem starken Elternengagement auf Bildungsebene, was sich wahrscheinlich auch in den Leistungen der Kinder wiederspiegelt.
WilmaHorst: "Folgerung: Ohne gute finanzielle Ausstattung ist eben keine gute Schule zu machen - außer an staatlichen."
-Sie meinen also, staatliche Schulen kommen gut ohne grosses Budget aus?
Und was genau sind Amateurdenker und wie unterscheiden die sich von Ihnen? Wie qualifiziert man sich als Profidenker?
Was ist denn eigentlich so toll an diesem dreigliedrigen Schulsystem?
Wieder und wieder liest man die Behauptung, nur in Deutschland und Österreich würden Kinder frühzeitig getrennt. Dabei wird ausgeblendet:
- in Staaten wie den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Spanien, Italien schickt das
gehobene Bürgertum seine Kinder bevorzugt auf (zumeist katholische) Privatschulen
- vom Privatschulwesen in England gar nicht zu reden
- in französischen Großstädten verstärkt die unterschiedliche Qualität der öffentlichen
Schulen die soziale Entmischung der Wohnviertel: das nicht-gehobene Bürgertum zieht
weg aus Vierteln, in denen die Schule überwiegend von EInwanderkindern besucht
wird
- in Osteuropa gibt es eine lange Tradition der Begabtenförderung in Spezialschulen
Die Perversion fängt damit an, dass einem Erstklässler eine Benotung verweigert wird, obwohl Kinder auch in diesem Alter wissen möchten, inwieweit sich ihr Einsatz - positiv wie negativ - auswirkt. Dann werden in PISA Äpfel mit Birnen (z.B. finnische Intensivschule mit südkoreanischer Paukschule) verglichen, um als nicht-logischste Konsequenz alten ideologischen Kaffee aufzuwärmen statt den Problemen auf den Grund zu gehen. Bei reduzierter mentaler Starthilfe aus dem Elternhaus werden aus rein finanziellen Gründen mal so eben die Lerngruppen vergrößert. Daneben wird auch aus rein finanziellen Gründen die Zeit bis zum Abitur um ein Jahr verkürzt.
Zwischendurch treten auch noch einige Amateurdenker auf und verlängern die Kuschelecke um zwei Jahre. Bei manchen dieser Amateurdenker ist es interessant, wo diese ihre eigenen Kinder zur Schule schicken - seltsamerweise findet man da häufig die ach so bösen Schulen in privater Trägerschaft, möglichst schön dreigliedrig ausgerichtet.
Folgerung: Ohne gute finanzielle Ausstattung ist eben keine gute Schule zu machen - außer an staatlichen.
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