Die Bankenkrise, aber auch der Widerstand der Bundesländer gehen zu Lasten der Schulen und Unis.
Angela Merkels Bildungsgipfel kommt zu spät. Die Krise der Finanzmärkte kostet die Bundesregierung alle Kraft, und nach dem milliardenschweren Rettungspaket für die Banken ist zu befürchten, dass die Schulen und Hochschulen wieder nur mit ein paar Notgroschen abgespeist werden. Nächste Woche will die Kanzlerin in Dresden mit den Ministerpräsidenten eine nationale Bildungsstrategie vereinbaren. "Aufstieg durch Bildung" soll sie heißen. Aber wird die Luft der Politiker reichen für einen echten Gipfel? Bisher sieht es so aus, als würden sie, unter Ächzen, allenfalls einen Dresdner Bildungshügel bezwingen.
Unterricht an einer Grundschule: Kinder brauchen zusätzliche Sprachlehrer, Lerntherapeuten und Sozialarbeiter. (© Foto: dpa)
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Die Behäbigkeit, mit der es bildungspolitisch vorangeht, hat aber nicht nur damit zu tun, dass das Geld so knapp ist. Es liegt auch daran, dass Bund und Länder nicht gut zusammenspielen. Die Länderchefs bremsen den Elan der Kanzlerin, die plötzlich ein Thema an sich zieht, das ihr noch vor ein paar Monaten nicht wichtig genug war, um dem Bund mehr Einfluss in der Bildungspolitik zu verschaffen. Dazu hatte es eine gute Gelegenheit gegeben: bei der ersten Stufe der Föderalismusreform vor zwei Jahren. Damals überließ Merkel die Schulpolitik vollständig den Ländern, obwohl dies der richtige Zeitpunkt gewesen wäre, eine stabile gemeinsame Verantwortung festzuschreiben. Nun ist es zu spät.
Gemeinsamer Wille
Jetzt muss sich die Gipfelstürmerin mit widerspenstigen Wanderern herumschlagen. Die Ministerpräsidenten, zumal die der Union, zeigen wenig Interesse, auf dem Gipfel verbindliche Ziele zu setzen, die über vage Versprechen hinausgehen. Das aber wäre nötig: In Dresden müsste konkret benannt werden, bis wann, wie und mit welchem Geld die gröbsten Mängel im Bildungssystem behoben werden sollen. Jedes Jahr verlassen mehr als 70.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss, für jeden fünften 15-Jährigen sind simple Rechen- und Leseaufgaben schon zu schwer. Die Schulen, an denen es besonders viele Probleme gibt, wären leicht zu identifizieren. Auf sie muss sich die Hilfe konzentrieren, sie brauchen zusätzliche Sprachlehrer, Lerntherapeuten und Sozialarbeiter. Dafür könnten Bund und Länder gemeinsam aufkommen, wenn es einen gemeinsamen Willen gäbe. Unabhängige Experten müssten das Programm begleiten und den Fortschritt überwachen.
Auch die Hochschulen warten auf ein verlässliches Zeichen, dass sie mit dem bevorstehenden (und von der Politik ja auch gewollten) Studentenansturm nicht alleingelassen werden. Die Fachminister haben vor kurzem eine Empfehlung des Wissenschaftsrats mitgetragen, wonach eine Milliarde Euro im Jahr zusätzlich nötig ist, um die Lehre an den Unis und die Betreuung der Studenten zu verbessern. Bisher gibt es dazu aber in keinem der vorbereitenden Gipfel-Papiere eine klare Aussage. Bei der Finanzmarkt-Krise zeigt die Politik, dass sie notfalls sehr schnell reagieren und viel Geld bereitstellen kann. Warum nicht auch bei der Abwendung einer Bildungskatastrophe?
- Bildungsmisere No Porno 11.10.2008
- Bildungspolitik Geld ja, Vorschriften nein 13.10.2008
- CDU zur Hochschulpolitik "Bildung für alle" 09.10.2008
- Bildungspolitik und Föderalismus Jahrmarkt der Eitelkeiten 26.08.2008
(SZ vom 16.10.2008/bön)
Partnersuche zum Valentinstag
70.000 Schüler ohne Abschluss, dass sind bei einer Klassenstärke von 25 immerhin 2.800 Lehrer, die - rein rechnerisch - dafür bezahlt werden, dieses Ergebnis zu erwirtschaften; in der Realität sind natürlich sehr viel mehr Lehrer daran beteiligt.
MEHR Sprachlehrer, Lerntherapeuten und Sozialarbeiter werden dieses QUALITATIVE Problem nicht lösen können. Wir müssen die Augen aufmachen und endlich dem trauen, was wir da sehen: zum Beispiel, wo bei bestimmten Maßnahmen seit Jahrzehnten die Probleme nicht kleiner werden sondern größer.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer muss ich einen völlig unökonomischen Umgang mit den Energie-Ressourcen aller an der Schule Beteiligten beklagen: Bei immer größerem Aufwand erreichen wir immer weniger. Das ist ein Zeichen dafür, dass wir es verkehrt machen, vor allem verkehrt mit uns selbst. Wir machen uns von immer noch mehr Bedingungen abhängig, die nicht erfüllt werden, und verlernen den Umgang mit unseren Potentialen.
Unsere Du-musst-Schulen kämpfen immer nur für ein noch besseres MUSS. Die neue Ich-kann-Schule geht dafür - etwas bescheidener - mit dem realen KANN um, das jeder IN ishc hat, und entwickelt es. Während andere 30 Jahre lang frustriert beklagen, dass sie nicht können, weil man ihnen nicht die gewünschten Bedingungen schafft, haben in der Ich-kann-Schule alle schon 30 Jahre lang ihre Potentiale entwickelt.
Ich grüße herzhaft.
Franz Josef Neffe
... macht doch dieses Thema wenigstens * einmal * richtig groß auf und versteckt es nicht verschämt irgendwo hinten. Deutschland hat nur EINE echte Chance auf Zukunft:
BILDUNG, BILDUNG, BILDUNG!
Wir haben keine ernstzunehmende Rohstoffe (ich kaufe dann doch auch lieber die billige chinesische Kohle ...).
Wir leben in einer globalisierten Welt (ist einfach Fakt).
Wir haben einen ordentlich hohen Lebensstandard, bzw. ein gutes Sozialsystem (irgendwie hat doch "jeder" ein/zwei Autos und fährt damit täglich allein (!) zur Arbeit, fährt x-mal/a in den Urlaub, mehr angemeldete Handies als Einwohner).
Wir haben die höchsten privaten Spareinlagen.
Wir haben keine/zu wenige mutigen Wirtschaftführer (Versagen bei MP3- die Story kennt jeder, bei Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs - das Patent "unseres" Nobelpreisträgers hat jetzt eine US Pharmafirma, Überlassung der Entwicklung alternativer Energien dem Ausland - die ersten Elektroauto en masse kommen wohl aus Japan oder Israel).
Und all das könnte verbessert bzw. erhalten werden, wenn nur endlich mal die einzig wirkliche Reserve ordentlich gefördert würde, die diesem Land nachhaltig seinen Wohlstand erhalten könnte.
Und der Staat schwimmt ja offensichlich im Geld - wenn's denn sein muss.
Bitte - nur - einige 10er Milliarden in Kindergärten, Schulen, Unis, Ausbildungsbetriebe.
Das Ziel darf noch nicht sein, die höchste Rendite zu bekommen (die kommt dann von alleine), sondern wir müssen bei PISA vorne mitspielen, Wissenschaftler sollen nach D kommen, weil die Wissenschaftsbedingungen gut sind und die dt. Ingenieure sollen Vorreiter sein bei technologischen Innovationen.
WARUM IST DAS SO SCHWER ZU KAPIEREN? Daran könnte ich wirklich manchmal verzweifeln ...
Merkel meint, sie könnte die Bürger blenden, wenn sie sich ein paar Mal fotografieren lässt zur Bildungspolitik, statt Bildungspolitik zu machen.
Aber heute bei der Nominierung Titemeyers zum Berater hat sie die Fratze ihrer tatsächlichen Politik wiedert gezeigt: PIN-AG in die Pleite schicken für Frau Springer, in der Finanzkrise die Apologeten des falschen Dogams zum Retter machen wollen, der Bock zum Gärtner.
Für Bildungspolitik, Klimapolitik, Freidnespolitik (Georgien, Afghanistan) bleibt weder Zeit noch Geld. Statt dessen will sie mit Schäuble zusammen den Bürger Panzer udn Raketen auf den Pelz brennen müssen.
Merkel muss weg. Schnell. So schnell wie ein Finanzgesetz. Die Pressekonferenzen zur Bildungspolitik müssen endlich einer echten Bildungspolitik weichen. So wie bei den Sozis in den Siebzigern. Nicht wie bei der SED in den 80ern und jetzt bei Merkel.
genau da wo man es am wenigsten braucht.
Dann übernehmen demächst RTL und Co den Bildungsauftrag
Vielleicht auch gesponsert bei Deutsche Bank. Sag Danke und bring mir das Geld.