Schule in den USA Lehrer wegen schlechter Noten gefeuert

Nachhilfe war gestern: An einer amerikanischen Schule werden alle 93 Lehrer entlassen - weil die Leistung der Schüler zu schwach ist.

Nachhilfe-Marathon im Kampf gegen schlechte Noten? Der Schulbehörde im amerikanischen Bundesstaat Rhode Island ist das nicht genug. Sie sieht die Schuld an den schwachen Leistungen der Schüler bei den Lehrern - und entschied sich zu einer radikalen Maßnahme: Weil die Schüler der Central Falls High School schlechte Mathe-Noten nach Hause bringen, sollen zum Ende des Schuljahres alle 93 Lehrer entlassen werden, schreibt die Lokalzeitung The Providence Journal.

Schlechteste Schule im Bundesstaat

Die Central Falls High School gilt als eine der schlechtesten Schulen des Bundesstaats. Lediglich sieben Prozent der Schüler hätten im vergangenen Jahr ausreichende Mathematik-Kenntnisse vorweisen können. Nur 48 Prozent aller Schüler würden überhaupt einen Abschluss bekommen, heißt es in der Begründung der Schulbehörde.

Der Beschluss der kollektiven Kündigung sorgte jetzt für Aufruhr unter Lehrern, Eltern und Schülern. Das Feuern der Lehrer sei "unmoralisch, illegal und ungerecht", hieß es von Vertretern der Gewerkschaft. "Meine Lehrer sind immer für mich da, sie fördern mich", wird Sheila Gomes, 17-jährige Schülerin an der Central Falls High School, in der New York Times zitiert. Mit Transparenten protestierten Jugendliche mit ihren Eltern gegen die Entlassungen. Auch die Lehrer selbst betonen immer wieder, an der Schule, die in einer ärmlichen Gegend liegt, sei man wie eine Familie.

Lehrer verweigern Mehrarbeit

Frances Gallo, Aufsichtsbeamtin der Schulbehörde, hat für dieses Argument nur wenig Verständnis: "Wenn Sie so eine enge Familie sind, wie können Sie es dann vertreten, dass Sie jedes Jahr mehr als die Hälfte Ihrer Familie verlieren?", entgegnete sie den Lehrern in Anspielung auf die hohe Schulabbrecherquote.

Dass die Schulbehörde angesichts der schlechten Noten die Maßnahme des turnarounds - also der kompletten Lehrerauswechslung ergreift, wäre zu verhindern gewesen. Ursprünglich sollte ein Konzept des Wandels verwirklicht werden, das von den Lehrern verlangte, täglich 25 Minuten länger zu arbeiten, regelmäßig Nachhilfeunterricht am Nachmittag zu geben, einmal wöchentlich mit den Schülern zu Mittag zu essen und jeden Sommer zwei Wochen Fortbildung zu besuchen. Da für den Mehraufwand jedoch kein Cent mehr bezahlt werden sollte, weigerten sich die Lehrer, auf das Angebot einzugehen.