Von Von Christine Burtscheidt

Wer im Gymnasium durchfällt, kommt vom G 9 aufs G 8 - und steht damit vor neuen Problemen.

Lehrer haben es immer befürchtet, Eltern jedoch gelegentlich herbeigesehnt: Das bayerische Abitur wird leichter. Knapp ein Jahr nach der Einführung des achtjährigen Gymnasiums zeigt sich, dass anders die Schulzeitverkürzung nicht machbar ist. So reichte jetzt bereits die Androhung eines Volksbegehrens aus, den neuen Kultusminister Siegfried Schneider zu veranlassen, die überdurchschnittlich hohen Unterrichtszeiten im achtjährigen Gymnasium zu kappen. Zwar ist noch nicht ausgemacht, welche Fächer in welchen Jahrgangsstufen weiter zurückgefahren werden - die Intensivierungsstunden zur individuellen Förderung und Deutsch sind im Gespräch. Bis zum Schuljahresende sollen jedoch konkrete Pläne vorlegen.

Schüler

Ist eine 4,59 in Mathe bald eine Vier? Das Kultusministerium denkt darüber nach, die Noten zu entschärfen. (© Foto: AP)

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In einem anderen Punkt hat das Ministerium bereits nachgegeben, ohne dass Eltern Druck machten: beim Sitzenbleiben. Die bisherigen Bestimmungen wurden mit Blick auf das achtjährige Gymnasium bereits im Frühjahr deutlich aufgeweicht: So ist inzwischen in der Unter- und Mittelstufe selbst ein Vorrücken auf Probe bei zwei Fünfern oder einem Sechser im Jahreszeugnis möglich, sofern sich die Lehrerkonferenz auf Antrag der Eltern dazu durchringt.

Außerdem kann eine Nachprüfung bei bis zu "drei Fächern mit nicht ausreichender Note" gemacht werden. Das geht aus dem Brief des Kultusministeriums hervor, der bereits nach den Zwischenzeugnissen Schulleitern zuging. Das neunseitige Rundschreiben liest sich wie ein Ratgeber "zur Vermeidung des Wiederholens", was in den nächsten Wochen wohl von großer Bedeutung sein wird. Denn Ende Juli gibt es Jahreszeugnisse und dann drohen erstmals G 9-Schüler unfreiwillig ins G 8 zu gelangen. Bis zu neun Prozent --rund 3500 Jugendliche -- können davon betroffen sein. Sie besuchen zurzeit die siebte Klasse. Erfahrungsgemäß fallen hier besonders viele Schüler durch. Das liegt an der zweiten Fremdsprache. Wer jedoch deshalb das Schuljahr nochmals machen muss, wird davon diesmal nicht sonderlich profitieren.

Eine Wiederholung, die keine ist

Denn die zweite Fremdsprache startet im G 8 bereits in der sechsten Klasse. In der siebten Klasse sind die Schüler mit dem Stoff also so weit wie das G 9 in der achten Klasse. Für solche, die sprachlich Schwächen haben, empfahl das Ministerium der Schule deshalb bereits im Februar, doch Förderkurse einzurichten. Kapazitäten dafür sollten aus dem Wahlkurs-Budget geschaffen werden, das immer mehr zu einem Reserve-Pool für die Umsetzung der Schulzeitverkürzung degradiert wird. Hat die Förderung bisher nicht gefruchtet und wurde das Klassenziel nicht erreicht, tritt nun auf expliziten Wunsch des Ministeriums Paragraph 55 in Kraft, also das "Vorrücken auf Probe".

Siebt-Klässler, die dennoch sitzenbleiben, müssen sich nicht grämen, denn das Jahr - auch das ist eine neue Bestimmung - zählt nicht als Wiederholungs-Runde. Keine Rolle spielt übrigens die Biologie-Note im Jahreszeugnis der Siebt-Klassen. Begründung des Ministeriums: Das Fach gibt es in der siebten Klasse des G 8 nicht.

Trotz all dieser Erleichterungen sowie der Zusicherung der Lehrer, nicht zu Lasten der Kinder zu urteilen, herrscht unter betroffenen Eltern große Verunsicherung. Direktoren berichten, dass in diesem Jahr bereits überproportional viele Kinder prophylaktisch an Realschulen angemeldet worden seien. "Die Angst vor dem G 8 ist groß", heißt es.

Auch gehen die Schulen davon aus, dass sich das Problem in den nächsten Jahren verschärfen wird. Denn in den höheren Jahrgangsstufen ist ein Wechsel an eine Realschule nicht mehr möglich. Abhilfe ist aber in Sicht. Wie es in Lehrerkreisen heißt, denkt das Ministerium inzwischen über weitere Entschärfungen bei der Notengebung nach. So soll nur mehr die erste Stelle nach dem Komma ausschlaggebend für eine Note sein. Eine 4,59 in Mathematik oder Englisch ist dann nicht mehr eine Fünf, sondern eine Vier.

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