Von Christine Burtscheidt

Die CSU erwägt, Kinder generell früher einzuschulen. Statt vier würden sie dann fünf Jahre lang auf die Grundschule gehen.

Die CSU erwägt erstmals eine Verlängerung der Grundschulzeit auf fünf Jahre. Im Sozial- und Kultusministerium gibt es Überlegungen, Kinder bereits ein Jahr früher als bisher zur Schule zu schicken. Das letzte Kindergartenjahr würde damit in die Grundschule verlegt werden. Begabten stünde es frei, nach vier Jahren an weiterführende Schulen zu wechseln.

Schule in Bayern: Die CSU erwägt, Kinder früher einzuschulen.

(© Foto: dpa)

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Schritt für Schritt bricht Kultusminister Siegfried Schneider mit Tabus der konservativen Bildungspolitik. Vergangenen Herbst kündigte er einen zweiten Weg zum Abitur an, um das Schulsystem durchlässiger zu machen. Zurzeit debattiert sein Haus mit dem Sozialministerium über eine längere Grundschulzeit. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung können sich auch Abgeordnete der CSU-Fraktion vorstellen, die Grundschule früher beginnen zu lassen, was bislang nur von der Opposition gefordert wurde.

Ein vorzeitiges Einschulen ist bereits möglich. Nun aber gibt es die Idee, das letzte Kindergartenjahr generell zur ersten Grundschulklasse zu machen. Diese könnte eine kombinierte Klasse aus der ersten und zweiten Jahrgangsstufe werden. Je nach Förderungsbedarf würden Schüler ein Jahr überspringen oder fünf Grundschuljahre in Anspruch nehmen. Im Kultusministerium wird das Modell als eines unter vielen diskutiert, um "möglichst früh einen Ausgleich sozialer Disparitäten zu schaffen", wie es heißt.

Laut der Bildungsstudie Pisa hängen soziale Herkunft und Bildungsabschluss in keinem Land so stark zusammen wie in Deutschland. Kinder aus bildungsfernen Schichten haben demnach schlechtere Chancen, besonders Migranten. In Bayern schaffen nur 16 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund den Sprung auf das Gymnasium. Zudem raten Entwicklungspsychologen, Schüler früher an grundlegende Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben heranzuführen. Die CSU-Fraktion hat deshalb "die frühe Förderung" zum Schwerpunkt ihrer Klausurtagung in Kloster Banz gemacht. In einer am Dienstag beschlossenen Resolution "Bildungs- und Erziehungsort Schule stärken" plädiert sie vor allem für eine bessere Abstimmung pädagogischer Ansätze in Kindergarten und Grundschule - überlegt wird ein gemeinsamer Erziehungsplan vom ersten bis zum zwölften Lebensjahr.

Vor allem aber soll das Lernen im letzten Kindergartenjahr einen höheren Stellenwert bekommen. Das sieht bereits der neue Erziehungs- und Bildungsplan für den Kindergarten vor. Offen ist jedoch nach Ansicht von Experten, ob Erzieherinnen der Aufgabe gewachsen sind. So gibt es Überlegungen, ob es nicht besser wäre, das Vorschuljahr gleich an die Grundschule abzutreten. Der bildungspolitische Sprecher der CSU-Fraktion, Gerhard Waschler, hält ein solches fünftes Grundschuljahr zwar für "visionär". Gegen Modellversuche hätte er jedoch nichts einzuwenden, wenn sie im Einverständnis mit den Beteiligten erfolgten.

Ungeklärt ist noch die Finanzierung einer längeren Grundschulzeit. Im nächsten Haushalt ist dafür kein Geld eingeplant. Bestenfalls springen in Banz noch weitere Mittel für Ganztagsschulen heraus. Über eine halbe Millionen Euro wurde am Dienstag spekuliert. Auf dem Weg zu einer größeren Chancengerechtigkeit seien Ganztagsschulen mindestens so wichtig wie eine längere Grundschulzeit, heißt es im Kultusministerium.

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(SZ vom 20.9.2006)