Von Jens Schneider

Die neue Primarschule in Hamburg: Länger als bisher sollen Kinder gemeinsam unterrichtet werden, bevor es aufs Gymnasium oder sogenannte Stadtteilschulen geht

Christa Goetsch nimmt die Kritik ganz gelassen hin. Die langjährige Lehrerin und künftige grüne Hamburger Schulsenatorin kennt sich in schulpolitischen Debatten bis ins letzte Detail aus. Deshalb überrascht sie jetzt nicht, was ihr von Elternsprechern und manchen Lehrerverbänden entgegenschlägt. Und sie will sich die Euphorie über das Modell der schwarz-grünen Koalition nicht nehmen lassen, mit dem laut Goetsch in Deutschland Geschichte geschrieben wird, weil europäischer Standard erreicht werde und erstmals Kinder nicht schon mit zehn Jahren selektiert würden. Sechs Jahre lang sollen sie künftig gemeinsam unterrichtet werden, bevor es aufs Gymnasium oder sogenannte Stadtteilschulen geht. Zwar gibt es das gemeinsame Lernen bis zur sechsten Klasse auch schon in Berlin und Brandenburg. Goetsch weiß, dass eine Studie den Berlinern keine guten Ergebnisse gebracht hat. Doch ihr Vorhaben unterscheide sich ganz klar vom Berliner System, sagt sie. Der Fehler dort sei, dass einfach nur die Grundschulzeit auf sechs Jahre verlängert worden sei. In Hamburg müssten Eltern begabter Schüler sich keine Sorgen machen, dass ihre Kinder unterfordert würden. Denn in den sogenannten Primarschulen, die bis zur sechsten Klasse gehen werden, sollen ab der vierten alle Schüler auch von Gymnasiallehrern Fachunterricht erhalten.

Goetsch, ddp

Die neue Hamburger Bildungssenatorin Christa Goetsch will mit einem neuen Schulmodell Geschichte schreiben. (© Foto: ddp)

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Je nach dem Wunsch der Eltern soll es verschiedene Formen von Primarschulen geben. Das kann als Unterbau eines Gymnasiums sein oder in Kooperation mit einer Stadtteilschule, wo Schüler den Hauptschulabschluss, die Mittlere Reife oder auch das Abitur machen können. Auf der Stadtteilschule gibt es das Abitur nach 13, am Gymnasium nach 12 Jahren. Neu ist nicht nur die komplette Abschaffung der Hauptschule, sondern vor allem, dass erst beim Übergang zur siebten Klasse eine Zeugniskonferenz entscheidet, ob ein Kind aufs Gymnasium kann. Neue Schulgebäude werden für die Reform kaum benötigt. Aber die Bildungsoffensive verspricht auch kleinere Klassen und neue Lehrer. Finanzsenator Michael Freytag (CDU) hat bereits einen dreistelligen Millionenbetrag für Schulen und Kitas in Aussicht gestellt.

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(SZ vom 21.04.2008/sam)