Ein Kongress an der Universität Marburg empört Studenten, Professoren - und Schwule: Denn einige Teilnehmer wollen Homosexuelle umpolen.
Nur bei genauerem Hinsehen findet man einen Hinweis darauf, worum es in diesen Tagen geht an der Universität Marburg. "Fight homophobia" hat jemand mit blauem Stift auf eine weiße Wand geschrieben, dort, wo die Treppe hinaufführt zum Audimax. Hier und in der Stadthalle, gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite gelegen, findet der "6. Internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge" statt, um den es zuletzt so viel Aufregung gegeben hat. Am Mittwochnachmittag wurde er eröffnet, zunächst ohne Störungen. Am Donnerstag demonstrierten nach Polizeiangaben 1000 Menschen gegen die Tagung; die Demonstration verlief laut Polizei friedlich.
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Schwules Pärchen: 1000 Menschen demonstrierten gegen den Kongress in Marburg. (© Foto: ddp)
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Das Thema des fünftägigen Kongresses lautet "Identität - der rote Faden in meinem Leben", Veranstalter ist die Akademie für Psychiatrie und Seelsorge, ein Verein mit evangelikalem Umfeld. Die Proteste beziehen sich vornehmlich auf zwei von insgesamt mehr als 120 Referenten. Nach Darstellung der Kongressgegner propagieren sie die "Umpolung" von Homosexuellen - vom "Homoheiler-Kongress" war die Rede. Unbestritten ist, dass die beiden Redner Therapie als eine Möglichkeit sehen, von einer homosexuellen zu einer heterosexuellen Orientierung zu kommen oder homosexuelle Empfindungen zumindest zu vermindern.
"Symbol der rechtskonservativen Meinungsmache"
Im Vorfeld des Kongresses waren in Marburg unter anderem christliche Einrichtungen beschmiert worden. Im Demonstrationsaufruf eines Bündnisses mit dem Namen "Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus" hatte es geheißen: "Wir wollen den Kongress in seiner Gesamtheit verhindern und ihn als Symbol der rechtskonservativen Meinungsmache bekämpfen." Eine Sprecherin des Bündnisses sagte, es sei ein Skandal, dass die Stadt und Universität Marburg eine Bühne böten für solch einen Kongress.
Martin Grabe, Vorsitzender der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, sagte, dass der Protest inhaltlich völlig am Kongress vorbeigehe. "Wir sind entschieden gegen Homophobie", erklärte er. Die kritisierten Referenten hätten sich öffentlich von schwulenfeindlichen Meinungen oder "Umpolungs-Befürwortern" abgegrenzt. In Wahrheit wende sich der Protest nicht gegen die Kongressinhalte, sondern gegen evangelikale Christen und ihre Art der Lebensführung, sagte Grabe.
- Umstrittener Kongress in Marburg "Homoheiler" im Hörsaal 29.04.2009
- Diskriminierung Coming Out am Arbeitsplatz 16.08.2008
- Blutspenden von Homosexuellen Böses Blut 23.02.2009
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- Weltweit verfolgt: Homosexuelle Tödliche Küsse 16.01.2009
(SZ vom 22.5.2009/bön)
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Wo ist der Aufreger versteckt? Es geht hier doch nur darum, ob und wie man Menschen die homosexuelle Gefühle haben, diese aber für sich nicht wünschen und auch darunter leiden, eventuell von diesen Gefühlen befreien kann. Daran ist doch nichts Übles. Niemand soll gegen seinen Willen "geheilt" werden, aber im Einklang mit seinem erklärten Willen behandelt werden.
Toleranz ist doch keine Einbahnstraße!
Herzlichen Dank für Ihre Reaktion auf meinen Beitrag!
Jedoch bin ich nicht zuständig dafür, mit welchen Mustern Sie sich Ihre Vorstellungswelt austapezieren.
Denn erstens habe ich mit keinem Wort die Moralvorstellungen der katholischen Kirche gutgeheißen - und zweitens ebenso mit keinem Wort Homosexualität der Unmoral geziehen!
Was die Machtausübungen der katholischen Kirche angeht, so rennen Sie sogar offene Türen bei mir ein, weil es sich dort, genau so wie ich es beschrieben habe, nicht um menschliche Freiheit, sondern um "MORAL"-SATZUNGEN handelt.
Und wo ich von einem "mosaischen Gesetz" etwas geäußert haben soll, bleibt mir und jedem lesenden Leser wohl weiterhin ein Rätsel. Woher Sie das nehmen bleibt wohl Ihr Geheimnis.
Ich ahne ansatzsweise die Intention Ihrer Antwort, doch haben Sie sich wahrlich vergriffen, dazu meinen Beitrag als Projektionsfläche auszuwählen.
Um die Buskampagne zu zitieren:
"Gottlos glücklich! Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben."
Warum die SZ denn nicht mal darüber, wieso die Buskampagne in vielen Großstädten (so auch München) nicht stattfinden darf?
Trotz des säkularen Staates, der im Grundgesetz verankert ist, müssen wir immer noch die Tyrannei der christlichen Kirchen erdulden. Die findet halt jetzt nicht mehr auf der Kanzel, sondern in Gremien und Ausschüßen statt, wo trotz säkularer Grundordnung Pfaffen immer noch mitreden dürfen.
Zitat" Es wird wohl auch nicht mehr lange dauern, bis man Menschen, die von Moral reden, zu heilen versuchen wird, weil nur noch Satzungen gelten werden und keine individuelle Freiheit. Dann wird man Menschen auf Satzungskonformität hin prüfen in ihrem Verhalten - und die Wahrheit wird dann zu einer demoskopischen Größe verkommen." Zitatende.
Hm, eine Zeit, in der nur die Regeln der römisch-katholischen Kirche galten und individuelle Freiheit ein Fremdwort war, hatten wir schon einmal. Da wurden dann alle diejenigen, die nicht mit den Moralvorstellungen etc. der r.k. Kirche übereinstimmten ganz schnell vor ein Inquisitionstribunal gezerrt und anschließend verbrannt.
Im übrigen: Ihre Unterstellung, daß Homosexualität = Unmoral ist, finde ich nun zutiefst unmoralisch. Eine lesbische Frau und eine homosexueller Mann sind von Gott nach seinem Ebenbild erschaffen wurden. Er hat ihnen die Fähigkeit geschenkt, einen Menschen gleichen Geschlechts zu lieben und eine Beziehung mit ihm einzugehen. Wo ist da Ihr Problem? (Das Kirchenrecht lassen Sie da bitte aus dem Spiel, ein Hinweis auf des Kirchenrecht ersetzt noch keine Sinndebatte).
Und das mosaische Gesetz können Sie auch aus dem Spiel lassen: 1. Hält sich die r.k. Kirche auch sonst nicht unbedingt daran (siehe Position zur Eheschiedung und zu Verhütungsmitteln, die ja nach dem Tora- Recht gestattet sind und 2. inzwischen ordinieren sowohl die Reformbewegung, die Rekonstruktionistische Bewegung Lesben und Schwule zu Rabbinerinnen und Rabbinern. Seit 2007 werden auch am JTS in New York (das Rabbinerseminar der konservativen Bewegung) ebenfalls Lesben und Schwule zum Rabbinatsstudium zugelassen.
SIE FRAGEN: "Gibt es eigentlich schon eine Heilung von Religion?"
DIE ANTWORT: Ja, denn wenn man genau hinsieht, zeichnet sich nämlich schon lange die Tendenz ab, Spiritualität durch ach so neunmalkluge materialistische Wissenschaften zu therapieren und ein geistig-spirituelles orientiertes Denkgemüt für abnorm zu erklären! Die subtile Umerziehung findet schon heute in jedem Feuilleton statt - und die Prävention findet per Konditionierungen ebenso schon in Bezug auf die junge und jüngste Generation in Schulen und Kitas statt. - (Bublat, Yogeshwar und Consorten lassen grüßen.)
Und genau diese Tendenz ist subtil auch im vorliegen Fall am Werk.
Es wird wohl auch nicht mehr lange dauern, bis man Menschen, die von Moral reden, zu heilen versuchen wird, weil nur noch Satzungen gelten werden und keine individuelle Freiheit. Dann wird man Menschen auf Satzungskonformität hin prüfen in ihrem Verhalten - und die Wahrheit wird dann zu einer demoskopischen Größe verkommen.
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