Leserkommentare
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Arbeiten Sie in Schweden oder möchten Sie dies gerne tun? Schreiben Sie uns Ihre Tipps und Erfahrungen unter karriere-online@sueddeutsche.de.
Wir werden sie an dieser Stelle veröffentlichen.
Name: Christiane KnorrWohnort: VästeraseMail: christiane_knorr@hotmail.com
Kommentar vom 26.11.2002:Wir leben seit zwei Jahren in Västeras, etwa 100 km westlich von Stockholm, mein Mann durch einen internen Wechsel in seiner Firma und wir als "mitreisende" Familie mit zwei kleinen Kindern.
Hier in der Provinz (immerhin die 6.grösste Stadt in Schweden) sind die Hauspreise niedrig, die Kinderbetreuung fantastisch und wir genießen alle Vorteile dieses freundlichen, wunderschönen Landes. Besonders fällt mir immer das große Interesse und die Offenheit der Schweden gegenüber Deutschen auf, das ich in den meisten europäischen Ländern noch nie erlebt habe.
Natürlich kommt man mit Englisch weitgehend aus, aber der Schlüssel zu Land, Kultur und Bevölkerung ist auf jeden Fall die Landessprache, für die Kinder ist es sowieso unumgänglich. Ich habe durch mehrere Sprachkurse Schwedisch gelernt und bin auf der Suche nach einer Stelle, was nicht ganz einfach ist da auch in Schweden schlechtere Zeiten anbrechen, zumindest in gewissen Bereichen. Mein Mann bekommt ein für Schweden ungewöhnlich hohes Gehalt, die meisten uns bekannten Familien haben zwei Einkommen da auch Berufe wie Arzt, Hochschullehrer oder Ingenieur "schlecht" bezahlt werden.
Wenn man ohne Hochprozentiges auskommt (oder aus D mitbringt), kein Problem mit dem Gesellschaftsbegriff der Schweden hat und warme Kleidung besitzt sollte man auf jeden Fall wagen, hierher zu kommen. Mir fällt nichts ein, was in D besser ist.
Kommentar vom 10.7.2002:Ich lebe seit zwei Jahren in Schweden und promoviere in Volkswirtschaftslehre. Abgesehen von der reizvollen Landschaft ist das Land mit seinen Menschen eine schöne Abwechslung zum Schlechte-Laune-Land Deutschland. Der Umgang miteinander ist freundlicher und entspannter als in Deutschland. Kinder sind fast überall willkommen.
Die wissenschaftliche Ausbildung genügt hohen Standards (übersteigt in meinem Fach deutlich das Niveau der deutschen Promotion) und ist international anerkannt. Arbeitsplätze sind generell sehr gut ausgestattet und müssen hohen Arbeitsschutzrichtlinien genügen. Auch mit geringerem Lohnniveau kann man hier zurechtkommen, wenn auch nicht luxuriös leben.
Das Gesundheitswesen befindet sich jedoch in einer Krise mit z.T. langen Wartezeiten sogar für den normalen Hausarztbesuch.
Im Berufsleben außerhalb der Wissenschaft sollte man generell gute Schwedischkenntnisse besitzen und mit einer gewissen Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt rechnen.
In den Großstädten muss mit erheblichen Problemen auf dem Wohnungsmarkt gerechnet werden. Ein Mietwohnungsmarkt ist dort fast nicht existent. Reguläre Wartezeiten für eine Wohnung z.B. in Zentral-Stockholm betragen mehr als 12 Jahre. Man sollte also versuchen, über seinen Arbeitgeber eine Wohnung zu bekommen.
Peter Welz, Uppsala
Name: Michael RieplKommentar: vom 8.7.2002 Skandinavien, speziell Schweden, ist nicht nur eine Urlaubsreise wert. Nach meiner Promotion hatte ich als Naturwissenschaftler die Gelegenheit 1,5 Jahre in Linköping - etwa 200 km südwestlich von Stockholm - zu arbeiten. Neben einem modernen Arbeitsplatz und einem kollegialen Team waren die Menschen im allgemeinen viel freundlicher und hilfsbereiter als in Deutschland. Schwedisch sprechen zu können ist nicht unbedingt notwendig, wenn man gut Englisch kann, aber wie in jedem anderem Land hilft es bei Behördengängen und im Alltag deutlich weiter. Bei genauerem Hinsehen merkt man deutlich die Verwandtschaft mit der deutschen Sprache. Auch die medizinische Betreuung ist genausogut, wenn nicht besser als bei uns. Ich kann nur jedem raten eine gewisse Zeit in diesem wunderschönen Land zu verbringen.
Michael Riepl
Name: Marcia HeisterkampWohnort: AacheneMail: ciaheisterkamp@freenet.de
Kommentar: vom 27.5.2002Falls "frau" wie ich, ihren Mann nach Schweden begleitet, wird sie - trotz niedriger Arbeitslosigkeit - Schwierigkeit haben, eine Stelle zu bekommen. Als 'Begleiterin' muss man halt Schwedisch lernen, um eine Stelle zu erhalten. Trotz Englisch, Deutsch, Portugiesisch und Spanisch musste ich zwölf Monate warten, bis ich eine Stelle angeboten bekam. Ich habe mich mehrmals beworben und nur Absagen erhalten. Der Sprachkurs war kostenlos, dafür musste ich nur sechs Monate warten.
Ansonsten ist das Land wirklich schön und ruhig, krank werden ist aber verboten!
Name: Peter HeisterkampWohnort: AacheneMail: p.heisterkamp@akers.se
Kommentar vom 27.5.2002:Ich habe die letzten 15 Monate in Schweden gelebt und bin aus beruflichen Gründen wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Man kann in Schweden sehr gut leben, vorausgesetzt man ist gesund, geht selten aus, hat geringe Gehaltsansprüche und mag lange, kalte und dunkle Winter. Das Gesundheitssystem ist bankrott, schwangere Frauen fahren zur Entbindung 160 km von Stockholm ins Landesinnere.
Das Land ist nach wie vor von sozialistischen Strukturen geprägt. Wenn man sich eine Putzfrau leistet ist man sozial geächtet und gilt als Steuerhinterzieher. Datenschutz ist so gut wie nicht vorhanden, der Bürger ist "gläsern", was die Schweden auch normal finden, weil "wer nichts zu verbergen hat den kann man ruhig durchleuchten".
Tipp für Wissenschaftler: Schweden bietet ausländischen Forschern seit gut einem Jahr zeitlich begrenzte Steuervorteile. Wenn man diese nutzen kann, wird es trotz erbärmlicher Gehaltsstrukturen auch finanziell interessant. Meine Frau und ich haben die Zeit trotzdem sehr genossen. Die Schweden sind sehr freundlich und hilfsbereit und die langen hellen Sommer verbunden mit einer unglaublich schönen Natur sind phantastisch.
Name: Iris SchindlerWohnort: Nye
Kommentar vom 27.5.2002:Es stimmt, was C H Lillig sagt, nicht die Gleichberechtigung und die Selbständigkeit der Frau wird hier vorangetrieben, sondern das die Tatsache, dass ein Verdienst nicht reicht. Andererseits sei aber auch genannt, dass die Väter hier die Betreuung der Baby schon gleich nach der Geburt praktizieren können und auch gerne inAnspruch nehmen.
Das Leben selber ist nicht so stressig, wie in DE. Alles läuft etwas langsamer, machmal zu langsam. Wohnt man auf dem Land (so wie wir), dann ist das Leben wirklich noch lebenswert.
Sucht man sich eine Firma die auch im Export tätig ist, kann man mit drei Sprachen (Schwedisch, Englisch und Deutsch) auch auf diesem Sektor immer Arbeit finden.
Nach nunmehr zwei Jahren in Schweden, möchte ich sagen, DE nein danke. Fürund Wider, Plus und Minus gibt es auch hier, aber ohne Tag gibt es keine Nacht.
Will man im Ausland leben, muss man sich erkundigen, Überlegungen anstellen und sich die Frage stellen, will ich dort leben, wieso will ich dort leben und kann ich damit leben, dass es so ist wie es ist oder auch nicht?
In diesem Sinne Gruß nach DE
Iris Nye
Name: C H LilligWohnort: StockholmeMail: antwort@lillig.de
Kommentar: vom 24.5.2002Aus zahllosen Gesprächen und meinen eigenen Erfahrungen muss ich sagen, dass der hohe Anteil an arbeitstätigen Frauen in Schweden nicht ausschließlich die Gleichberechtigung wiederspiegelt. Vielmehr ist er zu einem großen Teil Ausdruck der wirtschaftlichen Lage. Das sehr niedrige Lohnniveau in Verbindung mit den exorbitanten Lebenshaltungskosten lässt den meisten Familien keine Wahl zur Berufstätigkeit beider Partner, auch wenn einer der Partner z.B. die Kinderbetreuung übernehmen wollt. Viele meiner Bekannten beklagen sich daher über die Entfremdung gegenüber ihren eigenen Kindern, da sie diese nur noch kurz am Abend und am Wochenende sehen.
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