Von der Konfessionslehranstalt zur Pisa-Studie: Das Schulwesen verändert sich ständig, ganz zufrieden sind die Betroffenen nie.
Es kam später nicht mehr oft vor, dass die FDP sich mit den Kommunisten verbündete. Aber nach dem Krieg kämpften sie in Bayern Seite an Seite mit der KPD gegen die Rekonfessionalisierung der Schulen. Im Verfassungsausschuss legten sie gemeinsam einen Entwurf vor: "Die Volksschulen sind öffentlich. Sie sind Gemeinschaftsschulen." Gemeinschaftsschulen: So nannte man damals Schulen, in denen Kinder beider Konfessionen unterrichtet werden.
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Verunsichert von den Pisa-Studien, schicken immer mehr Eltern ihr Kind auf eine Privatschule. (© Foto: ap)
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In den Anfangsjahren der Bundesrepublik gab es noch starke konfessionelle Parallelgesellschaften. Nach der Kapitulation 1945 kehrte man zur Bekenntnisschule zurück - nicht nur als ein Angebot, sondern als staatliches Prinzip. In Bayern verankerten CSU und SPD die Bekenntnisschule als Regelschule in der Verfassung. Erst viel später wurde das korrigiert, ein Volksentscheid stimmte 1968 dem Grundsatz zu, den Liberale und Kommunisten seit langem vertraten: Öffentliche Schulen sind für alle da.
Zwar ziehen sich in der Bildungspolitik einige Topoi durch die gesamte Geschichte: der Streit über die Schulstruktur, die Debatte über Stofffülle und Bildungskanon oder den "Mut zur Erziehung". Aber Stillstand war nie, Werte verschoben sich, Institutionen entkrampften. Auch heute noch empfinden manche Schüler den Unterricht als eine Zwangsveranstaltung. Aber dass den älteren Bundesbürgern die Prügelstrafe noch in guter schlechter und schmerzhafter Erinnerung ist, löst bei Jugendlichen immer wieder Staunen aus.
"Die bayerische Demokratie geht manchmal seltsame Wege..."
Verunsichert von den Pisa-Studien, schicken immer mehr Eltern ihr Kind auf eine Privatschule; auch die kirchlichen Schulen sind wieder beliebt. Die Verbissenheit jedoch, mit der in den fünfziger Jahren sogar staatliche Schulen Katholiken von Protestanten trennten, wirkt nur noch kurios. Die Gemeinde Staudach-Egerndach im Chiemgau, Januar 1950: Eine Lehrerin wird versetzt. Sie kam als Flüchtling nach Bayern - und ist evangelisch. Das passt dem Schulamt nicht, die Kinder hier sind schließlich katholisch.
Die Eltern indes, zufrieden mit der Lehrerin, wehren sich. Schulstreik! Zwei Wochen lang. Aber die Behörden lassen sich nicht erweichen. Die Süddeutsche Zeitung zitiert damals das US-Landeskommissariat: "Die bayerische Demokratie geht manchmal seltsame Wege..."
Massenhafte Lehrerarbeitslosigkeit
Und Bayern geht, wie die anderen Bundesländer, in der Bildung auch ganz eigene Wege. Das Grundgesetz übertrug den Ländern die Kulturhoheit, Konflikte mit dem Bund und das Ringen um länderübergreifende Absprachen in der Schulpolitik ziehen sich deshalb durch alle Jahrzehnte. Bis heute ist es den Ländern nicht gelungen, die Versorgung mit Lehrern auf eine gemeinsame, verlässliche Basis zu stellen. Phasen massenhafter Lehrerarbeitslosigkeit wechseln sich ab mit Zeiten des Mangels, in denen das Provisorium zur Regel wird.
Als 2006 die Lehrer der Berliner Rütli-Schule mit ihrem Hilferuf bundesweit Schlagzeilen machten, klagten sie nicht nur über schwierige Schüler. Sie fühlten sich im Stich gelassen; es fehlten Pädagogen, die Schulleitung war seit Monaten nicht richtig besetzt. Ähnliche Beschwerden haben Lehrer und Eltern in Deutschland schon oft und immer wieder formuliert. Eine Schule in Nürnberg im Jahr 1952: Die Lehrer erinnern das Schulamt daran, dass der Posten des Rektors immer noch nicht besetzt ist. Zwei Klassen hätten bereits seit vier Wochen "praktisch keinen Unterricht" mehr gehabt.
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Umweltstiftung WWF in der Kritik