Mittelschulen, Werkrealschulen, Stadtteilschulen: Jedes Bundesland bastelt am Erziehungssystem und will damit besser sein als die anderen.
Der Erfolg des Hamburger Volksentscheids hat die Gegner struktureller Schulreformen bundesweit beflügelt. Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, sprach von einem "phantastischen Votum für den Erhalt eines leistungsfähigen Gymnasiums". Von Hamburg gehe nun "ein Signal an alle Landesregierungen aus, endlich von teuren und unnützen Strukturreformen die Finger zu lassen". Es gebe in Deutschland keine gesellschaftliche Mehrheit für längeres gemeinsames Lernen, sagte Meidinger, in dessen Verband vor allem Gymnasiallehrer organisiert sind.
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In jedem Bundesland lernen Kinder anders. (© dpa)
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Er forderte die Bildungspolitiker auf, in den nächsten zehn Jahren auf Eingriffe, die auf keinen breiten Konsens stießen, zu verzichten - und sich stattdessen auf bessere Unterrichtsqualität zu konzentrieren. Auch der Deutsche Lehrerverband begrüßte das Hamburger Votum gegen eine sechsjährige Primarschule, es komme "einer bürgerlichen Revolte gleich".
Die traditionell eher linke Bildungsgewerkschaft GEW warf der siegreichen Bürgerinitiative hingegen "eine Angstkampagne" vor. "Es ist ihnen gelungen, bei vielen Menschen Verlustängste für die Lernbedingungen ihrer Kinder zu erzeugen", sagte GEW-Chef Ulrich Thöne. Die Probleme der sozialen Ausgrenzung im mehrgliedrigen Schulsystem seien aber nicht von der Hand zu weisen. Außerdem dürfe es gerade für Flächenstaaten wie Nordrhein-Westfalen keinen Stopp in der Schulentwicklung geben, um trotz sinkender Schülerzahlen attraktive Schulstandorte in Wohnortnähe anbieten zu können.
An Rhein und Ruhr hatten SPD und Grüne im Wahlkampf stark auf das Thema Schulpolitik gesetzt. Die rot-grüne Regierung plant, Gemeinschaftsschulen einzuführen, an denen Jugendliche bis zur zehnten Klasse unter einem Dach sind, in Stufe fünf und sechs gemeinsam unterrichtet werden. Ob die Klassen von der siebten Jahrgangsstufe an aufgeteilt werden, sollen Eltern, Schule und Schulträger vor Ort entscheiden. Man gehe "einen sanften Weg", betont die neue grüne Schulministerin Sylvia Löhrmann. Das Beispiel Hamburg zeige, "wie sensibel systematische Veränderungen in der Schulpolitik sind". Gerade deshalb wolle man längeres gemeinsames Lernen nicht von Düsseldorf aus verordnen, sondern im regionalen Konsens gestalten.
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Folgen der Finalpleite
naja ob latein wirklich so erstrebenswert ist, sei dahingestellt. für mich waren das 5 jahre quälerei. für studium und beruf habe ich es nicht gebraucht bzw. brauche es nicht. es geht vielmehr darum den lehrplan der zeit anzupassen, in der gelehrt wird. wengier in die breite, eher in die tiefe der themen - und die schüler sollten einen großen teil selbst wählen können. dann können auch die fähigkeiten der einzelnen besser gefördert werden. es bringt nicht wirklich viel wenn die schüler stur irgendwelchen stoff pauken mit dem ziel das abi zu bestehen. wirklich dabei gelernt wird schon lange nicht mehr. viel kann da nicht hängen bleiben - zumal sich die schüler schon allein aus zeitmangel nicht intensiv genug mit den einzelnen themen beschäftigen können.
... sind aber, lauf Umfrage, zufriedener. Aber wer glaubt schon Umfragen. Ich stimme Ihnen vollkommen zu, das vorhandene und stetig hinzuströmende Wissen nimmt abartige Dimensionen an. Wer soll das noch alles überblicken? Und wer soll und kann kurzfristig entscheiden, welche Inhalte in Zukunft zu vernachlässigen sind?
Ich persönlich plädiere ja dafür, gerade "unwichtige" Themen stärker zu vermitteln. Latein, Philosophie, Quantenphysik. Das sind die Sachen, die einen langfristig weiterbringen.
Es ist richtig, dass Gymnasien nicht angetastet werden dürfen und auch in frühen Jahren fand ich es - ohne alt genug für irgendeine Ideologie zu sein - angenehm, dass man nicht ständig "wartet" (= bei Kindern malt oder Fez macht), wenn der Lehrer im Einzelunterricht dem Sohn eines Bauern (=an Armut, Unterprivilegiertheit oder Migration kann es nicht liegen) dabei hilft, einen Text zu buchstabieren.
Die Erfahrungen, die wir bei der Azubi-Auswahl mit Gesamtschulen machen, decken sich.
In der größten Erhebung war nicht ein einziger dabei, der den Test bestanden hätte, wohl aber Realschüler, die kein Abitur hatten!
Wir brauchen nicht weniger Schulen, sondern eine mehr, nämlich die "Migrationsschule", in der Sprache und Kultur Kindern allen Alters beigebracht wird - zusätzlich zum normalen Unterricht.
Dann kann die Hauptschule wieder auf handwerkliche Berufe vorbereiten, die Realschule auf kaufmännische und Sachbearbeiterstellen und das Gymnasium auf die Universität.
Mit diesem System waren wir einmal weit vor Finnland und den ganzen Staaten, die immer als Argument für die Einheitsgleichmacherei herhalten sollen.
Damals aber, haben wir noch einen erheblich größeren Teil unseres BIP in die Bildung gesteckt und auch die längst überflüssigen Bundesländer hatten weniger "Bastelrechte".
Föderalismus macht d.umm!
vielleicht ist diese experimentiererei der beste weg um die beste lösung zu finden. aber dabei dürften auch einige kids auf der strecke bleiben. siehe die neuregelung der gymnasien mit turboabitur. das ist für einige einfach viel zu viel stoff in viel zu kurzer zeit. mal ganz abgesehen davon, dass viele lehrinhalte auf der strecke bleiben und themen nur noch am rande behandelt werden. rest ist selbststudium. konsequenz: gymnasiasten haben eine 50 stunden woche - mehr als mancher erwachsener im berufsleben.
Dass jedes Bundesland an seinem eigenen Konzept bastelt, gefällt mir. Auf lange Sicht kann nur so der effektivste Weg gefunden werden. Für unsere Kinder bedeutet das allerdings, mitten im Experiment aufzuwachsen. Interessanterweise erweisen sich diese als ziemlich resistent gegenüber strukturellen Unterschieden. Egal wie gelehrt wurde, irgendwie ist die Bildung doch von einer auf die nächste Generation weitergegeben worden. Liegt uns wahrscheinlich einfach in den Genen.