Die Pisa-Studie aus dem Jahr 2000 gibt noch immer Neues her: Bei einer erweiterten Untersuchung ist Deutschland einen Platz tiefer gerutscht.

Eine um mehrere Staaten ergänzte Auswertung der weltweiten Pisa-Schulstudie hat erneut die Schwächen des deutschen Schulsystems offen gelegt. Von nun insgesamt 43 Ländern rangiert Deutschland auf Platz 22, statt bisher auf Platz 21.

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In Sachen Leistung findet sich die Bundesrepublik wiederum nur im unteren Mittelfeld wieder. Bei der sozialen Förderung schneiden vereinzelt sogar ehemalige Ostblock-Staaten oder arme südamerikanische Länder besser ab als Deutschland.

Bei der am Dienstag in London veröffentlichen neuen Pisa-Auswertung wurden die bereits bekannten Leistungsergebnisse von 31 OECD-Industrienationen mit neuen Testdaten aus viel ärmerern Staaten wie Albanien, Indonesien, Peru und Rumänien verglichen.

Miserable Werte

Die erste Veröffentlichung des bisher größten internationalen Tests 15-jähriger Schüler in den Schlüsselkompetenzen Lesen/Textverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften im Dezember 2001 hatte eine Schockreaktion im deutschen Bildungswesen ausgelöst.

Als besonders gravierend gilt das erneut schlechte Zeugnis für Deutschland bei der Förderung von Kindern aus sozial schwachen Familien sowie der Schüler aus Ausländerfamilien. Die miserablen deutschen Werte werden nur noch von Polen, Bulgarien und Israel übertroffen.

Der OECD-Pisa-Experte Andreas Schleicher sagte, in Deutschland sei wie in kaum einem anderen Land der Welt schulischer Erfolg von der sozialen Stellung des Elternhaus abhängig. Dagegen gelinge es den Schulen anderer Länder viel besser, herkunftsbedingte Nachteile auszugleichen.

Deutsche Schüler haben geringen "Erwartungshorizont"

Während im internationalen Schnitt 62 Prozent der 15-jährigen einen anspruchsvollen akademischen Beruf anstreben, sind dies in Deutschland weniger als die Hälfte.

Deutsche Schüler haben der Auswertung zufolge wegen ihrer früher Aufteilung auf Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien einen viel geringeren "Erwartungshorizont" hinsichtlich eines höherwertigen Abschlusses. Dies bleibe bei ihrer Lernmotivation nicht ohne Auswirkungen, sagte Schleicher.

Auch bei Einbeziehung von Ländern wie Argentinien mit krassen Gegensätzen zwischen Arm und Reich tritt im internationalen Pisa-Vergleich die besonders große Spannweite zwischen guten und schlechten Schülern in Deutschland hervor, ebenso auch die Qualitätsunterschiede zwischen einzelnen Schulen.

Hongkong überzeugt

Überrascht waren die Schulforscher über das gute Abschneiden des neuen Pisa-Teilnehmerlandes Hongkong. Auf Anhieb stieg Hongkong bei Mathematik und Naturwissenschaften in die internationale Spitzengruppe auf. Das zweisprachige Hongkong sei zudem vorbildhaft bei der Förderung von Migrantenkindern, sagte Schleicher. Schulischer Aufstieg erfolge nach Leistung und nicht nach sozialer Herkunft.

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn sagte, die neue Auswertung zeige, wie dringend in Deutschland eine Bildungsreform sei. Begabung und Fähigkeiten von Schülern dürften nicht länger verschenkt werden und soziale Herkunft nicht länger über die Bildungschancen entscheiden. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mahnte eine berechenbaren Stufenplan für die Schulreform an. Statt mehr in die Bildung zu investieren, werde in vielen Bundesländern weiter gespart, sagte die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange.

Die erweiterte Pisa-Studie wurde von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und von der UN-Bildungsorganisation Unesco veröffentlicht.

(sueddeutsche.de/AP/AFP/dpa)

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