10.000 Pädagogen fehlen bundesweit nach Schätzungen des Deutschen Philologenverbands.
Zum Beginn des neuen Schuljahres hat sich der Lehrermangel an deutschen Schulen verschärft. Nach einer Schätzung des Deutschen Philologenverbands fehlen bundesweit etwa 10.000 Lehrer. Das sei aber erst der Anfang, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger der Süddeutschen Zeitung: "Das Land steuert auf den dramatischsten Lehrermangel seit den sechziger Jahren zu." Die Schätzung des Verbands, in dem vor allem Gymnasiallehrer organisiert sind, beruhe auf Angaben aus den Landesverbänden sowie Daten der Kultusministerien.
Lehrer einer Realschule in Bremen. (Foto: AP) (© )
Anzeige
Lediglich in den neuen Bundesländern gebe es derzeit wegen stark sinkender Schülerzahlen keinen akuten Mangel an Pädagogen, so Meidinger. In den alten Bundesländern sei dagegen der Bewerbermarkt weitgehend leergefegt. Vor allem strukturschwache und ländliche Regionen würden unter der geringen Zahl an Absolventen leiden.
In Bayern und Baden-Württemberg gehen Anfang dieser Woche die Sommerferien zu Ende, in den anderen Ländern hat die Schulzeit schon länger wieder begonnen. Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) räumte ein, dass es wegen fehlender Lehrer zu Unterrichtsausfällen an den Gymnasien und Realschulen kommen werde. "Wir hatten in einigen Fächern weniger Bewerber als wir gerne eingestellt hätten - in Mathematik und Physik an Gymnasien und Realschulen, und an den Gymnasien auch in Latein", sagte Schneider. Die SPD kritisierte die bayerische Bildungspolitik. "Übervolle Klassen, übergroßer Unterrichtsausfall und ein chronisch unterfinanziertes Bildungswesen sind in Bayern mittlerweile zum Standard geworden", sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Pfaffmann.
In den kommenden Jahren steht den Schulen eine Pensionierungswelle bevor. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) werden innerhalb von sieben Jahren bundesweit etwa die Hälfte der Pädagogen in den Ruhestand gehen. An den Universitäten würden derzeit nur halb so viele Lehrer ausgebildet, wie die Schulen bräuchten. Allein in Berlin würden 600 Lehrer für die Grundschulen fehlen.
Werben um Frauen
Die Dramatik der Lage sei bisher durch Arbeitszeitverlängerungen und eine Anhebung des Pensionierungsalters verschleiert worden, erklärte der Philologenverband. Viele Schulen seien bereits dazu übergegangen, Seiteneinsteiger aus anderen Berufen zu beschäftigen, um den Unterrichtsausfall einzudämmen. Der Philologenverband forderte, diese Kräfte intensiv und schnell pädagogisch zu qualifizieren. Dabei dürfe es jedoch keine "Billiglösungen" geben.
Beurlaubte Lehrer sollten zur Rückkehr in die Schulen ermuntert werden. Es könnten auch gezielt Frauen angeworben werden, die in den vergangenen Jahren keine Anstellung als Lehrerin gefunden hätten und daraufhin etwa in die Hausfrauenrolle gedrängt worden seien.
(SZ vom 12.9.2005)
65. Filmfestspiele Cannes