Von Von Britta Schulte

Ein Aachener Rektor engagiert Arbeitslose: Wie eine Hauptschule im Problemviertel Jugendlichen hilft.

Mit zwei langen Schritten ist der Schulhelfer da, kahlrasierter Schädel, breites Kreuz, ein ehemaliger Boxer. Mit Wucht lässt er je eine Hand auf die Schulter eines Mädchen und eines Jungen fallen, schiebt die eine nach links, den anderen nach rechts. Schon entwirrt sich ein Menschenknäuel. Felix, der ins Kübelgrün gefallen war, steht auf und streift sich die Blätter aus den Haaren. Mit großspuriger Fußballergeste geben sich die Streitenden die Versöhnungshand. "Später muss man zuhören, was los war," sagt Schulleiter Manfred Paul. Es hat keinen lauten Ton gegeben. Keinen Druck, keinen Widerstand.

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Fast fröhlich wirken in der Pause die Schüler der Ganztags-Hauptschule an der Aretzstraße im Ostviertel von Aachen. Dabei haben viele der 500 Jugendlichen echte Sorgen. Die Hälfte kommt aus Einwandererfamilien, 25 Prozent sind Aussiedlerkinder, zehn Prozent Ausländer mit deutschem Pass, etwa 15 Prozent sind Deutsche. Eine typische Hauptschule eben, eine von denen also, die erst kürzlich vom Bundeswirtschaftsminister als "Restschule" bezeichnet wurden, denen man mehr Chancen einräumen müsse. Wolfgang Clement hatte Bilanz des Projekts "Step 21" gezogen, einer gemeinnützigen Initiative, die Toleranz und Eigenverantwortung unter Jugendlichen fördern will. Selbst gedrehte Filme, Musicals oder Spiele zum Thema Berufswahl waren die Ergebnisse. Indianer statt Geografie

Was Schule bewirken kann, wenn sie die Schüler ernst nimmt und Erwachsene einbindet, zeigt auch das Beispiel aus Aachen. Nicht nur auf dem Pausenhof, auch im Gebäude herrscht ein selbstverständlicher Umgang miteinander. Schüler halten Erwachsenen die Tür auf, sie grüßen, antworten offen auf unerwartete Fragen. Da fliegen die Mädchen auf die ankommende Lehrerin, da nimmt ein Lehrer den Schüler Kopf unterm Arm. Für die offene, familiäre Schulatmosphäre gibt es ein Rezept: "Als Schulleitung stehen wir fest zusammen", sagt Rektor Manfred Paul. "Und das Kollegium zieht mit. Wer hierher kommt, weiß, worauf er sich einlässt."

Die Lehrer lassen sich auf ein besonderes pädagogisches Konzept ein. Sie versuchen, die Fülle der Fächer auf exemplarische Projekte - Indianer, Müll oder Steinzeit etwa - zusammenzuzurren; sie geben den Schwachen Förderstunden; sie lassen verhaltensauffällige Kinder mit den anderen gemeinsam lernen. Nicht zuletzt aber haben die 50 Lehrerinnen und Lehrer zugesagt, über den Unterricht hinaus in der Schule präsent zu sein und sich zu engagieren. Manche wie Mechthild Eckenbach bringen auch ein Faible für gerade diese Schülerschaft mit: "Ich hab eine Schwäche für chaotische Kinder."

Neben Lehrern und auch Eltern engagieren sich andere Erwachsene, darunter Arbeitslose, an der Schule und genau das macht ihre Besonderheit aus. Slavomir Tallarek zum Beispiel betreibt im Schulkeller die Fahrradwerkstatt. Der Schlossermeister erhält ein Honorar aus dem Verkauf wieder hergerichteter Schrotträder. Seit einem Unfall, seine linke Hand wurde gequetscht, kann er vieles nicht mehr alleine machen. Ihm helfen jeweils zwei Schüler. Marcel zum Beispiel ist gern dabei, im Keller ist es ruhig. Er kommt aus einer angespannten Familienatmosphäre, hier muss er sich nicht ständig mit anderen auseinandersetzen.

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